Akademie der Arbeit

Studieren ohne Abitur

Der Einstieg in die Gewerkschaftsarbeit

Von Heike Langenberg

Als „erste deutsche Hochschule für das Volk der Arbeit“ hat die Akademie der Arbeit 1921 in der Universität Frankfurt/Main den Lehrbetrieb aufgenommen. Mittlerweile läuft die Ausschreibung für den 85. Jahrgang an Studierenden (siehe Kasten). Seit 2009 betont die Akademie ihre internationale Ausrichtung durch Wechsel des Namens in „Europäische Akademie der Arbeit“ (EAdA). Das Studium dauert elf Monate und richtet sich in erster Linie an Kolleg*innen ohne ­Abitur, die aber eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens zwei ­Jahre Berufserfahrung haben. Zudem sollten sie in einer Gewerkschaft aktiv und seit mindestens drei Jahren dort Mitglied sein.

Natascha Krzywania war Betriebsrätin der European Railservice GmbH, der mittler­weile eingestellten Nachtzug­sparte der Deutschen Bahn. „Ich wollte tiefer in die Arbeit einsteigen, mehr aktiv für andere und mit anderen etwas bewirken können, auf Missstände aufmerksam machen und sie beseitigen“, sagt sie rückblickend. Das will sie zukünftig hauptamtlich erreichen. Durch ihre ­damalige Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten wurde sie auf die ­EAdA  aufmerksam gemacht. Jetzt ist sie Trainee bei ver.di und sagt, dass ihr insbesondere der tiefere Einblick in rechtliche und politische Zusammenhänge, den sie während ihres EAdA-Studiums bekommen hat, bei der Einarbeitung als Trainee hilft.

Dennoch hat sie überlegt, ob sie sich das Jahr an der EAdA leisten kann. „Es ist schon eine bewusste Entscheidung, eine Arbeitsstelle zu kündigen und ein Jahr vom Stipendium zu leben“, sagt Krzywania. Vor dieser Entscheidung hat Inga Dey nicht gestanden. Sie hat bei der Stadt Frankfurt/Main im Sozial- und Erziehungsdienst gearbeitet und war dort auch für ver.di aktiv. Beschäftigte der Stadt und einiger Frankfurter Unternehmen können für das Studium freigestellt werden.

Inga Dey empfiehlt das Studium auch, weil sie über ihre Kommiliton*innen viel Einblick in die gewerkschaftliche Arbeit anderer gewonnen hat. Seit Oktober ist auch sie Trainee bei ver.di. Durch das ­EAdA-Studium habe sie nicht nur viel an Wissen, sondern auch an Selbstbewusstsein gewonnen, sagt sie. Und auch Myschka Schulze vom Bereich Organisations- ­und Personalentwicklung beim ver.di-­Bundesvorstand empfiehlt das EAdA-Studium als gute Grundlage für die gewerkschaftliche Arbeit und das Trainee-Programm bei ver.di.

Bewerbung

Im Oktober 2020 beginnt das nächste Studienjahr an der Europäischen Akademie der Arbeit. Ein Abitur ist nicht ­erforderlich, aber berufliche Erfahrung und gewerkschaftliches oder gesellschaftspolitisches Engagement. Wer in ver.di aktiv ist und das EAdA-Studium mit einem Stipendium finanzieren ­möchte, sollte seiner Bewerbung eine Stellungnahme der örtlichen ver.di-­Gliederung beifügen. Einsendeschluss ist der 31. März 2020.

Mehr Infos bei myschka.schulze@verdi.de, eada.uni-frankfurt.de