Ausgabe 05/2026
Die Vielseitige

"Erst habe ich eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau in einem privaten Theater absolviert und dann ein Architekturstudium in Stuttgart aufgenommen. Ein Grund für diese Studienfachwahl lag schon in meiner Kindheit: Ich bin in Ulm inmitten des Stadtzentrums aufgewachsen. Dort haben mich neben dem gotischen Münster auch moderne Bauten wie das Stadthaus, die Kunsthalle sowie die Bibliothek stark beeindruckt und meine Studienfachwahl zunächst für das Fach Stadtplanung beeinflusst. In Stuttgart sind Architektur und Stadtplanung in einem Studiengang integriert, sodass ich mich für die dortige Universität entschied. Nach dem Masterabschluss begann ich beruflich in einem Architekturbüro, wo ich mich schwerpunktmäßig mit der Baubetreuung von Kitas und Schulen beschäftigt habe.
Keine Lösungen von der Stange
Vor zweieinhalb Jahren habe ich schließlich bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG als Architektin angefangen. Gemeinsam mit meinem Bereich sind wir für den Erhalt und die Betreuung der Hochbauliegenschaften zuständig – von kleinen Reparaturen bis hin zur Planung kompletter energetischer Sanierungen. Die SSB verfügt über einige denkmalgeschützte Gebäude, für die es keine Lösungen von der Stange gibt. Bei jedem Projekt muss ich mich richtig tief in die Besonderheiten des jeweiligen Hauses einarbeiten.
Ich gehe sehr in meinem Beruf auf, der vielseitig ist und bei dem mir meine kaufmännischen und architektonischen Kenntnisse zugutekommen. Mir gefällt es, für ein Unternehmen zu arbeiten, das die Menschen mit Angeboten des öffentlichen Personennahverkehrs versorgt. Zudem habe ich tolle Vorgesetzte und Kolleg*innen, die mir etwas zutrauen. Das ist gut fürs Selbstvertrauen, denn auf den Baustellen bin ich oft die einzige Frau, die sich des Öfteren einen Spruch von einem der dortigen männlichen Beschäftigten anhören muss.
ver.di-Mitglied bin ich fast seit Beginn meiner Arbeit bei den Stuttgarter Straßenbahnen; ein Kollege hat mich geworben. Mir ist es gerade jetzt vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen wichtig, mich gewerkschaftlich zu engagieren. Das mache ich als stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Meister – Techniker – Ingenieure (MTI) bei ver.di Stuttgart. Meine Kreativität und Freude am Gestalten lebe ich nicht allein in meiner Arbeit aus, sondern auch in der Freizeit. Ich stricke nämlich mit Begeisterung für mich und andere, wobei ich gerne komplizierte Muster wähle und immer wieder neue Techniken erprobe."