Ausgabe 03/2026
Briefe an die Redaktion

Titel "Was unser Land zusammenhält", ver.di publik 2_2026
In Deutschland gibt es 94 Krankenkassen und 104 Pflegekassen, die in allen 16 Bundesländern vertreten sind. Dazu kommen noch die regionalen Kranken- und Pflegekassen. Es gibt mehrere gute Wege, unsere Sozialkassen so zu entlasten, dass die Beiträge für die Versicherungsnehmer (VN) unverändert bei gleichen Leistungen bleiben können. Der erste Weg ist: Jede dieser Kassen hat einen riesengroßen Verwaltungsapparat, der mehr als die Hälfte der Beiträge auffrisst. Allein der Vorsitzende des Vorstands verdient mehr als der Bundeskanzler. Der zweite Weg ist: Die Beiträge der VN sind in erster Linie für die Versicherten da und nicht für die Verwaltung. Hier muss angesetzt werden: Kostenbegrenzung bei der Verwaltung: Maximal 25 Prozent des Beitragsaufkommens. Der dritte Weg ist: Kranken- und Pflegekassen verschlanken und neu organisieren wie die Deutsche Rentenversicherung. Für die Verwaltung. Der vierte Weg ist: Die weit mehr als eine Millionen Leistungsempfänger, die nie einen Euro in die Sozialkassen eingezahlt haben, haben Anspruch auf Leistungen, wenn sie denn bedürftig sind. Diese müssen aber aus der Bundeskasse gezahlt werden. Hier gilt der Grundsatz: Einen Leistungsanspruch aus Versicherungskassen haben nur die Beitragszahler. Die Zuschüsse des Bundes decken noch nicht einmal zu 25 Prozent die Kosten, die die "Fremdleistungsempfänger" verursachen. Entweder übernimmt der Bund die Kosten oder er erstattet die Kosten, die die Nichtbeitragszahler verursachen.
Wolf von Elbwart, Haltern am See
Thema "Es hagelt nur Absagen", ver.di publik 2_2026
Den Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen – und mich darin sofort wiedergefunden. Ich bin Jahrgang 1965 und musste nach einem Unfall 2019 meinen Beruf als Verkäuferin und Schauwerbegestalterin aufgeben. In der Reha wurde mir zu einem Neuanfang geraten. Dafür war ich sogar bereit, meine Familie zeitweise zu verlassen, und absolvierte in Leipzig eine Ausbildung zur Mediengestalterin Print (IHK) sowie eine zusätzliche Weiterbildung im Bereich IT und Online-Marketing.
Trotz rund 400 Bewerbungen deutschlandweit und einiger Vorstellungsgespräche erhielt ich fast ausschließlich Absagen.
Besonders verletzend waren Aussagen wie: "Wir suchen junge Leute." Auch eine spätere Anstellung endete mit der Begründung, ich sei "zu langsam" und nicht mit Computern aufgewachsen. Heute arbeite ich in Teilzeit am Empfang und pflege zusätzlich meine an Demenz erkrankten Eltern. Vor diesem Hintergrund empfinde ich Aussagen aus der Politik, wonach Teilzeitbeschäftigte pauschal als "faul" dargestellt werden, als zutiefst verletzend.
