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Der Struwwelpeter

Was die klassische Kinderbuchfigur vom Struwwelpeter mit Jan Böhmermann, dem Enfant terrible des ZDF, zu tun hat, sei hier nicht wirklich verraten. Nur so viel: Er hat bei dem Journalisten fürs Komische und Satirische offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und nicht nur bei ihm. Die Ausstellung in der Ludwigga- lerie im Schloss Oberhausen zeigt auf eindringliche Weise, wie die Figuren, die der Psychiater Heinrich Hoffmann seit 1844 gezielt für die Kinder des Biedermeiers erfunden hat, bis heute ihren Weg in Kinderzimmer finden und sich auch beim älteren Publikum größter Beliebtheit erfreuen. So hat sich Luise Bofinger etwa die Geschichte von den schwarzen Buben, die sich über einen Schwarzen lustig machen, zu eigen gemacht und lässt ihren Niklas schwarze Hakenkreuze im Müll entsorgen. Statt "Und hätten sie nicht so gelacht, hätt' Niklas sie nicht schwarz gemacht", heißt es bei ihr "Und hätten sie den Kopf gebraucht, hätt Niklas sie nicht eingetaucht". Die Ausstellung hat das Zeug, Struwwelpeter und Co. auch in den nächsten 150 Jahre nicht zum Schweigen zu bringen. Petra Welzel

Ludwiggalerie, Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen, DI–SO 11–18 UHR, bis 12. Januar 2020

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Fiona Tan

Goraiko heißt in etwa "Ankunft des Lichts" und ist der Titel der Ausstellung im Sprengel Museum, mit der die Künstlerin Fiona Tan derzeit in Hannover zu sehen ist. Zentrum der Ausstellung ist der Fuji, der heilige Berg Japans, dem eine 77-minütige Projektion und 151 Einzelfotos gewidmet sind. Es geht Tan dabei um Lichtspiele und Bewegungen, von Wolken zum Beispiel. Aber auch darum, welche Bedeutung und welchen Raum der heilige Berg in alten und neuen Darstellungen einnimmt. Tans Arbeit kommt – wie für die Künstlerin typisch – nicht ohne eine erfundene Erzählung aus, um damit gleichzeitig auch die Geschichte der Fotografie und des Films aufzurollen. Oder in einer weiteren Arbeit die Geschichte der niederländischen Porträtmalerei des 17. Jahrhunderts und ihre Auswirkungen auf Foto- und Filmporträts. Licht ist das wichtigste Mittel ihrer Arbeiten, sagt Tan. In ihrer Ausstellung geht einem eins auf. Petra Welzel

Sprengel Museum, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, MI–SO 10–18, DI 10-20 Uhr, bis 12. Januar 2020

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Marianne Strobl

Das kleine Verborgene Museum schafft es immer wieder, noch eine bisher mehr oder weniger unbekannte Künstlerin aus künstlerischen Depots oder einem privaten Speicher ans Licht zu holen. Das gilt auch für die Fotografin Marianne Strobl aus Wien. Ihr Werk ist für die Fotografie-Geschichte ein Glücksfall, war sie doch zwischen 1894 und 1917 auf Großbau-stellen und in Industriebetrieben unterwegs und wird deshalb nicht zu Unrecht als "erste Industriefotografin" der sogenannten K.U.K.-Monarchie bezeichnet. Für ihre Auftraggeber stieg sie um 1900 in die Kanalisation, fotografierte mit Blitzlicht und großen Glasplatten auch die geologisch einmaligen Ötscherhöhlen in Niederösterreich. Ihre Spezialisierung ermöglichte es ihr, auf dem extrem umkämpften Wiener Fotografie-Markt konkurrieren zu können, selbstbewusst zeichnete sie ihre Fotografien mit dem roten Schriftzug "M. Strobl". Dass sie 100 Jahre nach ihrem Tod 1917 wiederentdeckt wurde, auch das ist ein Glücksfall.

Petra Welzel

Verborgenes Museum, Schlüterstr. 70, 10625 Berlin, DO/FR 15–19, SA/SO 12–16 Uhr, bis 8. März 2020