Die Corona-bedingte Kontaktsperre im März 2020 erschwerte so manche altbewährten Kommunikationsstrukturen, persönliche Treffen waren kaum noch möglich. Im Sicherheitsgewerbe wurde bei ver.di NRW die Betriebsarbeit damals auf Social Media umgestellt.

ver.di-Sekretär Özay Tarim, Bezirk Düssel-Rhein-Wupper, konnte 2020 auf erfolgreiche Tarifrunden zurückblicken, in denen die Mitgliederzahlen stiegen und bis heute kontinuierlich weiterwachsen. Rund 4.000 Beschäftigte betreut er inzwischen an den Flughäfen Köln-Bonn, Düsseldorf, Dortmund, Paderborn und Weeze. Für die Kommunikation mit Belegschaften und Betriebsräten fuhr er seit Jahren regelmäßig mit dem Auto durch das Bundesland, legte Flugblätter in Pausenräumen aus, heftete sie an Schwarze Bretter. Branchentypisch erschwerten aber Tag- und Nachtschichten die Kommunikation. Zudem sind die Arbeitgeber an den Flughäfen häufig private Sicherheitsfirmen, unter anderem im Auftrag der Bundespolizei, mit meist befristet angestellten Teilzeitkräften, die schwerer einen Zugang zu ver.di finden.

Schnell und direkt

350 Telefonnummern von Beschäftigten und Betriebsräten hatte Özay Tarim im März 2020 bereits in seinem Handy gespeichert, mit denen er in Kontakt war. Er kontaktierte sie neu über WhatsApp. Außerdem ging er im Juli 2020 mit der Webseite luftsicherheit-nrw.de an den Start. "Mit Whatsapp kann ich meine Kontakte zu allen Tages- und Nachtzeiten mit Kurznachrichten erreichen – vertiefte Infos gibt es auf der Webseite," erläutert er sein Konzept.

So konnte er die Verbindung in die Betriebe nicht nur erhalten, sondern auch effizienter gestalten und ausbauen. Keine stundenlangen Autofahrten und keine Verteilaktionen mehr, stattdessen schnellere Kommunikation mit weniger Aufwand. Özay Tarim: "Uns war wichtig, Kontakt zu den Belegschaften auch in der Zeit zwischen den Tarifrunden zu halten. Seit 2022 hatten wir in jedem Jahr Arbeitskämpfe in Form von Demos, Mahnwachen und Streiks. Mit engagierten Kolleginnen und Kollegen vor Ort haben wir unsere Kampfkraft permanent gesteigert." Die Stundengrundlöhne der Beschäftigten stiegen zum 1. April 2026 auf 25 Euro. 2013 hatten sie noch bei 12,36 Euro gelegen. Die Beschäftigten wurden bei den Arbeitskämpfen stets online auf dem Laufenden gehalten und bekamen die Erfolge direkt mitgeteilt. Das hat die Bindung zu ver.di gestärkt.

Mittlerweile zählt Özay Tarim 1.100 WhatsApp-Kontakte und kann Mitglieder und Aktive in ganz NRW auf Knopfdruck und, wie er sagt, "in der Hosentasche" erreichen. YouTube, Instagram und TikTok sind schrittweise hinzugekommen. Je nach Brisanz erzielen die Kurzvideos bis zu 20.000 Aufrufe. Heute sind die großen Entfernungen zu den Beschäftigten an den Flughäfen kein Hindernis mehr. Seit Juli 2020 wurde die Webseite luftsicherheit-nrw.de 950.000 mal aufgerufen. Özay Tarim: "Die Million ist bald erreicht – das ist ein toller Erfolg!"

Bruno Neurath-Wilson