ver.di gratuliert Marietta Eder zur Wahl als neue stellvertretende DGB-Vorsitzende in Bayern. Die Herausforderungen sind gewaltig: Über 50 Prozent der Beschäftigten arbeiten ohne Tarifvertrag, während der Sozialstaat ausgehöhlt wird. Eder ist überzeugt: "Alles funktioniert nur, wenn wir die Verteilungsfrage stellen und die Schere zwischen Arm und Reich schließen." Stabile Kommunalfinanzen seien entscheidend, um Nachfrage und Wachstum zu fördern – aber nicht auf Kosten der Daseinsvorsorge, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährde. "Solidarität ist für mich der Schlüssel", betont sie.

Früh engagiert

Ihre Motivation wurzelt in eigenen Erfahrungen: Ohne ÖPNV in ihrem Wohnort musste sie früh für bessere Bedingungen kämpfen. Als Studentin engagierte sie sich gegen Studiengebühren und für günstige Semestertickets. Bei ver.di setzte sie sich besonders für faire Tarife im Krankenhausbereich ein. "Reformen sind nötig, aber nicht auf dem Rücken der Beschäftigten", sagt Eder. Karenztage oder die Abschaffung telefonischer Krankmeldungen lehnt sie ab: "Gesundheit ist keine Ware. Wir brauchen bessere Personalbemessung."

Mit einem Frauenanteil von nur 35 Prozent im DGB sieht sich Eder als Vertreterin der weiblichen Mitglieder. "Besonders Frauen und Geringverdiener brauchen sichere Renten", fordert sie. Der DGB habe eine Rentenkommission, um Arbeitgebervorschlägen entgegenzutreten. "Wenn die gesetzliche Rente zu schwach ist, können wir das tariflich nicht mehr ausgleichen." Die nächsten Jahre werden nicht einfach: "Auf keiner Ebene wird es uns leicht gemacht", sagt Eder. Doch gerade jetzt brauche es starke Gewerkschaften. "Ich freue mich auf die Arbeit für die Menschen in Bayern."