Aktuell hat man den Eindruck, die Union macht jeden Tag mit einem anderen Vorschlag Stimmung gegen Arbeitnehmende. Da sagt Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU, er könne sich die Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes vorstellen. Dass dieses Gesetz seit Jahrzehnten ein gut funktionierendes Schutzgesetz für Beschäftigte ist, scheint den Kanzler nicht zu interessieren.

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Heike Langenberg ist Redakteurin in der ver.di-ZentralredaktionFoto: Renate Kossmann

Kurz darauf unterstellte er den Kranken, im wahrsten Wortsinne krank zu feiern. Dass Kranksein durchaus Gründe hat und krank zu Hause zu bleiben nicht nur die Kranken selbst, sondern auch andere schützt – egal. Die Deutschen müssen mehr arbeiten, meint der Kanzler.

Damit begründet auch der Wirtschaftsflügel der CDU seinen Vorschlag, den Rechtsanspruch auf Teilzeit insbesondere für Fachkräfte abzuschaffen. Teilzeit soll nur noch möglich sein, wenn die Begründung dem Arbeitgeber gefällt. Oder ihm selbst Teilzeit in den Kram passt. Letzteres steht zwar nicht in dem Vorschlag, aber ein hoher Anteil an unfreiwillig von den Beschäftigten geleisteter Teilzeit, zum Beispiel im Einzelhandel, spricht dafür, dass diese Arbeitsform den Arbeitgebern manchmal auch ganz recht ist.

„Mit Work-Life-Balance, eigenen Lebensvorstellungen und -möglichkeiten hatten es Merz und Teile seiner Partei noch nie so wirklich.“

In Titel des Antrags an den Bundesparteitag der CDU ist daher auch abwertend von "Lifestyle-Teilzeit" die Rede. Aber mit Work-Life-Balance, eigenen Lebensvorstellungen und -möglichkeiten hatten es Merz und Teile seiner Partei noch nie so wirklich. Diese drei Beispiele aus dem Zauberkasten für mehr Wachstum der Union zeigen, wes Geistes Kind die Union ist. Hier brummt die Wirtschaft nur deswegen nicht, weil wir, die Beschäftigten, zu faul sind.

Etwas mehr als 13 Millionen Beschäftigte arbeiten in Teilzeit, jede zweite Frau und jeder neunte Mann. Kindererziehung oder Weiterbildung sind häufig genannte Gründe dafür. Gut, diese Gründe will der Wirtschaftsflügel ausnehmen, zeigt damit aber auch, wie wenig Substanz der Vorschlag hat. An entscheidende Voraussetzungen für mehr Vollzeitarbeit, wie etwa die Abschaffung des Ehegattensplittings, bessere Arbeitsbedingungen oder bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, will die Union allerdings nicht ran.