Wer Angehörige zu Hause pflegt und damit auch das Pflegesystem entlastet, leistet einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft
– und darf nicht herabgewürdigt werden. Vom viel zitierten Fachkräftemangel spüre ich nichts. Mein Eindruck ist vielmehr, dass ältere Arbeitnehmerinnen trotz großer Anstrengungen und Qualifikation oft nicht gewollt sind – selbst dann nicht, wenn sie gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Susanne Kraft, per E-Mail
Kommentar "Ja, aber", ver.di publik 2_2026
Endlich mal ein guter Kommentar: sachlich vorgetragen und vor allem ohne die sonst übliche große Klassenkampf-Rhetorik. Danke. Ulrich Hucke, per E-Mail
Die öffentliche Debatte über das Sondervermögen wird derzeit von den Berechnungen weniger wirtschaftsnaher Institute dominiert. Deren zentrale These ist bekannt: Bis zu 95 Prozent der Mittel seien zweckentfremdet. Wenn diese Berechnungen kritisiert werden, muss mehr geliefert werden als methodische Einwände. Es wäre zu erwarten, dass ein gewerkschaftsnahes Institut eigene, nachvollziehbare Berechnungen vorlegt und damit eine belastbare Gegenposition schafft. Solange das ausbleibt, bleibt die Faktenlage für uns und die Öffentlichkeit schwer einzuordnen. Die Debatte verengt sich auf eine dominierende Deutung – nicht auf einen transparenten Vergleich unterschiedlicher Analysen. Aufklärung entsteht durch konkurrierende, überprüfbare Berechnungen. Es wäre schön, wenn das nachgeholt werden würde. Rüdiger Weigel, Minden
Thema International "Kitapersonal auf den Barrikaden", ver.di publik 2_2026
Sehr gerne lese ich die ver.di publik und speziell auch Artikel aus anderen Ländern. In diesem Falle Schweden zum Thema Kinderbetreuung. Ein bisschen haben meine Kollegin und ich schon geschmunzelt bei der Zeile, dass eine Pädagogin nun teilweise 5–6 Kinder unter 3 Jahren betreuen muss. Das machen wir Kindertagespflegepersonen immer. Ich spreche jetzt mal für Köln. Eine Kindertagespflegeperson betreut 5 Kinder zwischen 1–3 Jahren. Natürlich wissen alle, dass ein Betreuungsschlüssel von 3 Kindern ideal wäre. Früher hat man gesagt, ein Dorf für ein Kind – das hat sich gewandelt. Spannend wäre es allerdings auch, wenn wie in Schweden die Eltern nur während der Arbeit die Kinder betreuen lassen dürften. Also nicht, wenn sie einkaufen oder zum Sport wollen. Oder vielleicht auch nur eine 4 Tage Woche für die Kinder? Trotzdem habe ich den schönsten Job der Welt. Nicole Dohr, per E-Mail
Thema "Ein moralischer Abgrund", ver.di publik 2_2026
Der Kapitalismus setzt sich keine Fratze auf, sondern er zeigt sich als das, was er ist.
Peter Nowacki, per E-Mail
Reportage "Aus der Schule gegen rechts", ver.di publik 2_2026
Vielen Dank für die lesenswerte Reportage und Hochachtung vor den Azubis, die sich der Schulleitung zum Trotz politisch engagieren. Ich fahre selbst auch zur See und wundere mich doch immer wieder, dass Kolleg*innen mit rechten Weltbildern unterwegs sind. Dabei bereisen wir doch die ganze Welt und lernen zu verstehen, dass die Grenze nicht zwischen Schwarz und Weiß, sondern zwischen Kapital (Reeder) und Arbeiter*in verläuft. In diesem Sinne, weiterhin gutes Gelingen nach Travemünde! Arne Hansen, per E-Mail
Leute allein wegen ihrer Staatsangehörigkeit anders bzw. schlechter zu bezahlen als Deutsche, ist Rassismus. Gun Wille, per E-Mail
Zum Leserbrief von Gerhard Lechleitner, ver.di publik 2_2026
Ca. 50 Prozent aller Arbeitnehmer arbeiten in Betrieben, die keine betriebliche Altersversorgung anbieten. Und wie sollen gerade Niedrigverdiener – die trotz zuletzt wiederholt erhöhtem gesetzlichen Mindestlohn noch immer bundesweit ca. 20 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer ausmachen – angesichts der in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Wohnungsmieten, Lebensmittel- und Energiepreise auch noch privat für's Alter vorsorgen? Kollege Lechleitner verweist in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit "aufstockender" Altersgrundsicherung gemäß SGB XII – obwohl der Gang zum Sozialamt für viele nach wie vor mit Scham behaftet ist und die Voraussetzungen für die "Grundrente" und den damit einhergehenden Freibetrag auf die Altersgrundsicherung derart hoch sind, dass viele Kleinrentner sie nicht erfüllen, wodurch ihre gesetzliche Rente dann zu 100 Prozent auf die "aufstockende" Altersgrundsicherung angerechnet wird. Sodass sie dann finanziell unterm Strich insgesamt genauso dastehen wie jemand, der nie auch nur einen Handschlag sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat. Was ist daran (leistungs-)gerecht? M. Elgin Fischbach, Leimen