Ausgabe 04/2026
Editorial
Von Petra Welzel |Liebe Leserin, lieber Leser,
während diese Ausgabe der ver.di publik ausgeliefert wird, wird in München am 6. August 2026 das Oberlandesgericht sein Urteil über den jungen Attentäter fällen, der im Februar letzten Jahres mit seinem Wagen in einen ver.di-Demonstrationszug gefahren ist und eine unserer Kolleginnen und ihre zwei Jahre alte Tochter tötete sowie 42 Menschen teils schwer verletzte. Am 25. Juli 2026 raste wieder ein junger Mann mit einem Transporter in eine Menschenmenge, die bis dahin friedlich, fröhlich und ausgelassen den Christopher Street Day in Berlin gefeiert hat. Eine Frau kam ums Leben, 29 weitere Personen wurden teils lebensbedrohlich verletzt. Nur zwei Tage zuvor erlag ein Angestellter der Hypovereinsbank in Regensburg durch die Messerstiche eines jungen Mannes seinen schweren Verletzungen – auch er war einer unserer Kollegen. Es ließen sich weitere Taten und Anschläge aus der jüngeren Zeit hinzufügen, aber – sie lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Worauf wir uns alle verständigen können, ist die Feststellung, dass diese Taten uns erschrecken, bestürzen und sicher auch verunsichern. Doch die falsche Antwort darauf wäre, uns abzuschotten und dem Hass den öffentlichen Raum zu überlassen. Warum, das erklärt meine Kollegin Heike Langenberg in ihrem Kommentar zum jüngsten Anschlag in Berlin.
Der Täter von Regensburg fällt womöglich in den Bereich, worüber wir in unserer Reportage berichten. Die Fallzahlen in Deutschlands Jugendämtern verschärfen sich zunehmend, weil nahezu allerorts Fachkräfte fehlen. Am Beispiel Hamburg wird deutlich, dass selbst die eigens eingerichtete Ombudsstelle, die Problemlagen sichtbar machen soll, an ihre Grenzen stößt. Der Täter von Regensburg war schon lange in Obhut eines Jugendheims. Und auch der junge Mann, der den Anschlag auf den CSD verübte, war bereits seit vielen Jahren auffällig und unter Beobachtung. Weiter am Sozialstaat zu sparen, kann da nicht die Lösung sein. Nicht zuletzt zeigen das unsere vier Kolleg*innen, die im Brennpunkt zu Wort kommen.
Petra Welzel
Chefredakteurin der ver.di publik