Ausgabe 01/2026
25 Jahre ver.di – 25 Jahre ver.di publik
Seit einem Vierteljahrhundert blättern sich die ver.di-Mitglieder mit der publik durch die Arbeitswelt. Mal wütend, mal hoffnungsvoll, oft unbequem – immer nah dran an denen, um die es geht: die Beschäftigten.
ver.di publik hat über Ungerechtigkeiten und Skandale berichtet, als Banken gerettet und Menschen entlassen wurden. Sie hat hingeschaut, als Pflege kaputtgespart, Krankenhäuser privatisiert und öffentliche Daseinsvorsorge zur Kostenfrage erklärt wurde. Sie hat die großen Brüche begleitet: die Finanzkrise, Hartz IV, die Auseinandersetzungen um Mindestlohn und Rente, den Dauerstreit um Arbeitszeit, die Digitalisierung der Arbeit, die Plattformökonomie, Corona – und die Frage, wer am Ende die Rechnung zahlt.
Der Kampf für den gesetzlichen Mindestlohn zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Jahre. Lange bevor er beschlossen wurde, hat ver.di publik klargestellt, warum "Lohn nach Gutsherrenart" kein Naturgesetz ist. Hat die Geschichten erzählt von Menschen, die Vollzeit arbeiteten und trotzdem arm blieben. Hat die Mythen zerlegt, wonach faire Löhne Jobs kosten würden. Ohne die jahrelange gewerkschaftliche Kampagne – sichtbar, argumentativ, hartnäckig – gäbe es den Mindestlohn heute so nicht.
Es ging deshalb nie nur um Tarifrunden und Streiks. ver.di publik hat immer auch den größeren Zusammenhang gesucht: Was macht das mit der Gesellschaft? Mit der Demokratie? Mit der Solidarität? Sie hat ver.di-Kampagnen für gute Arbeit, für starke öffentliche Dienste, für Kultur als Teil der Daseinsvorsorge, gegen Rechts, gegen Ausgrenzung, gegen das Wegkürzen sozialer Sicherheit vorangetrieben. Sie hat Stimmen hörbar gemacht, die sonst selten Platz bekommen – aus Betrieben, Verwaltungen, Krankenhäusern, Callcentern, Theatern – kurzum von Menschen in den Dienstleistungsbranchen.
Und sie hat sich eingemischt: in Debatten über Vermögensverteilung, über Pflege und Care-Arbeit, über Migration, Klimawandel und soziale Gerechtigkeit. Mal mit langen Reportagen, mal mit klaren Kommentaren, mal mit Humor, mal mit Zorn. Immer mit Haltung.
Fünf alte Ausgaben, die hier zu sehen sind (auf publik.verdi.de einige mehr), können das nur andeuten. Aber sie stehen für das, was ver.di publik seit 25 Jahren ist: ein unbequemes Gedächtnis der Arbeitswelt, ein Ort für Widerspruch, Haltung und Solidarität.
Oder anders gesagt: ver.di publik beschreibt nicht nur, wie sich Arbeit verändert. Sie sorgt mit dafür, dass sie sich verändert – zum Besseren. Und damit ist sie noch lange nicht fertig.
Von Petra Welzel




