Fotos: Haik Büchsenschuss und Renate Koßmann

Jacqueline Seidel, 51 Jahre, Pianistin

Macht sich ein besseres Bild

Ich schau wenig Fernsehen und Radio höre ich meist auch nicht. Ich guck morgens aus dem Fenster und wenn ich sehe, die Leute laufen alle noch zur Arbeit, ist es gut, dann lauf‘ ich mit. Naja, im Internet gucke ich dann doch schon mal, ganz so schlimm ist es nun auch nicht, ich muss mich auch mal informieren, was los ist. Aber bei den Privaten gehts ja nur um Katastrophen. Aber wenn ich sehe, wie die Menschen hier rumlaufen und wie es bei mir ist im Umfeld, ist es gar nicht so doll mit dem Hass. Es wird immer so erzählt, als ob jeder Zweite was gegen Ausländer hat, das ist aber gar nicht so. Das wird bei den Privaten aufgebauscht. Bei den Öffentlich-Rechtlichen (ÖR) kann ich mich von allen Seiten informieren, nicht nur einseitig. Das ist für mich wichtig. Bei den ÖR kann ich mir ein besseres Bild machen und mir eine Meinung bilden.


Doris Sawade, 71 Jahre, ehem. Statistikerin

Hört am liebsten: rbb Kulturradio am Vormittag & Lesung

Bei den privaten Sendern stören mich die Werbeunterbrechungen. Das mag ich überhaupt nicht. Wenn ich etwas höre oder jemandem zuhöre, und auf einmal kommt so eine Werbung dazwischen. Deshalb brauchen wir den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und ich möchte auch, dass wir Gebühren dafür zahlen, sodass wir nicht von Werbung überflutet werden. Und dass wir dafür zahlen müssen, ist auch klar. Dass wir dafür sorgen, dass da recherchiert wird, dass es mehrere Meinungen gibt, die man hören kann. Das muss bleiben. Ich schaue ARD und ZDF und die Landesfernsehanstalten. Mich interessiert es auch, was in anderen Bundesländern los ist. Das finde ich gut, dass dort regional berichtet wird. Das bereichert mein Wissen. Auf Deutschlandradio kommen ganz interessante Sendungen und Diskussionen. Und auch die Hörspiele finde ich toll. Das ist eine Bereicherung unseres Alltags, für die wir zahlen müssen. Und ich finde auch, dass es moderate Gebühren sind. Die sind bezahlbar. Es gibt ja auch für sozial Schwache Ermäßigungen und Befreiungen. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist wichtig in unserer Gesellschaft. Morgens früh brauche ich einfach rbb-Kulturradio. Wenn das mit Klassik anfängt, wenn da Sätze aus verschiedenen Sinfonien oder Klaviersonaten gespielt werden, also nicht nur angespielt, sondern der ganze Satz – also das ist mein morgendliches Ritual. Mittags die Literaturlesung um 14 Uhr 30 und abends die Hörspiele.


Niklas Günther, 26 Jahre, Systemadministrator

Guckt am liebsten die Nachrichten auf ARD und ZDF

Auf den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF schaue ich am liebsten die Nachrichten. Für Filme nutze ich aber aus Zeitgründen abends hauptsächlich Streamingdienste. Früher habe ich auch ab und zu den Tatort mit Freunden zusammen geschaut. Der Vorteil ist, dass er nicht durch Werbepausen unterbrochen wird. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind qualitativ hochwertiger als die privaten, weil sie die sozialkritischeren Themen bringen, keine gefilterten Nachrichten, es werden verschiedene Meinungen gezeigt, alt und jung, Familienmitglieder, es kommen mehr Menschen zu Wort. Es sollte die auf jeden Fall weiterhin geben wegen der größeren Meinungsvielfalt.


