Sag es laut

Die gesellschaftliche Akzeptanz rechter Verhaltensweisen und Ausdrucksformen nimmt zu. Mit Worten fängt es an – am Ende stehen Taten. Wir können durch Widerspruch, deutliches Positionieren und engagierte Diskussionen ein Zeichen setzen, die Stimmung in unserem Umfeld beeinflussen, Menschen zum Nachdenken bringen und Zweifelnden ein Beispiel geben. Teilnehmer*in­nen der Buchenwald-Seminare lernen, ihre Stimmen zu erheben. Wir haben einige dazu befragt

 

Illustration: Linda Wölfel

Die Annäherung

Günter N., 26 Jahre

„Wer annähernd verstehen möchte, muss an den Ort gehen, wo das Schreckliche passiert ist. Es ist wichtig, in Buchenwald gewesen zu sein, aber man sollte dort nicht alleine sein, denn aus der Erfahrung, die ich in fünf Tagen gemacht habe, kann ich sagen: Es ist wichtig, über die am Tage erlebten Dinge abends mit Leuten zu reden, die das Gleiche gesehen haben, um das, was in Buchenwald geschah, zu verkraften. Verstehen tue ich es nicht. Ich kann mich dem, was Faschismus bedeutet, und was zu Buchenwald geführt hat, nur annähern und mich damit und mit mir auseinandersetzen. Insgesamt war die Fahrt nach Buchenwald ein interessanter, aber auch trauriger, und vor allem ein sehr lehrreicher Aufenthalt für mich und für die gesamte Gruppe. Auch wenn die Natur den Ort des Geschehens überwuchert, in unseren Köpfen dürfen Orte wie Buchenwald nie verschwinden. Auf der Straße nicht, bei der Arbeit nicht, in der Schule nicht, nirgendwo.“

 

Auf Spurensuche

Louis B., 18 Jahre

„Ein klasse Seminar. Nicht nur, dass ich Dinge sehen konnte, die ich letztes Jahr nicht gesehen habe, sondern auch, dass ich viele nette Leute kennenlernen durfte. Mir hat die Führung durch die pädagogische Betreuerin Lisa und auch die Art, wie sie die Inhalte vermittelt hat, besonders gefallen.

Im Ganzen war es locker und wir ­hatten viel Raum und Zeit, selbst auf Spurensuche zu gehen. Deswegen glaube ich auch, dass wir alle, trotz der schweren Inhalte und der vielen nachdenklichen Momente und auch kontroversen ­Diskussionen, auch viel Spaß hatten.

Das Highlight für mich war natürlich der Glockenturm. Wir durften ganz nach oben. Die Aussicht ist einfach ­mega.“

 

Aus meinem Tagebuch

Laura G., Buchenwald, 15. September 2018

„Musik ... auf der einen Seite die Erschaffung von neuem Lebensmut ... und Hoffnung. Auf der anderen Seite benutzt während kranker Machenschaften... zur Belustigung ... aber auch der Demütigung.

Musik war ein Schlüssel, um das Leben zu erleichtern, die Schmerzen erträglicher zu machen. Ein wenig Freude zu erfahren und vor allem, um zu überleben. Die Kraft der Musik, eines Orchesters mit vielen verschiedenen, aber doch gleichen Menschen, die zusammen in Harmonie ein Wunder von Symphonien spielen, ist nicht zu unterschätzen. Denn selbst die herzlosesten SS-Männer würden dieses Stück Kultur nicht missen wollen. Vielleicht würde es sogar ein Stück ­Unmenschlichkeit wieder menschlich werden lassen, selbst wenn es nur für ­einen kurzen Moment ist.

 

Am liebsten würde ich jetzt selbst etwas spielen ... denn besser als mit Worten kann man seinen Gefühlen mit Musik einen besonderen Ausdruck verleihen. Musik hat viele Wirkungen ... sie kann dich entspannen oder ermutigen. Erinnerungen wachrütteln, oder verarbeiten. Dich zum Weinen bringen, aber auch zum Lachen.

Leider wurde an diesem Ort die Musik nicht immer zu guten Zwecken verwendet. Dennoch konnten andere vielleicht einen lebensnotwendigen Nutzen daraus ziehen. Für die einen furchtbar und unerträglich, für andere ein Hoffnungsschimmer, auch wenn er noch so winzig war. Denn Gefühle machen das aus, was wir alle sind. Und auch nur das sind wir ... Menschen.“


Wissen vertiefen

Jenny K., 20 Jahre

„Obwohl ich schon zum zweiten Mal mitfahren durfte, fand ich die Woche trotz allem sehr umfangreich! Wir bekamen die Möglichkeit, unser Wissen zu vertiefen und auch die Zeit, alles in Ruhe anzuschauen, was man beim letzten Mal nicht gesehen hat. Dank Andrè, Lisa und Yasemin, konnten wir sehr viele Einblicke gewinnen und sind viele Stationen gemeinsam abgelaufen. Sie sind auf alle Teilnehmer*innen eingegangen und haben es uns immer ermöglicht, den Tag mitzugestalten.“

 

Unschuldige Menschen

Lea P., 18 Jahre

„Ich fand den Besuch in der Gedenkstätte insgesamt sinnvoll, jedoch auch sehr traurig, da man sich ständig dessen bewusst war, dass an diesem Ort früher unschuldige Menschen gelitten haben und auch gestorben sind.“

 

Erschreckend

Wübbo H., 23 Jahre

„Die Fahrt in die Gedenkstätte Buchenwald, in ein ehemaliges KZ, war interessant, aber auch erschreckend, wegen der Grausamkeit, mit der die Gefangenen damals behandelt wurden.“

 

Eindrucksvoll

Ricarda H., 18 Jahre

„Selbst der beste Geschichtsunterricht ist nicht mit dem eindrucksvollen Anschauungsmaterial zu vergleichen, das einem dort geboten wird.“

 

Ein schönes Zeichen

Selin. I., 21Jahre

„Die Uhr [am Lagertor] steht noch auf 15:15 Uhr, also der Befreiungszeit, das finde ich ein schönes Zeichen.“