Ausgabe 01/2026
Aus dem ver.di-Werkzeugkoffer
Was können Mitglieder tun, um in ihrem Betrieb aktiv zu werden? Wie gewinnt man weitere Mitglieder, um mehr durchzusetzen? Wir stellen verschiedene "Werkzeuge" vor, die in gewerkschaftlicher Arbeit und Auseinandersetzungen erfolgreich eingesetzt wurden. Dieses Mal erzählt Inga Dey von der Stadtverwaltung Frankfurt am Main, die dort in der Geschäftsstelle des Gesamtpersonalrates arbeitet und Vertrauensleute-Sprecherin und Mitglied der Bundestarifkommission im öffentlichen Dienst ist, von ihrer Erfahrung mit WhatsApp-Gruppen.

Ihr habt anlässlich der Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst gerade eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Genau, wir haben für unsere Kampagne "Frankfurt legt eine Schippe drauf" einen WhatsApp-Info-Kanal eingerichtet, um unsere Kolleg*innenmöglichst schnell zu informieren. Gestartet sind wir im September mit rund 300 Mitgliedern, inzwischen sind es über 750.
Warum habt ihr euch für WhatsApp entschieden? E-Mails bekommen wir ständig und sehr viele, das geht oft unter. WhatsApp ist direkter und persönlicher.
Was passiert in dem Kanal? In der Stadtverwaltung arbeiten knapp 16.000 Beschäftigte, dezentral verteilt auf viele Ämter und Betriebe. Allein unsere Kitas haben mehrere hundert Standorte, das Grünflächenamt ist teilweise nur im Außengebiet usw., Kolleg*innen bekommen oft nicht mit, was anderswo passiert. Über den Kanal halten wir alle auf dem Laufenden, etwa über den Stand der Kampagne.
Zum Beispiel? Zu Beginn haben wir Unterschriften für eine Absichtserklärung gesammelt. Über den Kanal wurde geteilt, wo gerade gesammelt wird, wer unterwegs ist und wie viele Unterschriften bereits zusammengekommen sind. So entsteht Transparenz und breite Beteiligung, denn für die Zulage brauchen wir jeden Einzelnen. Aber auch Einladungen zu Treffen laufen über den Kanal.
Wie viele Unterschriften habt ihr gesammelt? Am Ende waren es über 7.000.
Der Kanal ist ein reiner Info-Kanal. Wie können sich Leute einbringen? Der Kanal wird von fünf Admins betreut, die man direkt anschreiben kann. Wer zum Beispiel im eigenen Betrieb Unterschriften sammeln wollte, konnte sich bei einem Admin melden und Listen anfordern.
Welches Feedback habt ihr bekommen? Bisher ausschließlich positives. Kolleg*innen fühlen sich gut informiert und eingebunden und schätzen die Transparenz und Schnelligkeit.
Wie wird man Mitglied im Infokanal? Wir bewerben ihn über QR-Codes und Kurzlinks unter unseren Beiträgen. Diese können einfach weitergeleitet werden, sodass Kolleg*innen unkompliziert beitreten können.
Was ist dein Tipp für andere? Einfach ausprobieren und machen! Wir merken gerade auch bei unserer Kampagne, dass es besser funktioniert als gedacht. Wichtig ist, verschiedene Wege auszuprobieren, um Kolleg*innen zu erreichen und unterschiedliche Möglichkeiten anzubieten, mitzumachen. Menschen haben unterschiedliche Zeitkontingente aufgrund von Arbeitszeiten, Schichtdiensten und Care-Arbeit. Vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen, führt dazu, dass ver.di lebendiger und sichtbarer wird im Betrieb. Und es führt bei uns dazu, dass wir auch neue Kolleg*innen gewinnen, die sich in ver.di engagieren.