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Mauricio Bustamante

"In Hamburgs Unterwelt kenne ich mich gut aus – denn mein Metier ist unser Grundwasser. Seit 35 Jahren arbeite ich in der Abteilung Wasserwirtschaft der Hamburger Umweltbehörde und sorge mit dafür, dass dieses lebensnotwendige Gut geschützt wird. Dafür muss ich alles im Blick haben, was in die Tiefe gebaut und wo Grundwasser angezapft werden soll. Ich überwache die 1.800 Brunnen im gesamten Stadtgebiet, die Wohngebiete, Industriebetriebe und Sportplätze mit Wasser versorgen. Auch immer mehr Privatpersonen nutzen Grundwasser für ihre Gärten. Als Umweltschutztechniker prüfe ich bei neuen Anträgen die technischen Voraussetzungen und die Beschaffenheit des Bodens. Direkt zuständig bin ich für unsere 90 Hamburger Notbrunnen, an denen die Menschen Trinkwasser holen könnten, falls die Wasserwerke ausfallen sollten. Sie galten lange als ein Relikt aus dem Kalten Krieg, sind heute aber wegen der veränderten politischen Weltlage wieder sehr wichtig. Ich prüfe regelmäßig, ob sie funktionsfähig sind. Dabei kann ich sogar meine handwerklichen Fähigkeiten einsetzen.

Ursprünglich habe ich Maschinenbau bei einem Hamburger Mühlenbauer gelernt und war danach acht Jahre lang auf Montage unterwegs – in ganz Europa. Mit Ende 20 wollte ich eine Familie gründen. Also schrieb ich mich für Umweltschutztechnik ein. Das Studium war sehr vielseitig: Wir beschäftigten uns mit Kläranlagen, Abfallentsorgung und Lärmschutz, aber auch mit Verwaltung und Recht. Dieses Wissen konnte ich später in der Umweltbehörde gut gebrauchen – zuerst in der Altlastenerkundung, danach in der Grundwassersanierung und später in der Wasserwirtschaft.

Ausgequetscht wie ein Schwamm

Ende des Monats gehe ich in Rente. Wenn ich zurückblicke, hat sich die Arbeit sehr verändert. Unser Grundwasser wird heute viel intensiver genutzt – und wie ein Schwamm immer weiter ausgequetscht. Durch den Bauboom der letzten Jahre erleben wir eine wahre Antragsflut. Für komplett neue Stadtteile wie die Hafen City, für Büro- und Geschäftshäuser und neue U-Bahn-Linien muss das Grundwasser abgepumpt werden, damit trocken gebaut werden kann. Ich prüfe dann, welche Auswirkungen das auf Statik und Bausubstanz der Nachbargebäude haben kann. Etwa jeden dritten Arbeitstag bin ich draußen unterwegs, kontrolliere Anlagen und achte darauf, dass alle Vorgaben eingehalten werden. Geregelte Acht-Stunden-Tage gibt es dabei nicht: Wenn bei Bauarbeiten oder auf Straßen plötzlich Wasser austritt, werden wir auch kurzfristig gerufen. Wir arbeiten an der Belastungsgrenze und bräuchten dringend mehr Personal. Stattdessen wird weiter gespart. Auch deshalb engagiere ich mich bei ver.di, seit mittlerweile 40 Jahren. Wir sind in der Umweltbehörde gut organisiert und beteiligen uns an allen Aktionen. Trotz des Drucks hat mir meine Arbeit und die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen immer viel Spaß gebracht."

Protokoll: Michaela Ludwig; Foto: Mauricio Bustamante