BUCH_WELCHES_zuHause
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Nous – Konfrontative Literatur (Hg.): Welches Zuhause

Schon das Vorwort setzt den Ton: Wohnverhältnisse seien "Ausdruck sozialer Gewalt". Ein Gedanke, so radikal wie alt, zugleich aktuell wie lange nicht mehr. Die Sehnsucht nach einem Heim, aus dem einen niemand vertreiben kann, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Nur ist Wohnen leider kein Grundrecht. Von den Konsequenzen zeugen die zehn Erzählungen der literarischen Anthologie Welches Zuhause. Es sind die richtigen Geschichten zur rechten Zeit. Eigentlich müssten alle Autorinnen und Autoren des Bandes erwähnt werden, so vielschichtig sind die Beiträge. Da wäre Mesut Bayraktar, der die Corona-Lockdowns in den Blick nimmt aus der Perspektive von Menschen, die in einem Wohnblock eingesperrt waren. Er beschreibt famos, wie Wut und Ohnmacht einander bedingen können. Svenja Hauerstein wiederum schreibt eher leise über Leerstand und Verdrängung, bleibt nah bei den Protagonisten und schafft es durch pure Poesie, den Zorn auf die Verhältnisse zu steigern. Oder Olivier David, der zwischen seine Zeilen seinen Zorn gepackt hat auf die Wohnungslosigkeit. In diesem Buch ist jeder Text ein Schlag mit dem Hammer, der dieser harten Mauer kapitalistischer Mythen kleine Risse zufügen kann. Christian Baron

Edition Assemblage, 112 S., 14 €

BUCH_Patti_Smith_Bread_of_Angels
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Patti Smith: Bread of Angels

"Ich hatte mir nie vorgestellt lange zu leben. Ich hatte immer nur gehofft, mir bliebe Zeit genug, etwas Verdienstvolles zu tun und einen Gefährten zu finden, den ich lieben und mit dem ich arbeiten konnte." Die Rockn'n'Roll- & Punk-Legende blickt in ihrem neuen Memoir zurück, noch umfassender als in ihrem früheren autobiografischen Werk Just Kids. Als Mädchen ist Patti eine Streunerin mit großem Unabhängigkeitsdrang, die mit ihrer Familie zwölfmal umzieht. Doch eigentlich will sie kein Mädchen sein, auch kein Junge, sondern nur sie selbst, etwas Eigenes, und sie entzieht sich hartnäckig jeder Formung. Als Teenager entdeckt Patti schließlich Literatur, Kunst und Musik, und das ist ihre Rettung. Der Rest ist bekannt: Sie schreibt Gedichte und Songs, zieht ins Chelsea Hotel, trägt Vintage-Kleider und Kampfstiefel. Ihrer Karriere widmet Smith im Buch allerdings nicht den größten Raum, sondern ihrem Privat- und Innenleben, vor allem den 14 Jahren mit ihrem Mann Frank, mit dem sie einmal mitten auf einem Highway tanzte. Die Autobiografie endet mit poetischen und philosophischen Worten – ein literarisches Vermächtnis, das beeindruckt und berührt.

Günter Keil

Kiepenheuer & Witsch, Ü: Brigitte Jakobeit. 320 S., 26 €