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Oliver Berg/dpa

Thema "Arbeitszeit – Fair gestaltet", ver.di publik 1_2026

Das Arbeitszeitgesetz erlaubt jetzt schon, die tägliche Arbeitszeit auf 10 Stunden und damit die wöchentliche Arbeitszeit auf 70 Stunden auszudehnen. Die dadurch anfallende Mehrarbeit muss lediglich innerhalb von sechs(!) Monaten ausgeglichen werden. Viele Tarifverträge erlauben sogar, Mehrarbeit in einem Langzeitkonto anzusammeln, bzw. bis zu 100 Stunden pro Quartal finanziell abzugelten Beispiel: Öffentlich-Rechtlicher-Rundfunk. Der 8-Stunden-Tag ist in vielen Bereichen seit vielen Jahren Geschichte. Wem die Flexibilität, die das Arbeitszeitgesetz jetzt schon ermöglicht, nicht reicht, der spricht der Ausbeutung von Arbeitnehmern das Wort.

Ernst Sommer, per E-Mail

Titel "Es reicht! Überall!" + "Ein Verbot schadet allen", ver.di publik 1_2026

Selten habe ich so einen überzogenen und diskriminierenden Artikel bei euch gelesen. Angeblich wären alle Mächtigen dieser Welt für Gewalt gegen Frauen. Die Hälfte unserer Bevölkerung würde in Angst leben und das alles ist ein System alter Männer. Keine dieser Aussagen ist wahr. Diese Art Fanatismus ist für mich sehr bedenklich.

Lutz Fritsche, Dresden

Ein Aufruf, den ich nur unterstützen kann. Mir fehlt im Artikel eine riesige Gewalttätergruppe, die gerade in Deutschland sehr aktiv ist: der Sex-Käufer. Der legal eine Frau zu seiner sexuellen Befriedigung kaufen kann. Ihm ist vielleicht nicht erkennbar, aber dann auch egal, ob die für Geld verfügbare Frau unter Zwang (wirtschaftlich oder durch Zuhälter) "arbeitet". Zwang und Gewalt sind in Deutschland, ermöglicht durch die derzeitige Gesetzeslage, ein gigantisches Problem in der Prostitutionswelt. Zuhälterei, Gewalt und Menschenhandel sind unübersehbar ein Teil dieser Realität. Da hilft es nicht, dass auch von meiner Gewerkschaft versucht wird, die "gute Sex-Arbeit" von ihren dunklen Kräften der Ausbeutung und des Menschenhandels zu unterscheiden. Das ist akademisch. "Sex-Arbeit" ist auch nicht "total divers". Betroffen sind überwiegend sehr junge, sehr arme, ausländische Frauen. Sehr häufig ohne Deutschkenntnisse. Auch die angeblich schutzbietenden Prostitutionsstätten dienen häufig der Kontrolle dieser Frauen und immer ihrer weiteren Ausbeutung durch wahnwitzige Mieten. Zugang zum sozialen Sicherungssystem besteht schon seit langem. Was propagiert die 28-jährige Trans-Frau Mel hier? Erleichterung zu Schwarzarbeit, unangemeldet "ohne viel Papierkram"?

Sie wünscht sich, wie wir alle, einen sicheren Arbeitsplatz.

Den wird sie in ihrer gewählten Branche eher nicht finden. Sie arbeitet in einem brandgefährlichen Feld mit größter Gefährdung ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit, was allein die geringe Lebenserwartung von Menschen in der Prostitution belegt. Auch bei Mel sind die Gefährder gewalttätige Männer. Und nicht die Stigmatisierung durch "die Gesellschaft". Es reicht. Und wirklich in allen Feldern wo Männergewalt auf Frauen und andere Menschen trifft. Elisabeth Krützkamp, Bremen

Es ist krank, wenn die Fachinstanz für Arbeitsverhältnisse (für mich war dies bisher die Gewerkschaft) in diesem Milieu von Branche spricht. Es ist gewaltvoller, krimineller Menschenhandel, und Frauenkörper sind keine Ware!

