Karenztag – Gemeint ist eine Forderung von Wirtschaftslobbyisten, die den ersten Krankheitstag nicht mehr bezahlen wollen. Per Gesetz bekommen Arbeitnehmer*innen in Deutschland ab dem ersten Krankheitstag 100 Prozent Lohnfortzahlung, maximal für sechs Wochen. Dafür haben Gewerkschaften lange gekämpft. Lobbyisten aus der Wirtschaft wollen immer wieder daran rütteln. Allianzchef Oliver Bäte forderte einen Karenztag, um Beschäftigte abzuschrecken "blau zu machen". Bundeskanzler Friedrich Merz sieht die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vom ersten Tag an als "falschen Anreiz". Für Beschäftigte ist und bleibt die Lohnfortzahlung vom ersten Tag der Krankheit an aber wichtig. Krank sein und in finanzielle Nöte zu geraten, das gehört in die Mottenkiste der Geschichte, sagen Gewerkschaften. Von "Blaumachen" kann auch keine Rede sein, denn die Hauptgründe für nur einen Krankentag sind beispielsweise Infekte, bei denen niemand angesteckt werden sollte, Migräne oder Magen- und Darmerkrankungen, mit denen die Kranken das Haus nicht verlassen können. Wer einen Karenztag fordert, will seinen Profit auf Kosten der Beschäftigten steigern und bringt sie in existenzielle Not, denn 5 Prozent weniger Lohn können sich die meisten Menschen nicht leisten.

Krankenstand – Für einen systematischen Missbrauch der telefonischen Krankschreibung gibt es keine Anzeichen. Längst ist erwiesen, dass der höhere Krankenstand in Deutschland (u.a. Studie der DAK) hauptsächlich auf die neue elektronische Erfassung zurückgeht. Seit der Einführung der elektronischen Krankmeldung werden Krankschreibungen zu 100 Prozent erfasst. Davor wurden die "gelben Zettel" häufig nicht an die Krankenkassen, sondern nur an die Arbeitgeber verschickt. Zudem entstehen zusätzliche Fehltage durch Coronainfektionen und Erkältungswellen, die Zunahme psychischer Erkrankungen und aufgrund älter werdender Belegschaften. DAK-Vorstandschef Andreas Storm fordert eine offene Debatte über die tatsächlichen Ursachen des Krankenstands und warnt vor einer "Misstrauenskultur in der Arbeitswelt". Der DGB warnt vor den Folgekosten und Ansteckungs- und Unfallgefahren durch immer zahlreichere Fälle von krank bei der Arbeit erscheinenden Personen.

Präsentismus – Aus neoliberaler und konservativer Ecke sowie von Arbeitgeberseite tönt es immer wieder, die Deutschen seien zu oft krank und ein Volk von "Blaumachern". Der DGB betont, das Gegenteil sei der Fall – das viel größere Problem sei, dass Beschäftigte sich krank zur Arbeit schleppen. Das Phänomen heißt "Präsentismus". Laut Auswertungen des DGB-Index Gute Arbeit "Kompakt" 01/2025 gaben 63 Prozent der Befragten an, auch gearbeitet zu haben, obwohl sie sich "richtig krank gefühlt" haben. Besonders weit verbreitet ist das Arbeiten trotz Krankheit in Reinigungsberufen, Lehr- und Erziehungsberufen sowie Gesundheitsberufen. Einer der Hauptgründe, dass die Beschäftigten trotz Krankheit zur Arbeit gehen ist, dass sie hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt sind, eine schlechte Betriebskultur haben und sich Sorgen um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes machen. Dadurch kann sich die Genesung verschleppen und die Krankheit sogar verschlimmern.

Krankmeldung – Ab dem vierten Krankheitstag muss eine Krankmeldung vorliegen, doch der Arbeitgeber darf auch schon ab dem ersten Krankheitstag ein Attest verlangen. Das muss nicht im Arbeitsvertrag stehen und kann jederzeit eingefordert werden. Die Diagnose ist geheim und Kranke müssen auch nicht die Tür öffnen, wenn Vorgesetzte zu Hause auftauchen.