„Das WIR-Gefühl war fantastisch“

Fotos: Kay Herschelmann

Frank Wrzeciono, 44 Jahre, Betriebsratsvorsitzender bei H&M Logistik in Hamburg, aus Lübeck:

„Der Kongress war eine sehr gute Erfahrung für mich. Dieses WIR-Gefühl, was ich dort erleben durfte, war fantastisch. Diese mehr als nur eine demokratische Veranstaltung mit guten Verabschiedungen und Debatten haben mich überzeugt, dass ver.di nicht zu Unrecht die zweitgrößte Gewerkschaft ist. Mit fast 1.000 Delegierten Demokratie zu schaffen und interessante, wichtige und auch politische Themen auf den Weg zu bringen, ist ein tolles ,Wir sind ver.di’-Gefühl!“


„Papier allein bringt keine Veränderung“

Denis Schatilow, 25 Jahre, Medizinisch-technischer Radiologieassistent an der Uniklinik in Düsseldorf:

„Der Bundeskongress hat gezeigt, dass wir eine große, vielfältige und ideenreiche Gewerkschaft sind. Dass wir alle Berufsgruppen unter einem Dach organisieren und trotzdem die Fragen wie Umweltschutz oder Leiharbeit sehr kontrovers diskutiert haben. Das ist eine Stärke von ver.di. Wir dürfen uns den Fragen der Gesellschaft nicht verschließen und müssen in den Dialog treten, was am Beispiel des sozialverträglichen Ausstiegs aus der Kohle­verstromung sehr treffend geschehen ist. Gleichzeitig wünsche ich mir in Zukunft, dass wir mutiger werden. Unsere Gesellschaft erlebt einen ständigen Wandel, auf den wir Antworten brauchen. Da geht’s sicherlich viel um die Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland oder die dringlichen gesundheitspolitischen Fragen, aber es geht auch um die politischen Fragen in Europa und der ganzen Welt. Dass wir als Gewerkschafter*innen Zukunft gestalten können, hat dieser Bundeskongress sehr eindrucksvoll gezeigt, mit wegweisenden Beschlüssen. Doch Papier allein bringt keine Veränderung. Es gilt da weiterzumachen, wo wir stehen, alle zusammen. So erreichen wir deutlich mehr als jeder und jede für sich allein.“


„Offen für Diskussionen bleiben“

Las Mary Douglas Salar, 36 Jahre, Beschäftigte im Handel, Frankfurt/Main:

„Es wurde auf dem Kongress viel über den Umgang mit der AfD und AfD-Mitgliedern in ver.di und in Betrieben diskutiert. In meinem Betrieb gibt es, Gott sei Dank, kein Problem mit Rechten. Ich denke aber, wir sollten gegenüber Rechtspopulisten offen für Diskussionen bleiben, um vielleicht noch jemanden zum Umdenken bewegen zu können, statt sie einfach nur auszugrenzen.“


„Jeder Form von Antisemitismus entschieden entgegentreten“

Nina Dusper, 43 Jahre, Krankenschwester, Vorsitzende des Bezirksfrauenrats Duisburg-Niederrhein:

„Unser Bundeskongress war wunderbar politisch: klare Kante gegen Rechts – gegen den Rechtsruck der Regierungen in Europa und die AfD. Ökologie und die soziale Frage müssen in Zukunft immer eine Einheit sein, dazu nehmen wir die Verursacher ins Visier – Arbeiter- und Umweltbewegung gemeinsam for Future! Weiter so und noch besser in unseren Streiks für bessere Löhne und Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden bei vollem Lohn. Das waren meine Highlights. Und in der Aussprache zum Geschäftsbericht wurde klar: Es gehört zu unserer demokratischen Kultur und Verantwortung, jeder Form von Antisemitismus entschieden entgegenzutreten, aber auch jeder Form von Gleichsetzung der Kritik an der israelischen Regierung mit Antisemitismus.“


„Um ein modernes Unternehmen herum schweben ganz viele Erwerbstätige“

Berit Böhme, 47 Jahre, freie Journalistin, Bremen:

„Ich würde mich freuen, wenn Betriebsräte uns immer mitdenken würden. Um ein modernes Unternehmen herum schweben ganz viele Erwerbstätige, die nicht Beschäftigte des Unternehmens, die eben nicht fest angestellt sind. Deshalb sollte bitte immer von Erwerbstätigen statt von Beschäftigten geredet werden, dann fühlen wir Selbstständigen uns auch mitgemeint und mitgedacht.“


„Meine ver.di ist mutig“

Lucas Krentel, 25 Jahre, Student, Berlin:

„Zukunftsgerecht ist, wenn wir die Ansprache von neuen Kollegen*innen ausbauen und unsere Potenziale im Jugendbereich nutzen. Da ist jede*r gefragt! Meine ver.di ist mutig, politisch und basisdemokratisch. Auf dem Kongress hätte ich mir allerdings mehr Zeit zur Antragsberatung gewünscht.“