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Dieses Foto von Thomas Vonier wurde als Bayerisches Pressefoto 2025 ausgezeichnetFoto: Tomas Vonier

Am 13. Februar 2025 wurde ver.di tief erschüttert. Bei einem Angriff auf einen Demonstrationszug in München verloren zwei Menschen ihr Leben – Amel und Hafsa, eine engagierte Gewerkschafterin und ihre zweijährige Tochter. Viele weitere Teilnehmende wurden verletzt und manche leiden noch heute. Es hat Spuren hinterlassen – bei den Betroffenen, den Kolleg*innen vor Ort und in der gesamten Gewerkschaft.

Ein Jahr später ist klar: Die Wunden sind noch nicht verheilt. Viele kämpfen noch mit den Folgen, körperlich, aber auch seelisch. Wer dabei war, für den ist nichts wie vorher.

Zum Jahrestag gibt es eine gemeinsame Gedenkveranstaltung mit der Stadt München am Ort des Geschehens. Gemeinsam gedenken wir der Opfer, den Verletzten und Angehörigen und setzen ein starkes Zeichen gegen Gewalt und Hass.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begann am 16. Januar am Oberlandesgericht München. Wie lange das Verfahren dauert und wie das Urteil ausfällt, ist offen

Ein Jahr später wurde ein Foto des Tatorts als Bayerisches Pressefoto 2025 in der Kategorie Tagesaktualität ausgezeichnet. Die Jury urteilte: "Eine stille Aufnahme, erschütternd und präzise. Hier zeigt sich die gesellschaftliche Verantwortung der Pressefotografie. Kein schönes Bild, aber ein notwendiges." Die Redaktion sprach mit dem Fotografen Thomas Vonier, der als Journalist damals vor Ort war.

ver.di publik: Das Bild hat etwas sehr Beklemmendes, wie war das, als du an den Ort des Geschehens gekommen bist?

Thomas Vonier: Es war ein Tag bevor die Sicherheitskonferenz begann. Als freier Fotograf verfolgt man natürlich gerade da aktuell die Nachrichten. Ich wusste es findet wegen der Tarifrunde im öffentlichen Dienst ein Streik statt. Ich habe sehr schnell erfahren, dass es vermutlich einen Anschlag auf einen Demonstrationszug gab. Mein erster Reflex war natürlich, Fototasche schnappen und losfahren, habe es aber dann erst einmal nicht gemacht.

Das ist für einen Journalisten aber auch nicht alltäglich, oder?

Nein, sicher nicht, aber ich dachte daran, wie verzweifelt die Leute vor Ort sind, dass sicher dpa und Reuters schon vor Ort sind, und damit auch schnell Bilder vorliegen. Da fühlte es sich für mich falsch an, da auch noch hinzugehen. Es hat mich aber trotzdem nicht losgelassen.

Deshalb bin ich dann doch noch zum Stiglmaierplatz gefahren. Alles war abgesperrt, Einsatzwägen waren noch vor Ort mit Blaulicht, die Demoteilnehmenden waren schon weg, der Rettungsdienst war auch nicht mehr vor Ort. Als Presse durfte man durch die Absperrung. Ich sah Schuhe, Rettungsdecken, Demomaterial, dann das Auto. Aber eben auch viele Sachen, die herumlagen. Das sah alles sehr unwirklich aus. Ich habe gelesen, dass eine Mutter und ihr Kind schwerverletzt waren und dann sah ich den Kinderwagen, der mitten auf der Straße lag. Ich habe davon drei bis vier Fotos gemacht und bin dann wieder zurück nach Hause.

Wie bleibt man in so einer Situation professionell?

Es geht einem viel durch den Kopf. Ich habe selbst Kinder, daran denkt man natürlich auch sofort. Aber man denkt eben auch daran, dass es ein Teil einer Geschichte ist, die zu einem Ort gehört, der nicht weit weg davon ist, wo man selbst lebt. Ich sehe meine Arbeit als eine Art Chronik an.

Ich habe in der halben Stunde gerade mal 20 Fotos gemacht, was sehr wenig ist. Am Abend bin ich dann noch zur Solidemo.

Viele Menschen müssen auch bei so einem schrecklichen Vorfall professionell bleiben, Rettungshelfer*innen, Polizist*innen, Journalist*innen, aber auch Beschäftigte von Energieversorgern oder der Stadtreinigung München, die am Ende die Scherben zusammenfegen. ver.di dankt allen, die das Tag für Tag tun.

Auch ver.di lässt das alles nicht los. Solidarität steht dabei weiter an erster Stelle. Wir helfen mit, das Geschehene aufzuarbeiten, Erinnerungsräume zu schaffen und Unterstützung zu bieten – sei es psychologisch, rechtlich oder einfach menschlich.

Wer Hilfe, Austausch oder Begleitung sucht, kann sich jederzeit bei uns melden: muenchen1302@verdi.de

Denn dieser Anschlag war ein Angriff auf uns alle – auf unsere Werte von Solidarität, Demokratie und Menschlichkeit. Und genau deshalb halten wir zusammen. Heute, morgen und auch in der Zukunft – denn nur gemeinsam sind wir stark!