Maria Antonia Roßkoth, 70 Jahre, ehemalige Medizinische Dokumentarin

Hört am liebsten: Essay und Diskurs (Deutschlandfunk), Alte Musik (Di Abend 22 Uhr, Deutschlandfunk Kultur)

Im Fernsehen gucke ich nur öffentlich-rechtliche Sender und ich höre auch nur öffentlich-rechtliches Radio, vor allem den Deutschlandfunk. Wenn ich es zuteilen könnte, würde ich meinen ganzen Rundfunkbeitrag dem Deutschlandfunk geben. Die Sendungen, die ausführlich ein Thema behandeln, finde ich gut, denn zum Zeitunglesen komme ich nicht mehr. Und da fühle ich mich dann wirklich auch informiert. Das ist mir wichtig. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk könnte noch viel, viel besser werden, der sollte sich nicht so diesen Privaten anpassen. Gerade ARD und ZDF passen sich zu sehr an. Ich gucke gerne arte und diese ganzen Wissenschafts- und Historiensendungen und auch anspruchsvollere Filme. Auf jeden Fall keine Reklame, dadurch fühle ich mich oft beleidigt. Wenn die Sender ihren Auftrag ernster nehmen und auch ausführlicher ein Thema besprechen – das ist beim Deutschlandfunk so – da fühle ich mich dann gut aufgehoben. Auf keinen Fall sollte man auf öffentlich-rechtlichen Rundfunk verzichten, dann würde diese, auf Grobdeutsch gesagt, Augen- und Ohrenkotze so zunehmen, das würde ich nicht mehr aushalten.


Daniela Eckert, 35 Jahre, Projektmanagerin

Guckt meistens ZDF, aber auch ARD

Ich gucke meistens ZDF, zum Beispiel Soko Leipzig, Notruf Hafenkante und Terra X, aber auch ARD und dort Live nach Neun. Ich finde die öffentlich-rechtlichen Sender sind qualitativ hochwertiger. Und ich zahle auch gerne weiter meine Rundfunk-Gebühren dafür. Bei den Öffentlich-Recht- lichen sind ja auch die ganzen Apps mit dabei, was viele Leute überhaupt nicht sehen, dass die ja auch mitfinanziert werden. Ich finde schon, dass es die öffentlich-rechtlichen Sender weiter geben muss, auch wegen der Bildung.


Oliver Pechstein, 59 Jahre, Lehrer

Guckt am liebsten: Krieg der Träume (ARD) und hört Radio Eins (rbb)

Wir hören jeden Morgen Radio Eins. Wir gucken viel ARD und arte oder wir schauen uns Sachen in der Mediathek an. Ich persönlich gucke wenig Privatfernsehen. Bei den Öffentlich-Rechtlichen ist die Qualität besser, vor allem journalistisch, aber auch bei anderen Formaten. Ganz toll war jetzt gerade diese ARD-Serie „Krieg der Träume“. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss unbedingt erhalten bleiben, weil es wichtig ist, dass es ein Gegengewicht gibt zu den rein ­ökonomischen Interessen und Einschaltquoten.


Gabriele Wagler, 76 Jahre, ehem. Verlagskauffrau

Guckt am liebsten: arte und Phoenix

Ich gucke öffentlich-rechtlich. Auf alle Fälle die Nachrichten und Dokumentationen, arte sehe ich gerne und Phoenix. Tatort versuchen wir immer wieder, aber naja, das wird auch immer moderner und ­irgendwie schneller und zum Teil sehr nuschelig, sodass man die Schauspieler kaum versteht. Liegt aber vielleicht auch am Alter. Privat ist ja ganz schrecklich. So was kann man ja alles nicht angucken, Dschungelcamp und Bachelorette und wie das alles heißt. Das sind ja alles furchtbare Sachen. Ich finde, die ÖR sind da doch noch ein bisschen seriöser. Ich vertraue, dass das Journalisten sind, die uns nicht hinters Licht führen. Auf die Öffentlich-Rechtlichen sollte man nicht verzichten, weil ich immer noch hoffe, dass so ein Herr Kleber nicht gelenkt wird, sondern dass die ihre eigenen Fragen stellen.

Protokoll: Fanny Schmolke


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