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Oliver Berg/dpa

Thema "Dieser Anschlag sitzt tief", ver.di publik 1_2025

Was alle diese Attentate gemeinsam haben, sind Behördenversagen beim Umgang mit psychisch auffälligen Menschen. Zum einen begreifen viele immer noch nicht, dass nur vernetzte und miteinander kommunizierende Behörden, die auch bereit sind zu handeln, Menschen vor solchen tickenden Zeitbomben schützen können. Etwas, was in Deutschland mit suboptimal noch sehr wohlwollend umschrieben wird, sind die Kapazitäten und der Wille zur Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Wie oft wird ein Rettungswagen zu einem psychisch dekompensierten Menschen geschickt? Da wird noch ein Notarzt dazu geschickt oder ein hoher Verwaltungsbeamter beziehungsweise Richter, je nach lokalen Regelungen. Die verbringen Stunden, um mit dem zuständigen Krankenhaus zu verhandeln, sich diesen Menschen anzusehen. Es passiert viel zu oft, dass wir "unseren" Patienten breit grinsend vom Gelände schlendern sehen, weil man nicht bereit war, sich mit einem anderen Krankenhaus in Verbindung zu setzen. Um es auf den Punkt zu bringen, sowohl die Kapazitäten sind unzureichend, aber auch reichen die PsychKG (Psychisch-Kranken-Gesetze) der Länder nur zur Mängelverwaltung. Da kann man sich das Ganze gleich sparen. Ja, auch Menschen mit psychischen Erkrankungen haben Rechte, doch wenn erst nach Attentaten oder dem Aufschlagen der Erkrankten auf dem Boden reagiert wird, gefährdet das die Allgemeinheit. Vergessen darf man auch nicht, dass Menschen, die aus Diktaturen oder Kriegsgebieten zu uns kommen, in der Regel Traumata erlitten haben und somit behandlungspflichtig sind. Die Kapazitäten reichen aber noch nicht einmal für die Einheimischen.

Seit Jahrzehnten ist es bekannt, dass Nichtstun psychische Störungen verstärkt. Bei den Beziehern von Bürgergeld gibt es regelmäßig Diskussionen, ob sie Arbeiten für das Gemeinwohl übernehmen sollen. Warum nicht auch bei Flüchtlingen? Die freuen sich, wenn sie derart beschäftigt werden. Abschließend mit Einheimischen etwas zusammensitzen und den Tag Revue passieren lassen. So sieht ein Betreuer aber auch gleich, wo wen der Schuh drückt. Ach ja, den hat man vielerorts auch eingespart. Wer sich die Zahlen auf der Zunge zergehen lassen, mag: Experten sagen, der Arbeitsmarkt braucht jedes Jahr spontan 400.000 Leute, die volljährig werden oder zu uns kommen.

Die Möglichkeiten, legal nach Deutschland zu kommen, sind genauso mickrig wie unsere Geburtenrate. Mit Glück kommen auf diesem Wege 50.000 bis 80.000. Laut Umfragen aber ist das Verhalten der Behörden Hauptgrund dafür, dass am Ende vielleicht 5.000 hierbleiben. Maßnahmen dagegen sind mir noch nicht zu Ohren gekommen. Auch, wenn nicht jeder Flüchtling für den Arbeitsmarkt die Bereicherung ist, die wir uns erhoffen, so kommen doch jedes Jahr um 200.000 Menschen zu uns, von denen ein großer Teil arbeiten kann und will. Finde den Fehler, kann ich da nur sagen. Thomas Josopait, per E-Mail

Porträt "Aufrecht und ehrlich bis auf die Knochen", ver.di publik 1_25

Als langjähriges ÖTV-Mitglied, jetzt ver.di-Mitglied, habe ich mich sehr über ihre Würdigung von Heinz Kluncker gefreut. Danke. Eine kleine kritische Anmerkung kann ich mir nicht verkneifen: Warum gendern Sie so anarchisch? Günter Wendt, per E-Mail

Thema "Wenn der Postmann elfmal klingelt", ver.di publik 1_2025

Beim Lesen dieses Artikels dachte ich an meine eigne Form der aktuellen Briefzustellung. Damals wurde noch Wert daraufgelegt, dass ein Brief den Empfänger auch wirklich erreicht. Heutzutage wird eine Briefzustellung einfach verweigert, in dem dann auf dem Vermerk "Empfänger nicht zu ermitteln" steht. Dies war eine Rechnung, die später erfolgte Erinnerung wurde dann doch problemlos zugestellt. Wir wohnen seit mehr als 40 Jahren im selben Einfamilienhaus, es gibt nur einen Namen auf der Klingel und auch nur einen Namen auf dem Briefkasten. Robert Mayer, per E-Mail

Reportage "Wo die Rechten Trauer tragen", ver.di publik 1_2025

Ich möchte mich für die tolle Reportage zu der Stadt Münster bedanken. Ich denke, ich werde dieses Jahr mal eine Reise in das weitestgehend AfD-freie Münster unternehmen. Made Höld, per E-Mail

