Ausgabe 04/2026
Aus bunt wurde dunkel

Mehrere hunderttausend Menschen waren am 25. Juli in Berlin unterwegs, um beim Christopher Street Day Flagge für Vielfalt, Akzeptanz und Toleranz zu zeigen. Gleich welche Nationalität, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung, sie demonstrierten und feierten gemeinsam unbeschwert in der Hauptstadt, zeigten Haltung – bis gegen 22 Uhr ein Attentäter am Rande der Abschlusskundgebung eine Frau tötete und 29 weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzte. Aus bunt wurde dunkel an diesem Abend.
Doch statt an die Opfer zu denken, an Hinterbliebene, Angehörige und Freund*innen, ergoss sich in Teilen von Social Media sofort Hass und Hetze. Die Opfer dieses Attentats seien selbst schuld, wenn sie ihre sexuelle Orientierung so offen zeigten, hieß es da. Oder es wurde gefordert, Menschen muslimischen Glaubens aus Vereinen und dem gesellschaftlichen Leben zu verbannen, weil auch der Attentäter dieser Religionsrichtung angehört hat. Und das sind nur zwei von zahllosen Kommentaren, deren Wiedergabe keinen Raum verdient.
Der Anschlag auf die queere Community hat gezeigt, wie wichtig die Anliegen sind, für die Menschen in Berlin, aber auch in vielen anderen Orten weltweit derzeit auf die Straße gehen. Sie demonstrieren für "eine offene, vielfältig, inklusive, demokratische und solidarische Gesellschaft, die Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung einschließt", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer. Doch genau gegen eine solche Gesellschaft richteten sich das Attentat und die Hasskommentare.
Daher war es umso wichtiger, dass bereits am nächsten Tag wieder Menschen auf die Straßen gingen und in vielen deutschen Städten zeigten, dass sie sich nicht einschüchtern lassen. Dass es wichtig ist, weiter für diese freie Gesellschaft zu kämpfen, sie einzufordern und sich nicht von Extremist*innen gleich welcher Art davon abhalten zu lassen.
Vielfalt und Demokratie mögen manchmal unbequem erscheinen. Aber Akzeptanz, solidarisches Miteinander und Toleranz sind die Grundpfeiler unseres Landes. Für diese Werte sollten wir einstehen – auch bei den bevorstehenden Landtagswahlen. Damit bunt bunt bleibt.