Tarifrunde 2019

Im Handel stehen weitere Streiks bevor

Es geht um mehr Lohn und um den Tarifvertrag

Bei den diesjährigen Tarifrunden im Handel stehen die Zeichen auf Konflikt. Streiks und Kundgebungen fanden bereits in der umsatzstarken Woche vor Ostern statt.

Während die ver.di-Forderungen seit Wochen bekannt sind und sich im Kern auf 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt   oder ein Plus von einem Euro pro Stunde belaufen, legte das Unternehmerlager bei den regionalen Verhandlungsstarts im April weder für den Einzelhandel noch für den Groß- und Außenhandel Angebote vor.

„Ich halte das für eine riesige Unverschämtheit“, sagt Jürgen Schulz. Er ist Betriebsratsvorsitzender bei der Elektronikkette Saturn in Bielefeld und gehört der großen ver.di-Tarifkommission für den Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen an. Die Stimmung sei kämpferisch, berichtet er. Der Tarifausstieg von Kaufhof und Real habe daran keinen Abbruch getan. „Auch die Forderung nach allgemeinverbindlichen Tarifverträgen, für die wir und die anderen Tarifregionen mobilisieren, wird breit getragen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Bei ersten Streiks anlässlich der Tarifrunde forderten die Beschäftigten aus mehreren tariflosen Unternehmen unter anderem die Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzelhandels. Größere Kundgebungen dazu gab es Mitte April in Duisburg sowie in Dortmund, wo sich Streikende von Amazon, Karstadt Sports, Obi, Douglas, Smyths Toys, aus dem Tedi-Lager und von Porta Möbel Logistik versammelten. Bei Karstadt Sports waren kurz vor Ostern an einem gemeinsamen Streiktag bundesweit 16 Filialen in Nordrhrein-Westfalen, Hamburg, Berlin, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Hessen beteiligt. Teils mehrtägige Arbeitsniederlegungen fanden in den Versandzentren von Amazon in Rheinberg, Werne, Koblenz, Graben und Bad Hersfeld statt. Bei den ersten Tarifgesprächen für den Einzel- und Versandhandel, die am 17. April in Baden-Württemberg ergebnislos endeten, betonte ver.di-Verhandlungsführer Bernhard Franke, dass die Gewinnprognosen für die Unternehmen auch in diesem Jahr wieder gut seien. Am 6. Mai geht´s dort in die nächste Runde.    Andreas Hamann