Schön, dass das "etwas verschlafene Münster" durch seine aufrechten Tatortkommissare aus seinem Dornröschenschlaf geholt wurde. Noch besser, dass die AfD bei Wahlen seit Jahren unter der 5-Prozent-Hürde bleibt und damit die niedrigsten Ergebnisse aller deutschen Großstädte erzielt. Die zwei großen Milieus in Münster, das katholisch geprägte Bürgertum und die Menschen mit hohem Bildungsniveau, wählen zumeist die CDU, stärkste Fraktion im Rat, dicht gefolgt von den Grünen. "In Münster finden wir gute, historisch gewachsene Rahmenbedingungen vor. Bürgerschaftliche Verantwortung wird hier noch großgeschrieben", so CDU-Oberbürgermeister Lewe. Ja, es gibt auch ein Münsteraner Viertel, "wo es tatsächlich soziale Probleme gibt". Aber besonders hohe Zufriedenheit mit den Lebensbedingungen vor Ort, überdurchschnittlich hohe Einkommen und geringe Existenzängste, im Glücksatlas zur Lebensqualität deutscher Städte belegt Münster einen Spitzenplatz. Man kann dieser Insel im braunen Sumpf und ihrem erfolgreichen Wirken gegen rechts nur gratulieren. Nachdenklich wird man, wenn man die Realitäten in meiner Heimatstadt Duisburg betrachtet. Die Serien unseres Tatortkommissars Schimanski haben schon damals die Lebenswirklichkeit unserer Industriestadt treffend dargestellt. Seitdem haben sich die Lebensbedingungen der Menschen eher verschlechtert. Die letzten Reste der Stahlindustrie werden abgewickelt, mit allen sozialen Folgen. Die ehemals sozialdemokratische geprägte Region wird Stück für Stück ein Eldorado für die Rechten. Sollte eine Gewerkschaftszeitung nicht auch dieser Stadt und ihren Menschen einen Besuch abstatten und ihre Sorgen veröffentlichen? Thomas Franzen, Duisburg

Spezial Bundestagswahl "Neue Wege für einen guten ÖPNV", ver.di publik 1_2025

Dass der ÖPNV gestärkt werden muss, ist wohl unstrittig. Eine langfristige solide Finanzierung ist da selbstverständlich. Der Ruf nach mehr Schulden ist da nicht weit und auch nicht verwunderlich, verschiebt man so das Problem in die Zukunft. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Wesentlich effektiver wäre eine Umschichtung der Subventionen.

Warum wird der Auto-Kilometer mit 11 Cent, der ÖPNV-Kilometer nur mit 3 Cent subventioniert? Hier umzuschichten, hat nebenbei den Vorteil, das Auto gegenüber dem ÖPNV zu verteuern, was sicher mehr Menschen zum Umsteigen motiviert, ohne dass das Angebot sich ändert. Und für entsprechende Erweiterungen wäre das Geld dann da. Aber das wäre natürlich unbequem, da man sich mit den Autofahrern anlegen müsste. Da sind neue Schulden doch wesentlich bequemer. Frank Klee, Münster

Kolumne Update Ukraine, ver.di publik 1_2025

Das von Trump und Putin angestrebte Übereinkommen zur Ukraine erinnert mich sehr an das Münchener Abkommen. Zu beachten ist, dass Chamberlains Vorstellung "Peace For Our Time" nicht lange hielt, Der Appetit Hitlers und Stalins war gestärkt.

Klaus Krause, per E-Mail

Zum Leserbrief "Trumponomics 2.0" von Ludger Baack, ver.di publik 1_25

Solche Typen wie Elon Musk und seine nicht so öffentlich präsente Baggage sind die modernen Faschisten. Das Prinzip der Faschisten wird nirgendwo wie in den USA sichtbar. Man schiebt ein paar Idioten wie Adolf Hitler oder Donald Trump vor und macht dann im Hintergrund Drecksauereien gegen die ärmere arbeitende Bevölkerung einschließlich Zwangsarbeit, und wenn es für die Faschisten richtig gut läuft, auch noch Euthanasie gegen die ärmsten, bedauerlichsten und hilfebedürftigsten Menschen.

Roland Zeller, Pforzheim

Reisewerbung, ver.di publik 1_2025

Als ver.di-Mitglied seit 45 Jahren bin ich sehr enttäuscht über die massive ver.di-Werbung für Urlaube in der Erdogan-Türkei. Hat ver.di vergessen oder verdrängt, dass unter Erdogans Regime auch viele Gewerkschaftskolleginnen und Kollegen in türkische Gefängnisse gesperrt und Journalisten und andere mit Ausreiseverboten drangsaliert werden. Zurecht will die EU die Türkei in ihrem jetzigen Zustand nicht in ihren Reihen haben. Warum sollen ver.di-Kolleginnen und Kollegen, an all die ging diese Türkei-Werbung, dorthin fahren nur weil es billiger ist als z. B. Griechenland?

Peter H. Niederelz