Mein Arbeitsplatz

Die Scheine bündeln

Nicole Huhnhold, 41 Jahre, Geldzählerin beim Geld- und Werttransportunternehmen Prosegur

Foto: Renate Koßmann

„Anfangs war es noch etwas Besonderes, mit großen Geldscheinen und -beträgen zu hantieren, die ersten 500-Euro-Scheine, die erste Million. Aber ich habe mich schon seit langem daran gewöhnt. Seit 2004 arbeite ich bei Prosegur, einem Unternehmen, das Bargeld bei Kunden, etwa Handelsunternehmen, abholt, zählt und zur Bank bringt, das aber auch für die Bestückung der Geldautomaten zuständig ist.

Ich habe bei Prosegur in Rostock als Geldzählerin angefangen, bin dann nach Potsdam umgezogen, wo ich Schichtleiterin war und eine Zeit lang das Backoffice geleitet habe. Inzwischen bin ich wieder Geldzählerin. Die Beträge, die die Kunden über uns an die Bank weiterleiten, werden in der Firma maschinell nachgezählt, die ermittelten Summen müssen mit dem vom Kunden angegebenen Betrag übereinstimmen. Sonst wird nochmals nachgezählt. Der gesamte Arbeitsprozess wird von Kameras aufgezeichnet – damit soll sichergestellt werden, dass alles korrekt abläuft.

Meine weitere Aufgabe ist es, die Kassetten für die Geldautomaten in Banken und an anderen Orten zu befüllen. Das geschieht manuell. Der Auftraggeber bestellt zuvor die Gesamtsumme sowie die genaue Banknoten-Stückelung. Damit befülle ich die Kassetten und verplombe sie anschließend, bevor sie zu den Automaten geliefert ­werden. Das nötige Geld bestellen wir zuvor bei der Bundesbank in Berlin. Nach den vielen Jahren in diesem Beruf sind die Scheine, mit denen ich bei der Arbeit umgehe, nicht mehr als bedrucktes Papier für mich. Es ist etwas anderes als das Geld, das ich selbst im Portemonnaie habe.

Seit dem vergangenen Frühjahr gehöre ich dem Betriebsrat bei Prosegur in Potsdam an. Eigentlich war ich Nachrückerin, aber inzwischen bin ich Betriebsratsmitglied. Ich ­habe einen starken Gerechtigkeitssinn, und der hat mich auch angetrieben, bei der Wahl anzutreten. Denn leider läuft im Betrieb nicht immer alles gerecht ab; da möchte ich meinen Beitrag leisten, für mehr Gerechtigkeit und ein besseres Betriebsklima. Im Moment kann ich noch nicht voll in die Betriebsratsarbeit einsteigen, weil ich neben der Arbeit auch noch in der Familie gut beschäftigt bin: Mein Mann und ich haben drei Kinder, einen vierjährigen Sohn und zweijährige Zwillinge. Die sollen nicht zu kurz kommen.

Sehr gut vertreten waren wir als Belegschaft beim Warnstreik Anfang des Jahres; die Beteiligung lag an einem der Streiktage bei 90 Prozent. Das Tarifergebnis, das wir erzielen konnten, kommt gut an, was die Lohnsteigerung angeht. Manchen Kolleginnen und Kollegen missfällt aber, dass wir immer noch keine identischen Löhne in Ost und West haben. Allerdings ist ein Anfang dafür geschafft. Und eines ist schon jetzt ganz sicher: In der nächsten Tarifrunde wird dieses Thema wieder ganz oben stehen.“

Protokoll: Gudrun Giese

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