Schreiner Lukas Lorenz an seinem Arbeitsplatz
Lukas Lorenz in der Schreinerwerkstatt der Kölner VerkehrsbetriebeBirte Kaufmann

"In der dritten Generation bin ich Schreiner in meiner Familie. Wie mein Opa und mein Vater. Und genau wie sie arbeite ich auch bei den Kölner Verkehrsbetrieben. Zu uns in die Hauptwerkstatt im Stadtteil Weidenpesch kommen alle Straßenbahnen mit schweren Schäden und zu größeren Inspektionen. Wenn ich um 6 Uhr 45 in der Werkstatt ankomme, teilen wir im Team die Arbeiten auf. Aktuell baue ich eine neue Theke für den Museumshop. Das macht mir großen Spaß.

Nicht so romantisch wie bei Meister Eder

Bei Schreiner denken die Leute oft an Meister Eder. Aber so romantisch darf man sich unsere Arbeit nicht vorstellen. Das ist eine ganz schöne Plackerei. Unsere Hauptaufgabe ist die Reparatur der Fußböden. Dafür reißen wir den Gummibelag und die Holzkonstruktion darunter heraus. Wir erneuern den Boden, verkleben und lackieren ihn. Zum Schluss kommt neuer Gummibelag drauf. Zwei, drei Wochen brauchen wir für eine Bahn. Fußboden zu verlegen, ist definitiv kein Traumjob. Wir knien den ganzen Tag. Das ist harte körperliche Arbeit. Danach habe ich oft Rückenschmerzen. Dabei bin ich noch jung. Ich weiß nicht, wie die Bundesregierung sich das vorstellt: Aber bis 67 schaffe ich die Arbeit nicht. Da muss ich mir einen Plan B überlegen.

Dass ich Schreiner wurde, hat ganz klar mit meinem Vater und meinem Opa zu tun. Schon als Kind war ich oft mit auf dem Betriebshof und fand alles sehr spannend. Nach dem Abi habe ich eine Ausbildung zum Schreiner beim WDR gemacht. Da bin ich sofort in ver.di eingetreten und war in der Jugend- und Auszubildendenvertretung aktiv. Ich war früher schon Schülersprecher und für mich war immer klar: Wenn ich irgendwo arbeite, bin ich auch Mitglied in der Gewerkschaft. Es ist vollkommen absurd zu denken, dass der Lohn vom Himmel fällt. Nein, dafür braucht es eine starke Gewerkschaft. Mein Vater war Betriebsrat. Mein Opa war Betriebsrat. In meiner Familie gibt es kein einziges Nichtgewerkschaftsmitglied.

Nach meiner Ausbildung hat der WDR keine Schreiner übernommen. Ich habe dann Lehramt studiert, konnte mich aber nicht so gut organisieren. Ich habe abgebrochen und als Straßenbahnfahrer bei den Kölner Verkehrsbetrieben angefangen, oft bis spät am Abend, auch an den Wochenenden. Das hat Spaß gemacht, aber auch geschlaucht. Deshalb bin ich in die Schreinerei gewechselt. Wirklich mehr Geld verdiene ich dort nicht, aber die Arbeitszeiten sind viel besser, Montag bis Freitag. Und ich habe sehr nette Kollegen. Ich gehe gerne auf die Arbeit, bin auch ver.di-Vertrauensmann. Wir haben einen eigenen Tarifvertrag für den Nahverkehr, angelehnt an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, TvöD. Bei Streiks sind alle Kollegen dabei, weil wir unsere Forderungen anders nicht durchsetzen können. Toll ist, dass wir vier zusätzliche Entlastungstage für Handwerker durchgesetzt haben. So komme ich jetzt auf 34 Urlaubstage im Jahr. An jedem freien Tag bin ich unterwegs. Ich setze mich sofort in mein selbst ausgebautes Wohnmobil – und fahre los, nach Wien oder Paris."

Protokoll: Kathrin Hedtke