Ausgabe 01/2026
Arbeitszeit fair gestaltet
Daten belegen, dass hierzulande so viel wie noch nie gearbeitet wird. Im Dienstleistungssektor sind die Bedingungen oft besonders hart: Nahezu drei Viertel der Beschäftigten arbeiten auch am Wochenende, an Abenden oder im Schichtdienst. So das Ergebnis einer ver.di-Auswertung des Arbeitszeit-Reports 2025 nach dem DGB-Index Gute Arbeit.
"Schutz und gute Arbeitszeitgestaltung sind wichtig, um die Gesundheit langfristig zu erhalten und Erwerbsarbeit und Privatleben in Einklang zu bringen", stellt Rebecca Liebig fest, die im ver.di-Bundesvorstand für Innovation und Gute Arbeit zuständig ist. Mehr als die Hälfte der Dienstleistungsbeschäftigten sind aber in ihrem Berufsalltag Arbeitshetze und Zeitdruck ausgesetzt. Hinzu kommt die – überwiegend von Frauen – geleistete Sorgearbeit. Fast 1,2 Milliarden Überstunden 2024 deuten ebenfalls auf starke Überlastung hin.
Zugleich belegt die Auswertung, dass es Spielräume bei der Arbeitszeitgestaltung gibt, die sich positiv auf die Gesundheit und Zufriedenheit der Beschäftigten auswirken. Dabei ist es sogar möglich, Schichtdienste attraktiver zu gestalten, wie ein Arbeitszeitkonzept zeigt, entwickelt für die Beschäftigten der Deutschen Telekom (DT) Service GmbH.
Entscheidend sei die Beteiligung von Firmenleitung, Gesamtbetriebsrat sowie Expert*innen gewesen, heißt es in einer Analyse der Hans-Böckler-Stiftung aus 2025. Am Ende stünde ein "flexibles Schichtplanmodell", in dem die Mitarbeiter*innen selbst über ihre Schichten entscheiden dürften. Für Schichtarbeit zu unattraktiven Zeiten, gebe es Anreize durch stärkere Gewichtung und mehr Freizeit. "Eine Win-win-win-Situation für alle Beteiligten."
Anderes Modell
Das Vorgängermodell bei DT Service "Arbeitszeit 2.0" war in der Praxis nicht gut angekommen, weil mangelnde Flexibilität beim Wechsel zwischen den Schichtmodellen für Unzufriedenheit gesorgt hatte. Beschäftigte und Unternehmensleitung wünschten sich daher ein neues Konzept. Auch das veränderte Verhalten der Kundschaft machte Änderungen nötig, denn Kontakte verlagerten sich in die Abendstunden und auf das Wochenende, sodass der Service zu diesen Zeiten verstärkt werden musste.
Bei einer Strategieklausur des Gesamtbetriebsrates (GBR) standen die Anforderungen an ein neues Arbeitszeitmodell im Mittelpunkt. Die Beschäftigten sollten bei der Wahl ihrer Arbeitszeiten selbst bestimmen und ebenso unkompliziert ihre Schichten tauschen können. Unterschiede zwischen den Beschäftigtengruppen sollten wegfallen. "Wir wollten die Zweiklassengesellschaft mit den Spätdienstmitarbeitern abschaffen. Damit die auch mal in eine andere Schicht wechseln können", sagt Thomas Götze, Sprecher des Arbeitskreises Arbeitszeit im GBR. Das ist mit der GBR-Vereinbarung "Arbeitszeit X.X" geglückt. Es gibt die Fix-, die Rahmen- und die Flexschicht. Jede hat einen unterschiedlichen Wert. 100 Prozent des Arbeitszeitpensums zu erreichen. Samstags- oder Feiertagsarbeit zählt stärker, gleichzeitig ist die Zahl der Nacht- oder Wochenendschichten limitiert. Eine Mindestanzahl an Samstagen muss zudem gearbeitet werden.
"Die Arbeitszeiten sind noch immer so blöd, wie sie im Service sind. Aber die Mitarbeiter können jetzt selber entscheiden, wann sie eine blöde Schicht wählen und wann lieber mal einen Tag freinehmen möchten", erklärt Eric Daum, der GBR-Vorsitzende der DT Service.
"Dieses Beispiel belegt, dass auch bei Schichtdiensten mehr Spielraum möglich ist", betont Astrid Schmidt, die die Auswertung für den ver.di-Bereich Innovation und Gute Arbeit verantwortet. Beschäftigte sollten in die Gestaltung ihrer Arbeitszeiten einbezogen werden.
Die Angriffe auf das Arbeitszeitgesetz aus der Politik seien unnötig, betont Rebecca Liebig, denn das geltende Recht gebe einen ausreichenden Rahmen vor. Tarifvertragliche Regelungen würden bereits heute auf Grundlage des Arbeitszeitgesetzes große Spielräume ermöglichen.