Vom Teilnehmer zum Teamer

Illustrationen: Linda Wölfel

Von André Wiedenroth

Ich kann mich noch genau an mein erstes Mal als Teilnehmer erinnern. Zuerst war ich überwältigt von der Größe des Geländes, gleichzeitig habe ich auch gemerkt, dass es ein Ort des Schreckens war. Bei unserer ersten Bildungsfahrt in die Gedenkstätte Buchenwald übernachteten wir noch die ganze Woche oben auf dem Gelände. Es war nicht einfach, abends abzuschalten, weil man die ganze Zeit umgeben von den eigenen und auch den Eindrücken der anderen war. Yasemin, unsere Gewerkschaftssekretärin aus dem Fachbereich Postdienste, Speditionen und Logistik Nord, stellte das Konzept so um, dass die Teil­nehmer*innen die nächsten Male in ­Weimar und in diesem Jahr in Erfurt übernachteten. Man kann dadurch abschalten und die Erlebnisse vom Tage besser verarbeiten und sich auch mit den anderen austauschen.

Wenn man sich vorstellt, dass es, sobald man das Gelände betritt, im ehemaligen Lager sofort windiger und auch zugleich kälter wird, dann merkt man, von welcher Geschichte dieser Ort geprägt ist. Hier gab es sogar einen Zoo. Eigentlich kaum zu glauben. Menschen wurden gefoltert und ermordet. Wir sind alle in der Pflicht, etwas dafür zu tun, dass sich die Geschichte nie wiederholt.

Ein besonderer Ort für mich ist der Glockenturm. Dort empfinde ich Wärme, ich würde ihn als Platz der Befreiung und des Widerstands bezeichnen. Als ich dieses Mal, inzwischen Teamer, ins Auto eingestiegen bin, habe ich mich auf den Glockenturm gefreut. Als Teilnehmer habe ich viele Projekte bereits mitgestaltet, habe Berichte über das Bordell, das kleine Lager oder auch über den Zoo geschrieben.

Faszinierend ist jedes Jahr, was für kreative und schöne Projekte (Arbeiten mit Ton oder Gips/Zeichnungen/Berichte/
Briefe) hier von unseren Teilnehmer*innen entstehen.

Meine Hauptaufgabe als Co-Teamer neben Yasemin ist es, den Teilnehmer*innen etwas über das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald zu vermitteln, zum Nachdenken anzuregen sowie auch Dinge zu hinterfragen. Wir müssen aufstehen, im Betrieb und in der Gesellschaft, um gegen das braune Gedankengut zu kämpfen. Wir dürfen nicht aufhören, Projekte und Bildungsurlaube dieser Art anzubieten.

Nächstes Jahr

... findet die Projektwoche in Buchenwald vom 21. bis 25. September 2020 statt. Wer Interesse hat, daran teilzunehmen, wendet sich an Yasemin Taskesen, E-Mail yasemin.taskesen@verdi.de

Die Gedenkstätte

Von Juli 1937 bis April 1945 betrieb die SS auf dem Ettersberg bei Weimar das Konzentrationslager Buchenwald. Dort sowie in über 130 Außenlagern hielten die Nationalsozialisten mehr als eine Viertelmillion Menschen aus über 50 Nationen gefangen. Über 56.000 von ­ihnen, darunter 11.000 Juden, wurden von der SS ermordet, starben durch Erschöpfung, Hunger, Folter und medizinische Experimente. Von ­August 1945 bis Februar 1950 nutzte die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände als Internierungslager (Speziallager 2). Bis 1950 hielt sie hier 28.000 Menschen gefangen, über 7.000 starben.

Die 1958 von der DDR eingeweihte ­Nationale Mahn- und Gedenkstätte ­Buchenwald wurde in den 1990er Jahren umfassend neu konzipiert. Heute sind historische Gebäude, Relikte aus der ­Lagerzeit und Denkmale sowie vier Dauer­ausstellungen zu besichtigen. Viel­fältige pädagogische Angebote richten sich an Einzelbesucher wie Gruppen.


Ausstellung

Die neugestaltete Dauerausstellung ­„Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945“ zur Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald ist im ­historischen Kammergebäude. Auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern ent­faltet die Ausstellung die Geschichte des Lagers und seiner Einbettung in die deutsche Gesellschaft in den Jahren zwischen 1937 und 1945. Erstmals einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden Objekte und Erinnerungsstücke, die ehemalige Häftlinge und deren Angehörige in den vergangenen Jahren an die Gedenkstätte übergeben haben. Ergänzt werden sie durch eine Vielzahl von Exponaten, Fotos, Dokumenten und Interviews, die durch aufwendige Recherchen in deutschen und ausländischen Archiven ausfindig gemacht wurden. Wohl zum letzten Mal haben ehemalige Häftlinge an dieser Ausstellung mitgewirkt.