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Apsilon – Glanz Null

Als hätte Lars Klingbeil nicht schon genug Probleme. Jetzt muss er sich auch noch von Rappern verarschen lassen. "Bitte sag mal, Vizekanzler, warum folgst du mir auf Insta?", reimt Apsilon auf seinem neuen Album "Glanz Null", und empfiehlt dem Politiker: "Halt mal lieber bisschen Abstand." Der Song heißt "Keiner von euch", und das ist programmatisch gemeint: Arda Yolci, vor 29 Jahren geboren in Berlin-Moabit, erfüllt zwar mit seinen reflektierten Texten und einem Auftreten, das Straßen-Rap-Klischees vermeidet, alle Bedingungen, um der biodeutschen Mehrheitsgesellschaft als Vorzeigemigrant zu dienen. Aber genau diesem Eindruck erteilt Apsilon eine Absage, und nutzt seinen frühen Erfolg – vom Top-Ten-Erfolg seines Debütalbums "Haut wie Pelz" von 2024 bis zu diversen Auszeichnungen –, um weiter den Alltagsrassismus zu sezieren. In "Sommermärchen" beschreibt er eindringlich, wie die Schlaand-Euphorie des Fußball-WM-Sommers 2006 bei Menschen mit Migrationshintergrund ankam, die gleichzeitig die Mordserie des NSU erleben mussten. Lakonisch, aber eindringlich tröpfeln die Beats, während der aktuell großartigste deutsche Rapper lyrisch souverän Privates mit Politischem verschränkt.

Thomas Winkler

Urban/Universal

José Afonso – Galinhas do Mato

Als es am 25. April 1974 im Radio lief, war José Afonsos Solidaritätslied "Grândola, Vila Morena" für die zuvor Eingeweihten das geheime Startsignal zur Nelkenrevolution und damit dem Ende der Diktatur in Portugal.

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Afonso gelang als Sänger das Kunststück seine Botschaften trotz ihrer anspruchsvollen Texte unter das Volk zu bringen. Neben seiner allgemein verständlichen Poetik war es Afonso zeitlebens wichtig seine Lieder gemeinsam mit herausragenden Musikern zu realisieren. Sie stammten aus der Volksmusiktradition des Fado, der Kammermusik und der populären Szene und verpassten den jeweiligen Songs ihr eigenes, besonderes Flair. Mit Galinhas do Mato erscheint nun ein Spätwerk des gefeierten Liedermachers aus dem Jahr 1987. Mit großem Besteck (darunter Bläser und afrikanische Percussion) erklingen nicht nur Afonsos legendäre Songpoesie, sondern auch tanzbare Rhythmen und Grooves aus seiner Zeit in Afrika, wo er sich durch die dort entstehenden Unabhängigkeitsbewegungen politisierte. Widerstand anstatt Verzagtheit, eine Aufforderung, die als Afonsos Vermächtnis ihre universale Gültigkeit bewahrt.

Peter Rixen

CD, Mais 5/Broken Silence

The Klezmatics – We Were Made For These Times

Bei der Klezmer-Musik handelt es sich um die musikalischen Traditionen der um die Wende des 20. Jahrhunderts in die USA eingewanderten Juden Osteuropas.

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Als in den 1970er und 80er Jahren junge US-Amerikaner das Erbe ihrer Väter und Großväter wiederentdecken, entstehen zahlreiche neue Klezmer-Bands. Die Klezmatics beschreiten einen Weg zwischen Tradition und zeitgemäßer, kosmopolitischer Modernisierung. Yiddish Soul nennen sie ihre moderne Klezmer-Konzeption mit ihren klugen, sozial engagierten Texten, die sie in den vergangenen Jahrzehnten auf zahllosen Konzerten auch in Deutschland präsentiert haben. Eine Mischung aus Urwüchsigkeit und Scharfsinn. Noch dazu oft tanzbar und auch weit über die Jewish Community hinaus angesagt. Das international erfolgreiche New Yorker Sextett – hier erweitert um Gospel- und Jazzsolisten – steht seit seiner Gründung vor 40 Jahren für das Aufbegehren gegen die vermeintliche Unumstößlichkeit einmal getroffener Leitsätze, verordneter Wahrheiten und weltanschaulicher Dogmen. Nach wie vor als Leitlinie absolut aktuell und in unseren von Ängsten und Desinformation geprägten Zeiten umso wichtiger.

Peter Rixen

CD, Asphalt Tango / Indigo