In den Sozialen Medien wird darum gebeten, seinen Beziehungsstatus anzugeben. Neben "verheiratet", "in einer Beziehung" oder "Single" heißt die vierte Option: "Es ist kompliziert". Da versteht jeder sofort, dass die Person in einer Beziehung ist, sich dennoch die Gelegenheit nicht versauen möchte, eine Affäre mit einer digitalen Bekanntschaft anzufangen. Die Antwort mag nach Unentschiedenheit aussehen, eigentlich ist sie eindeutiger als die anderen. Denn man kann wohl verheiratet und auf der Suche nach einem Seitensprung sein, oder Single ohne sich eine digitale Beziehung zu wünschen.

Wie auch immer: Neuerdings scheint auch die deutsche Außenpolitik sich nach dem Beziehungsstatus "kompliziert" zu richten, allerdings mit anderen Konsequenzen. Die USA bombardieren Venezuela, entführen dessen Staatschef, übernehmen die Macht über Land und Ressourcen, doch gefragt über seine Beurteilung antwortet Friedrich Merz: "Die rechtliche Anordnung ist komplex." Das ist kein Einzelfall und auch nicht dem Bundeskanzler allein anzukreiden. Geht es um Israels Kriegsführung in Gaza oder die US-Angriffe auf Teheran, ebenfalls lautet die deutsche Reaktion: "Es ist kompliziert." Nun, komplex ist die Welt immer gewesen. Alles zu vereinfachen: Das können nur neue wie alte Faschisten versprechen, und es endet immer mit Gewalt und Verdummung. Wir leben nun einmal im unüberschaubaren Schlamassel der nationalen Interessen und Konflikte. Das ist aber kein Argument, um sich eine Positionierung zu verkneifen. Komplexität hin oder her, das Völkerrecht gibt klare, allgemeingültige Regeln vor. Und nach diesen Regeln lässt sich die US-Intervention ganz eindeutig einordnen. Es war ein Völkerrechtsbruch. Immer lauter wird der Einspruch, das Völkerrecht könne sowieso nicht weiter helfen, weil sich kriminelle Politiker nicht daran halten. Ohne Zweifel sind Maduro, die Mullahs oder die Hamas kriminelle Politiker. Aber wozu wäre denn eine Rechtssprechung nötig, wenn es kein Verbrechen gäbe? Und steckt nicht hinter dem Vorwand, Komplexität lasse sich nicht mit völkerrechtlichen Mitteln regeln, eine Kapitulation vor dem Faustrecht? Offensichtlich zeichnet sich eine neue Konfiguration der Welt ab, in der auch die Angaben zum Beziehungsstatus aktualisiert werden zwischen "ich bin der Stärkere und mache mit dir was ich will" und "da ich schwach bin kann ich nicht anders, als mich dir zu unterwerfen". Wie lange noch die Option "es ist kompliziert" zur Verfügung stehen wird, ist ungewiss. Besser wär's, sich gleich nach Beziehungen der anderen Art zu suchen. Guillaume Paoli