Abschied

Kugelschreiber und Staffelstab

Frank Bsirske und Monika Brandl wurden vom Kongress ein letztes Mal gefeiert

Monika Brandl und Frank Bsirske bei ihrer letzten Kongresseröffnung

Foto: Kay Herschelmann

Die Vorsitzende der Revisionskommis­sion von ver.di für die Bundesebene, ­Marianne Wendt, brachte es schon am zweiten Kongresstag auf den Punkt: „Noch nie wurde so viel gedankt wie auf diesem Kongress.“ Einer der Hauptempfänger dieses Danks war Frank Bsirske. 2001 wurde er beim ver.di-Gründungskongress in Berlin zum ersten Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft gewählt, 18 Jahre später, hat er – wie angekündigt – auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

Und so bedankten sich viele bei ihm. Ob Delegierte in persönlichen Gesprächen oder in ihren Redebeiträgen, ob internationale Gäste oder Politiker wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, SPD, oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, SPD. Er baute in seine Rede als Staatsoberhaupt bei der Kongresseröffnung eine ganz persönliche Passage als Frank-Walter Steinmeier ein, in der er daran erinnerte, dass Frank Bsirske und er sich schon mehr als 25 Jahre kennen.

Beeindruckend auch die Resonanz auch auf die letzte offizielle Rede von Frank Bsirske auf der großen ver.di-Bühne. Nach seiner mündlichen Ergänzung zum Geschäftsbericht applaudierten die Delegierten minutenlang stehend. „Es ist unumstößlich, Kolleginnen und Kollegen. Macht es mir nicht so schwer“, sagte der scheidende Vorsitzende, die rechte Faust auf die linke Brust gelegt.

Offiziell Abschied genommen wurde dann am Mittwoch, nach der Grundsatzrede des neuen Vorsitzenden. Neben Frank Bsirske hatte auch die ehrenamtliche Vorsitzende des ver.di-Gewerkschaftsrats, ­Monika Brandl, nach zwölf Jahren auf eine erneute Kandidatur verzichtet. So verabschiedete das neue Duo an der ver.di-Spitze, Frank Werneke und Martina Rößmann-Wolf, das alte.

Werneke erinnerte daran, dass es Bsirske gewesen ist, dessen Leidenschaft, dessen Intellekt, dessen Persönlichkeit es wesentlich zu verdanken gewesen sei, dass die Identitäten und die Mitglieder von fünf ­Gründungsgewerkschaften zu einer solidarischen, politischen, durchsetzungsfähigen und lebhaften Gewerkschaft zusammengewachsen seien. ver.di sei heute eine „starke Kraft in der Arbeitswelt und eine anerkannte politische Größe“, „diskursiv, weiblicher, pluralistischer, weniger hierarchisch und zugleich politischer“ als viele andere Organisationen.

Martina Rößmann-Wolf dankte Monika Brandl für „dein großes Engagement, deine Power, deine Weitsicht für deine, unsere ver.di“. Als Frau der Tat habe sie dazu beigetragen, dass in ver.di Haupt- und Ehrenamt auf Augenhöhe zusammenarbeiten und die großen innerorganisatorischen Umgestaltungsprozesse positiv begleiten.

Bei der Verabschiedung überreichte Frank Bsirske seinem Nachfolger Frank Werneke noch den Kugelschreiber, mit dem er 2001 die Urkunde zur ver.di-Gründung unterzeichnet hatte. Bereits am Tag zuvor hatte Rößmann-Wolf von ihrer Vorgängerin einen knallroten Staffelstab erhalten. Dann hatten die beiden Scheidenden noch eine letzte gemeinsame Entscheidung zu treffen. Auf einer überdimensionalen Musikbox mussten sie gemeinsam den Titel drücken, zu dem sie ein letztes Mal auf der großen Bühne tanzen wollten. Sie entschieden sich für „All right now“ aus dem Jahr 1970.

Doch damit war das Dankesagen längst nicht beendet. Es wurden noch zahlreiche ausscheidende Gewerkschaftsratsmitglieder verabschiedet und fünf ehemalige Bundesvorstandsmitglieder, die bei diesen Wahlen nicht mehr angetreten sind: Andreas Scheidt, Gabriele Gröschl-Bahr, Ute Kittel, Wolfgang Pieper und Lothar Schröder.   Heike Langenberg