Ausgabe 02/2026
Ausstellung

Thomas Bayrle. Fröhlich sein
Wer die Arbeiten von Thomas Bayrle betrachtet, käme nie darauf, dass er im kommenden Jahr schon 90 Jahre alt wird. Seine großformatigen, aus Pixeln geschaffenen Bilder sowie seine nur wenig kleineren Installationen sind in ihrem Wesen so modern, dass man dahinter eher einen jungen Menschen vermutet. Allein an den oftmals christlichen, aus der Renaissance entliehenen Motiven seiner Bilder wird klar, dass sich Bayrle ausführlich und anhaltend mit den Bildcodes der Kunstgeschichte beschäftigt hat. Kaum zu glauben auch, dass die Werke in dieser Ausstellung alle erst in den letzten 20 Jahren entstanden sind. Das Porträt von Kim Kardashian, aus hunderten roten Lippenstiften zusammengesetzt, hat Bayrle erst mit 85 Jahren geschaffen. Dass er sich dieser Reality-Soap-Figur, die das Konzept von Prominenz endgültig vom Inhalt entkoppelt hat, überhaupt interessiert, erstaunt aber nicht wirklich. Diese Ausstellung zeigt eindrücklich, dass Bayrle stets fröhlich durch die große, weite und bunte Welt zieht – offen für alles und jede*n. Fröhlich sein – sein Mantra für seine Studierenden von 1975 bis 2002 an der Städelschule in Frankfurt – zeigt aber auch: Sein dennoch stets kritischer Blick steckt in jedem Werk im Detail. Petra Welzel
SCHIRN, GABRIEL RIESSER WEG 3, FRANKFURT.A.M., DI, MI, FR, SA & SO 10–19 UHR, DO 10–22 UHR, BIS 10. MAI 2026

German Pop Art
Mit Pop Art verbinden wir gemeinhin quietschbunte, plakative und großformatige Bilder und Skulpturen. Bilder und Figuren wie einer Comicwelt entsprungen. Ist die amerikanische Pop Art tatsächlich oft mehr poppig als politisch, trifft auf die deutsche Pop Art das Gegenteil zu. Die Ludwiggalerie in Oberhausen zeigt dies mit dem Ausstellungs-Untertitel Zwischen Provokation und Mainstream anhand von über 100 Grafiken, Siebdrucken und Skulpturen aus der Sammlung des Düsseldorfer Anwalts Heinz Beck. Obwohl die ausgestellten Kunstwerke nahezu alle aus den 1960er und 1970er Jahren stammen, sind die Inhalte aktueller denn je. Die Abrechnung mit der deutschen Vergangenheit, Kriegstreiber, eine Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint – viele Werke ziehen unfreiwillig eine Linie in die Gegenwart. Sie zeigen aber auch, dass wir unserer Gegenwart nicht hilflos ausgeliefert sind, dass die Kunst ein Sprachrohr und Aktivist ist. "Betreten der Ausstellung verboten", ein Plakat in Form eines deutschen Ortseingangsschilds von Klaus Staeck, der seit Jahrzehnten in Sachen Kunst und Politik unterwegs ist, sollte natürlich nicht ernst genommen werden. Dem Schildspruch sollte man sich unbedingt widersetzen. Petra Welzel
LUDWIGGALERIE SCHLOSS OBERHAUSEN, KONRAD-ADENAUER-ALLEE 46, DI–SO 11–18 UHR, BIS 3. MAI 2026

Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter
Künstlerinnen und Künstler zeichnet oftmals aus, dass sie nicht nur Werke inszenieren, sondern auch sich selbst oder ganze Gruppen, wie es diese Ausstellung über den Blauen Reiter zeigt. Anfang des 20. Jahrhunderts war es mit Gabriele Münter und Marianne von Werefkin erstmals eine von Frauen angetriebene und mit Leben gefüllte Kunstbewegung. Die Künstlerinnen stellten Geschlechterrollen und Grenzen in Frage. Der Bogen des Blauen Reiters zog sich von München über Deutschland, Frankreich, Russland bis in die USA. Kulturelle Unterschiede wurden als Bereicherung empfunden, der transnationale Austausch belebte die Bildsprache, neue Ausdrucksformen entstanden ebenso wie neue Lebensmodelle unterschiedlichster Art. Viele Werke aus diesem Kunstkreis sind heute Ikonen, wurden stilbildend für Architektur und Interior Design wie etwa Wassily Kandinskys und Paul Klees abstrakten Formgebilde. Aus ihren Werken abgeleitet, entstanden zum Beispiel Treppenhäuser und etliche Teppiche. Über 240 Werke eröffnen in dieser Ausstellung einen weiten Blick auf eine der wichtigsten künstlerischen Avantgarde in Europa und darüber hinaus. Sehr sehenswert. Petra Welzel
STÄDTISCHE GALERIE IM LENBACHHAUS, LUISENSTR. 33, MÜNCHEN, DI–SO 10–18 UHR, DO 10–20 UHR