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Olha VorozhbytFoto: privat

Seit letzter Woche sind Sonne und Frühlingswärme in die Ukraine zurückgekehrt. Nach einem so harten Winter wie dem vergangenen wirkt dieses Wetter wie eine echte Belohnung. Doch trotz des nahenden Frühlings und des kommenden Sommers bleibt die Frage der Heizung im nächsten Winter eines der zentralen Themen in den ukrainischen Medien.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens wird es, wie Experten betonen, kaum möglich sein, die Folgen der Zerstörung der Energieinfrastruktur – insbesondere in Kyjiw – bis zum nächsten Winter vollständig zu beheben. Zweitens setzt Russland seine Angriffe auf diese Infrastruktur unvermindert fort. Und Strom brauchen die Menschen zu jeder Jahreszeit.

Gleichzeitig geraten in diesen Diskussionen oft jene aus dem Blick, dank derer wir trotz der ständigen russischen Angriffe weiterhin Zugang zu den Annehmlichkeiten der modernen Welt haben.

"Wir arbeiten am Rande des Möglichen. Nachts gibt es Luftangriffe, morgens muss man zur Arbeit gehen, rund um die Uhr – die Anlagen nach den Beschüssen wiederherstellen", sagt Vitalij Hawryljako, Meister einer Notfall- und Wiederherstellungsbrigade von "Kyjiwteploenergo", während einer seiner Schichten im Januar.

Arbeit am Rande des Möglichen – das ist keine bloße Floskel. Die Mitarbeiter der Notfallteams arbeiten rund um die Uhr, ungeachtet extremer Kälte; in diesem Winter fielen die Temperaturen teilweise auf minus 20 Grad und darunter. Im Januar 2026 starb laut "Kyjiwteploenergo" ein 66-jähriger Mitarbeiter während eines Einsatzes an kritischer Infrastruktur.

Kommunalarbeiter sterben – ebenso wie Rettungskräfte, Feuerwehrleute und medizinisches Personal – infolge wiederholter russischer Angriffe. Diese gezielte Taktik besteht darin, etwa eine halbe Stunde nach einem ersten Angriff erneut denselben Ort zu treffen, wenn Einsatzkräfte bereits vor Ort sind. Diese Taktik soll nicht nur zerstören, sondern auch einschüchtern.

Personalmangel – ein allgegenwärtiges Problem

Der Arbeitskräftemangel ist längst ein strukturelles Problem des ukrainischen Arbeitsmarktes, besonders in den sogenannten Arbeiterberufen. Doch im Bereich der kommunalen Versorgung ist die Lage besonders kritisch.

In Kyjiw, einer Stadt mit fast vier Millionen Einwohnern, fehlen laut Stadtverwaltung derzeit 4.220 Kommunalarbeiter – das entspricht 38 Prozent der benötigten Belegschaft. In einigen Bezirken liegt die Lücke sogar bei über 40 Prozent.

Deshalb reisten nach den schweren Angriffen Anfang Januar 2026 Teams aus anderen Städten in die Hauptstadt – sogar aus stark betroffenen Regionen wie Charkiw. Sechs Teams von Kommunalarbeiter aus Lwiw arbeiteten fast zwei Monate lang in Kyjiw.

Dennoch bleiben bis zum Ende dieser Heizperiode über tausend Mehrfamilienhäuser sowie mehr als 60 Bildungseinrichtungen – Schulen und Universitäten – ohne Heizung. Ein Mehrfamilienhaus in Kyjiw beherbergt im Durchschnitt 200 bis 350 Bewohner. Das bedeutet, dass 20.000 bis 35.000 Menschen vorerst weiterhin in ihren Wohnungen ohne Heizung auskommen müssen.

Für das Bildungswesen ist es eine enorme Herausforderung. Wenn Unterricht nicht nur wegen der russischen Angriffe, sondern auch aufgrund fehlender Heizung und Wasserversorgung nicht stattfinden kann, dürfte dies noch mehr junge Menschen dazu bewegen, nach Studienmöglichkeiten im Ausland zu suchen.

Vor diesem Hintergrund sind die Arbeit der Mitarbeiter der kommunalen Versorgungsbetriebe, ihre angemessene Bezahlung und ihre soziale Absicherung für die Ukraine von strategischer Bedeutung.