Bernadette Schmid, Oberschleißheim

Ich war über 30 Jahre Polizistin in München und hatte in dieser Zeit häufig Kontakt zu Prostituierten. Jetzt muss ich feststellen, wie eine kleine Gruppe von ver.di auf dem Weg ist, sich in Sachen Prostitution vollkommen zu verrennen. Der Artikel beschreibt das Leben einer Transperson mit Behinderung in der Prostitution. Dass diese Person ohne Anmeldung und ohne sozialen Schutz arbeitet, scheint von der Autorin vollkommen unkritisch gesehen zu werden. Es ist doch die ureigenste Aufgabe einer Gewerkschaft, sich für gute, sichere, sozial abgesicherte und würdevolle Arbeit einsetzen. Für Arbeit, bei der Menschen auch nach 40 Jahren Ausführung noch gesund sind. Sexuelle Ausbeutung kann doch nicht als Beruf bezeichnet werden. Mehrfachdiskriminierung und ein Mangel an Alternativen und Perspektiven sind oft Grund, warum Menschen sich in der Prostitution wiederfinden. Wie kann es sein, dass ver.di mit klarem Blick auf Verfehlungen in anderen Bereichen hinweist und diese anprangert – was auch richtig und wichtig ist – bei Prostitution aber immer noch von der freien Zustimmung der Einzelperson spricht. Prostitution ist kein Beruf und kein Job wie jeder andere. Prostitution ist oft der letzte Ausweg, verbunden mit einem oftmals hohen Drogen- und Alkoholkonsum, um die Erniedrigungen zu ertragen.

Christiane Feichtmeier, Mitglied des Bayerischen Landtags

Thema "Wohnungen zu irrwitzigen Preisen", ver.di publik 1_2026

Zu Wort kommen im Artikel zwei SPD-Stadtratskandidatinnen, die natürlich ihre eigene Arbeit völlig unkritisch sehen und die Schuld für die hohen Mieten immer nur auf andere Ebenen schieben. Es gibt keine kritischen Stimmen, die zu Wort kommen. Fakt ist, dass München die höchsten Mieten des Landes hat und seit OB Reiters Amtszeit die Mieten um 60 Prozent gestiegen sind. Es wird kaum etwas gegen Leerstand und Mietwucher unternommen. Über eine Milliarde Euro wurden kürzlich beim bezahlbaren Wohnen im Zuge der Haushaltskonsolidierungen gekürzt, was ein faktisches Ende des bezahlbaren Wohnraums ab 2028 bedeutet. Dazu hat Reiter kürzlich im Alleingang die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) aufgekündigt, wodurch die Bodenpreise in zukünftigen Stadtentwicklungsquartieren explodieren und bezahlbarer Wohnraum unmöglich wird. Ich wünsche mir in Zukunft mehr kritische Auseinandersetzung bei einem solch wichtigen Thema! Vielen Dank für eure Arbeit.

Christian Schwarzenberger, mietenpolitischer Aktivist, Die Linke.

Ausgabe 1_2026 der ver.di publik

Einen herzlichen Glückwunsch zur diesmal inhaltlich besonders gelungenen Ausgabe. Was wir allerdings bei der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins Fulda -Lauterbach feststellten, ist die dringende Notwendigkeit, die Vorzüge einer ver.di-Mitgliedschaft für Rentner zu bewerben. Es ist nicht nur für die Gewerkschaft vorteilhaft, wenn KollegInnen nach dem Renteneintritt Mitglied bleiben!

Broder Braumüller, Lauterbach

Zum Leserbrief von Thomas Künzer, ver.di publik 1_2026

Guten Morgen, nachdem ich gerade das zweifelhafte Vergnügen, Thomas Künzers Leserbrief zu lesen, hinter mich gebracht habe, muss ich fragen: Ist das eigentlich euer Ernst? Playstation? Hat der Kollege Berührungspunkte mit Auszubildenden oder anderen jungen Menschen? Junge Menschen, die gegen ihr eigenes Verheiztwerden und den Aufrüstungswahn demonstrieren, hier vor den Bus zu werfen, finde ich zum Kotzen. Und das muss auch so gesagt werden.

