Kino

 

Kursk

Beklemmende Rekonstruktion des Dramas um das russische Atom-U-Boot K 141 Kursk, das genau wie die Titanic als unsinkbar galt und Stolz der russischen ­Marine war. Und das doch schon am zweiten Tag einer Marine-Übung durch eine Explosion an Bord zerstört wurde und im August 2000 mit Mann und Maus auf den Boden der Barentssee sank. Regisseur Thomas Vinterberg folgt in seiner spannenden Inszenierung den Untersuchungsergebnissen des Journalisten Robert Moore. Ihm zufolge wurden 95 Seeleute sofort getötet, 23 weitere aber konnten sich retten und warteten nicht wie offiziell angegeben rund acht Stunden, sondern drei bis vier Tage auf ­ihre Rettung, die so tragisch missglückte. Am Drehbuch half David Russell mit, der damals die Rettungsaktion der viel zu spät zu ­Hilfe geholten British Royal Navy leitete und im Film von Colin Firth dargestellt wird. Ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben sich die irgendwann ausbleibenden Klopfzeichen der Seeleute, aber auch die Proteste ihrer Frauen, die auf ihr Drängen um Rettung ihrer Männer nur Ausreden und Appelle an ihren Patriotismus zu hören bekamen. Vinterberg stellt in seinem packenden Film das Ringen der Ehefrauen um Wahrheit an Land dem Ringen der Männer um Sauerstoff und Lebenszeit in der Tiefe gegenüber. Doch wie stirbt eine solche Schicksalsgemeinschaft? Auch davon handelt dieser intensive Film. Und obwohl jeder weiß, wie es endet, stirbt die Hoffnung doch erst ganz am Schluss.      Jenny Mansch

B/F/N 2018, R: Thomas Vinterberg, D: Léa Seydoux, Matthias Schoenaerts, Max von Sydow, L: 117 Min., Kinostart 11. Juli


Wo ist Kyra?

„Möchtest du jetzt baden?“ Liebevoll kümmert sich Kyra um ihre alte, kranke Mutter. Nach der Scheidung von ihrem Mann und dem Verlust ihrer Arbeit ist sie wieder bei ihr in die Wohnung im New Yorker Stadtteil Brooklyn eingezogen. Gleichzeitig bemüht sie sich unermüdlich um eine neue Stelle. Aber ohne Erfolg. Jüngere Bewerber sind gefragt. Für nichts ist sie sich zu schade. „Es ist nur ein Mindestlohn, aber sie bekommen noch Trinkgeld“, erklärt ihr die Besitzerin eines Imbiss. Doch am nächsten Tag hat ihr Mann den Job bereits vergeben. Kurz darauf stirbt Kyras Mutter. Damit verliert sie jeglichen Halt. In der Bank erfährt ­Kyra, dass sie deren Rentenscheck nicht einlösen kann. Weil sie die Wohnung nicht verlieren will, fasst sie verzweifelt einen Plan. Ihrem neuen Freund Doug verschweigt sie freilich ihr Betrugsmanöver. Als die Polizei vor der Tür steht, wird es eng für Kyra. Erschütternd schildert Regisseur Andrew Desunmu, wie leicht ­einer Frau im amerikanischen Turbo-Kapitalismus der soziale Absturz droht, wenn sie Partner und Arbeit verliert und nicht mehr die Jüngste ist. Nichts bleibt dann vom glitzernden Big-Apple. Bewegend verleiht die begnadete Michelle Pfeiffer dem Slogan „Armut ist weiblich“ein Gesicht.     Luitgard Koch

USA 2017, R: Andrew Dusunmu, D: Michelle Pfeiffer, Kiefer Sutherland, Suzanne Shepard, Sam Robards, Anthony Okungbowa, Stella Schnabel, Elizabeth Evan u. a., L: 98 Min. Kinostart: 27. Juni