Ausgabe 02/2025
Aus dem ver.di--Werkzeugkoffer

Was können Mitglieder tun, um in ihrem Betrieb aktiv zu werden? Wie gewinnt man weitere Mitglieder, um mehr durchzusetzen? Wir stellen verschiedene „Werkzeuge“ vor, die in gewerkschaftlicher Arbeit und Auseinandersetzungen erfolgreich eingesetzt wurden. Dieses Mal erzählt Isabell Senff von der Deutschen Post AG von ihren Erfahrungen mit der kollektiven Betriebsratssprechstunde.
Warum macht ihr kollektive Betriebsratssprechstunden, also in größerer Runde?
Erstmal sind sie eine gute Gelegenheit über Themen zu sprechen, die viele Beschäftigte interessieren. Und dann sind wir bei der Post sehr dezentral aufgestellt. Wir sind nicht alle unter einem Dach, sondern sehr verteilt in der Fläche. Da machen normale BR-Sprechstunden wenig Sinn. Also machen wir regelmäßig diese kollektiven Runden. Wir planen die mit einigen Wochen Vorlauf und immer in den Nachmittagsstunden – vormittags sind unsere Kolleginnen und Kollegen ja in der Zustellung. Nachmittags gibt es dann keinen Druck mehr und sie nehmen das Angebot, in einer lockeren Runde bei einer Tasse Kaffee zusammenzukommen, gerne an.
Was besprecht ihr dann in diesen Runden?
Das ist unterschiedlich, je nachdem, was unsere Leute gerade bewegt oder interessiert. Das wird uns von unseren Vertrauensleuten berichtet. Und so machen wir mal was zur Altersteilzeit oder zur Entlastungszeit oder mal was zum Thema Urlaub. Manchmal setze ich auch Themen zu rechtlichen Sachen. Also zum Beispiel, wie und wo kann ich mich eigentlich als Beschäftigter beschweren? Wenn eine Tarifrunde ist, dann ist das Thema natürlich gesetzt, da informieren wir über die Tarifrunde.
Kommen nur ver.di-Mitglieder zu euren BR-Sprechstunden?
Nein, die ist offen für alle, und je nach Thema kommen auch die nicht organisierten Kolleg*innen und diskutieren mit.
Gewinnt ihr dabei auch neue Mitglieder?
Ja natürlich, gerade durch die Tarifrunden hat man Anlass, nochmal gezielt auf eine Mitgliedschaft anzusprechen und zum Mitmachen zu aktivieren. Aber auch bei anderen Themen machen wir das. Wenn wir beispielsweise über Urlaub oder Altersteilzeit reden, sagen wir den Kolleg*innen auch immer wieder deutlich, dass es das alles ohne die Organisierten gar nicht geben würde.
Hast du Tipps für eine ideale kollektive BR-Sprechstunde?
Ich denke, gut ist es, das zu zweit oder zu dritt zu machen. Und wenn Vertrauensleute-Strukturen vorhanden sind, dann sollte man sich die auch mit an die Seite stellen. Das ist die Gemeinschaft. Und dann den Kolleg*innen Kaffee oder auch Tee und irgendwas zu Knabbern anbieten. Wichtig ist, die Leute sprechen zu lassen, ihnen Raum zu geben. Also die Themen nicht runterrattern und dann Tschüss, sondern genau andersrum. Lasst die Leute über ihre Themen und Anliegen sprechen und hört ihnen zu.
ver.di bietet dieses und anderes „Gewerkschaftswerkzeug“ in Schulungen an. Einen tieferen Einblick und Materialien findest du auf der Seite des Projektes Zukunft der Mitgliedergewinnung unter zdm-werkzeuge.verdi.de