Martin Maier, per E-Mail

Wer der aktuellen Aufrüstung zustimmt, ohne eine wirkliche Friedenspolitik vorzuschlagen, wird sich für die weitere Verschärfung unserer Probleme in der Klimakatastrophe zu verantworten haben. Aber allein auf die Arbeitsbedingungen beschränkt, sollten wir nicht für eine Wehrpflicht sein, sondern eine gut bezahlte Berufsarmee fordern, die anständige Arbeitsbedingungen, gute persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und eine gute Entlohnung bietet.

Steffen Neubert, Halle/Saale

Wenn die Drohnen lärmen, der Strom für das Spiel Call of Duty auf der Playstation ausfällt, im U-Bahn-Schacht kaum Schlafplatz ist, die hier stationierten Mittelstreckenraketen die nukleare Bombe nicht abgehalten haben, das Land zerstört ist, die Brüder und Söhne an der Front verreckt sind, gibt es vielleicht die Einsicht, dass Aufrüstung und Krieg nur dem Profit und nicht den Arbeiter*innen und ihren Familien nutzen, dass Arbeiter*innen nicht auf Arbeiter*innen anderer Länder schießen und die junge Generation mehr als recht hatte, gegen das Verheizen für die Interessen hiesiger Fabrikherren, Millionäre und Kriegshetzer sowie gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren.

Annette Müller, Frankfurt

Zum Leserbrief von Christian Budych, ver.di publik 1_2026

Der Leserbrief zum Thema "Minijobs abschaffen" hat bei uns zu starkem Unglauben geführt: Die erwähnten Personen, denen es angeblich "Spaß macht", am Wochenende noch "das Lenkrad zu drehen, an der Tankstelle zu stehen oder Menschen im Restaurant zu bedienen", scheinen uns arg herbeifantasiert. Ganz abgesehen davon, dass sich vermutlich nicht viele erwachsene Leute ihr "Taschengeld aufbessern". Nebenbei bemerkt sollten sie das mit einer Vollzeitstelle auch gar nicht nötig haben, aber das ist eine andere Diskussion. Minijobs müssten angeblich auch erhalten bleiben, weil Vollzeitarbeitskräfte in einigen Bereichen oder Zeiten unrentabel sind. Natürlich, herrje, die Kosten-Preisexplosion, Zahlungsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit! Das alte "Wer soll das bezahlen?"-Lied, da ist es wieder. "Wollen wir das?", fragt der Leserbrief, unsere Gegenfrage lautet:

Schon mal was von Teilzeitstellen gehört, oder Zeitarbeit?

Falls ja: Ist der Unterschied zum Minijob bekannt?

L. und M. Quante, Hannover

Zum Leserbrief von Manfred Maaßen, ver.di publik 1_2026

Kein Rentner muss im deutschen Sozialstaat, den die Arbeiterbewegung erkämpft hat, Flaschen sammeln. Weder die ehemaligen Beschäftigten (früher Angestellte und Arbeiter) des öffentlichen Dienstes, die die Zusatzversorgung des Bundes und der Länder erhalten, noch andere Bezieher von Betriebsversorgungen. Aber auch die bloße Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung überschreitet im Regelfall das Existenzminimum. Im Ausnahmefall besteht ein Rechtsanspruch auf ergänzende Sozialhilfe. Falls erforderlich, wird das Existenzminimum vom Bundesverfassungsgericht beziffert. Wer nicht verstehen kann, warum die Alterssicherungssysteme anderer Staaten in Deutschland nicht einfach kopiert werden, mag sich mit jenen gründlich befassen. Und erkennen, dass das Einmaleins überall gilt, auch in Österreich und der Schweiz. Stammtischweisheiten, auch manch Zeitungsgeschwätz und Panikmache befördern nur das Geschäft politischer Extremisten, die mit unerfüllbaren Heilserwartungen freigiebig agieren können.

Gerhard Lechleitner, Berlin