ver.di publik: Ihr Betrieb nimmt seit 2019 am Projekt WELCOME teil. Warum?

Monika Zimpel: Wir haben 1.200 Mitarbeiter*innen im Altenpflegebereich. Immer mehr von ihnen kommen aus dem Ausland. Oftmals sind da Sprachschwierigkeiten vorhanden. Doch wir sind auf die Fachkräfte angewiesen, wir sehen schon heute, dass der Fachkräftemangel bis zum Jahr 2035 gravierende Folgen haben wird. Deshalb müssen wir überlegen, wie wir Mitarbeitende akquirieren und integrieren können, denn einige haben abgeschlossene Berufsausbildungen, die aber in Deutschland so nicht anerkannt werden. WELCOME hat uns da verschiedene Möglichkeiten gegeben, in unserem Unternehmen Maßnahmen zu ergreifen.

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Monika ZimpelFoto: APZ

Was wurde Ihnen angeboten?

Gerade läuft das Führungskräfte-Nachwuchs-Training. Da wird geschaut, welche Kompetenzen bei den Mitarbeitenden aus dem Ausland vorhanden sind und wie diese integrativ weiterentwickelt werden könnten. Es geht hier auch um die Wertschätzung der einzelnen Menschen – das tut beiden Seiten gut. Wir haben zum Beispiel Reinigungskräfte, die wir in ihrer Sprachkompetenz gefördert haben und so können sie vielleicht demnächst auch in einem anderen Bereich eingesetzt werden, indem sie eine Altenpflegeausbildung bei uns machen.

Bemerken Sie durch das Programm einen Unterschied im Betrieb?

Die wohl wichtigsten Komponenten waren Sprachförderung und der Austausch untereinander. Ich merke, dass seitdem ein besseres Verständnis untereinander herrscht. Geflüchtete Menschen werden viel besser aufgenommen – ihre Geschichte wird ernst genommen. Die Ansichten etwa, dass die Menschen hierherkamen, um ein Auto oder ein Handy zu bekommen, waren weit verbreitet. Durch die Kommunikationsseminare wurden die Geschichten hinter dem oder der Einzelnen deutlich, zum Beispiel dass sie ihre Heimat vermissen, aber ihre Kinder retten wollten. Es herrscht eine höhere gegenseitige Akzeptanz. Das ist sehr schön zu sehen. Durch das Projekt WELCOME haben sich Wertschätzung und Anerkennung in unserem Unternehmen verbreitet.

Was bedeutet dieses neu gewonnene Arbeitsklima für Sie als Personalleitung?

Das ist eine unmittelbare Entlastung für den Betrieb, wenn die Teams funktionieren – wir haben dann weniger Krankheitsausfälle. Denn wenn man zu einem gut funktionierenden Team gehört, möchte man seine Teamkolleg*innen nicht unnötig belasten und man geht gerne zur Arbeit, weil man sich untereinander versteht. Das ist ein anderes Verantwortungsbewusstsein sich und dem Team gegenüber.

Gibt es Schwierigkeiten, Kolleg*innen davon zu überzeugen, an den Schulungen teilzunehmen?

Ich werde oft von den Mitarbeitenden gefragt, was sie denn davon hätten. In Deutschland ist es schon noch verbreitet, nach dem sichtbaren Gewinn zu fragen. Den gibt es hier aber nicht, denn du bist nach der Teilnahme ja nicht plötzlich eine leitende Kraft im Betrieb. Ich versuche immer zu erklären, dass die Führungskräfte heutzutage in der Regel nicht an der Sachlichkeit scheitern, sondern eben genau an diesen Soft Skills – wie führe ich ein Team, das aus Menschen unterschiedlicher Herkunft besteht? Das leuchtet ihnen dann auch meistens ein.

Interview: Theodora Mavropoulos