Die Arbeitsbedingungen für das Fahrpersonal im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind so unattraktiv wie in kaum einer anderen Branche – mit negativen Folgen wie Personalmangel, Ausfällen und hoher Fluktuation. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie von ver.di und der Klima-Allianz Deutschland, die erstmals systematisch die Arbeitsbedingungen von mehr als 128.000 Beschäftigten im Fahrdienst auswertet, aber auch Lösungen für einen verlässlichen ÖPNV der Zukunft aufzeigt und durchrechnet.

Die Studie berechnet, welche Mittel notwendig wären, um ein zukunftsfähiges ÖPNV-Angebot mit besseren Arbeitsbedingungen und mehr Personal aufzubauen, und präsentiert Vorschläge, wie die Beschäftigten entlastet werden können: Maßnahmen wie eine Begrenzung unbezahlter Pausen, Schichtbeginn und -ende am selben Ort, ausreichende Ruhezeiten oder eine verkürzte Arbeitswoche verbessern die Attraktivität des Berufs. Mit dadurch sinkenden Krankenständen könnten Kosten von bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich eingespart werden.

Insgesamt erfordern die vorgeschlagenen Verbesserungen rund sieben Prozent zusätzliche Mittel im Verhältnis zum heutigen ÖPNV-Gesamtbudget: Das entspricht in absoluten Zahlen 1,76 Milliarden Euro bei Gesamtausgaben von fast 24 Milliarden Euro pro Jahr.

Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende betont: "Gute Arbeitsbedingungen für Fahrerinnen und Fahrer sind unverzichtbar, um Personalengpässe zu überwinden, Krankenstände zu senken und die Attraktivität des Berufs zu sichern." Die neue Studie liefere Vorschläge, wie spürbare Verbesserungen zu erreichen sind – und den Beleg, dass die Mehrkosten dafür bezahlbar seien. "Wir brauchen eine nachhaltige Finanzierungsstruktur für den öffentlichen Personennahverkehr in Deutschland, um Mobilität für alle zu sichern", so Behle weiter.

ver.di und Klima-Allianz Deutschland fordern die Politik auf, die Finanzierung des ÖPNV so auszugestalten, dass faire Arbeitsbedingungen und Dienstplanungen gewährleistet werden können. Maßnahmen wie ein gerechter Pausenabzug oder die Abschaffung geteilter Dienste verursachen nach ihren Berechnungen nur geringe Mehrkosten, verbessern aber die Personalsituation erheblich, erhalten die Gesundheit der Beschäftigten und sichern so die Qualität des ÖPNV-Angebots langfristig ab. Dies ist umso dringlicher, weil bis zum Jahr 2035 rund 70 Prozent des jetzigen Fahrpersonals das Rentenalter erreichen oder den Beruf aus anderen Gründen verlassen wird.