„Ich vermisse dich, mein Kind“ – 
Ein fiktiver Briefwechsel

Illustration: Linda Wölfel

Meine liebe Tochter,

ich schreibe dir aus voller Liebe. Ich vermisse dich, mein Kind. Mir geht es trotz der Umstände hier gut. Die tägliche Arbeit ist hart und die Verpflegung ist schlecht, aber der Gedanke an dich lässt mich durchhalten. Ich hoffe, es geht dir gut und du wirst gut behandelt. Deiner Mutter habe ich auch geschrieben und hoffe, eine Antwort zu erhalten. Halte durch mein Kind.

Wir werden uns bald wiedersehen. In niemals endender Liebe,

Dein Vater

P.S.: Einen Monat nach diesem Brief, Verlegung in die Tötungsanstalt – Bernburg. Die Antwortschreiben erreichten ihn nie.



Lieber Papa,

ich hoffe, es geht dir gut. Ich habe Angst! Wo bist du Papa? Ich bin ganz alleine. Meine Freunde sind alle nicht mehr da, sie wurden abgeholt. Ich bin ganz alleine. Hier waren nette Männer, die mir zu essen gaben, und es gab die bösen Männer, die mich geschlagen haben.

Wo bist du Papa? Ich vermisse dich! Ich fürchte mich so sehr. Die Bösen sind nicht mehr da. Die Guten kümmern sich um mich. Ich bekomme zu essen. Wir werden jetzt weggebracht, aber ich weiß nicht, wohin.

Wo bist du Papa? Ich hoffe, wir sehen uns wieder. Ich liebe dich.

Dein dich liebendes Kind

Projektarbeit von Wolf Daniel B., 27 Jahre