Ausgabe 02/2026
Editorial
Von Petra Welzel |es hört sich erstmal harmlos an: "Bürokratieabbau" zum Beispiel. Oder: "Ihr wollt doch auch, dass das Spiel gut wird." Oder die freundliche Jobzusage, die sich aber später als Eintrittskarte in ein System aus Zwang und Gewalt entpuppt. In dieser Ausgabe erzählen drei Berichte aus drei völlig unterschiedlichen Welten von derselben Verschiebung: dass Risiken in der Arbeitswelt immer öfter nach unten weitergereicht werden.
In "Riskante Sparpläne" (Seite 17) geht es um ein System, das Leben schützt – und plötzlich zur Disposition steht. Sicherheitsbeauftragte, die in Betrieben nah an den Beschäftigten dran sind, die sehen, was passiert, bevor etwas passiert. Und ausgerechnet sie gelten als verzichtbar. Als ließe sich Sicherheit wegsparen, ohne dass jemand den Preis dafür zahlt.
"Das Spiel soll doch gut werden" (Seite 3) blickt in eine Branche, die sich gern als kreativ und progressiv versteht, in der Selbstausbeutung aber fast schon zum Geschäftsmodell gehört. Crunch heißt das dann. Oder Leidenschaft. Die Grenzen zwischen Arbeit und Anspruch verschwimmen in der Games-Branche. Oft zulasten derer, die sie ziehen müssten.
Und dann ist da noch "Im Netz der Scammer" (Seiten 14+15). Eine Reportage, die zeigt, was passiert, wenn jede Schutzlinie reißt. Wenn Arbeit nicht nur unsicher oder schlecht bezahlt ist, sondern zur Zwangsarbeit wird. Organisiert, brutal, global, mit Folgen für immer mehr von uns.
Es mögen extreme Fälle, Ausnahmen sein. Aber es geht um schleichende Verschiebungen im Arbeitsschutz über strukturellen Druck bis hin zu offener Gewalt. Die Frage ist deshalb, wer den Problemen etwas entgegensetzt. Die Sicherheitsbeauftragten im Betrieb. Die ersten Betriebsräte in der Games-Branche. Die wenigen, die Missstände dokumentieren, obwohl es gefährlich ist. Es sind keine Heldengeschichten. Aber: Rechte fallen nicht vom Himmel. Sie werden erkämpft, verteidigt, organisiert. Immer wieder und aufs Neue. Es ist gut, dass es uns, die Gewerkschaften gibt.
Petra Welzel
Chefredakteurin der ver.di publik