Wer im Job unter Zeitdruck steht und immer mehr schaffen soll, muss am Ende des Tages oft Abstriche bei der Arbeitsqualität machen. Das empfinden sehr viele Beschäftigte als belastend, belegt die Sonderauswertung einer repräsentativen Befragung unter Dienstleistungsbeschäftigten nach dem DGB-Index Gute Arbeit aus dem vergangenen Jahr.

Insgesamt 4.893 Beschäftigte sind in der Sonderauswertung berücksichtigt worden. Deutlich ist der Zusammenhang zwischen schlechten Arbeitsbedingungen und abnehmender Qualität der Dienstleistung. "Je größer die Hetze, je geringer die Möglichkeit, Pausen zu machen und je weniger der Arbeitsschutz beachtet wird, desto geringer ist die Qualität", sagt Anke Thorein vom ver.di-Bereich Innovation und Gute Arbeit. "Je mehr Abstriche Beschäftigte an die eigenen Ansprüche machen müssen, umso häufiger haben sie Streit mit der Kundschaft beziehungsweise Patient*innen." Gleichzeitig gilt, dass sich gute Arbeitsbedingungen positiv auf die Qualität der erbrachten Dienstleistung auswirken. Die Ergebnisse der Sonderauswertung hat ver.di in der Broschüre "Gute Arbeit, Dienstleistungsqualität, Gemeinwohl" veröffentlicht.

Als schlecht für die Arbeitsqualität erweisen sich zudem häufige Unterbrechungen etwa durch technische Störungen sowie eine unzureichende Planung durch die Vorgesetzten. Qualitätsmindernd wirkt es sich ebenfalls aus, wenn Beschäftigte wenig oder keinen Einfluss auf die Arbeitszeit, -menge und -gestaltung nehmen können. Besonders häufig müssen laut der Befragung Beschäftigte aus den Branchen Erziehung und Unterricht, Gesundheitswesen sowie öffentliche Verwaltung Abstriche bei der Qualität ihrer Arbeit machen, um das vorgegebene Pensum zu schaffen. Das habe gesamtgesellschaftliche Auswirkungen, befindet Christoph Schmitz aus dem ver.di-Bundesvorstand: "Durch schlechte Arbeitsbedingungen werden also keineswegs nur Beschäftigte geschädigt – auch Kund*innen, Patient*innen, die Allgemeinheit geraten in Mitleidenschaft", schreibt er im Vorwort der Broschüre. Die allermeisten Beschäftigten wollten schließlich qualitativ hochwertige Arbeit leisten. "Gute Arbeit ist also kein Partikularanliegen, Gute Arbeit ist systemrelevant – oder das System taugt nichts."

Wie eng die Prinzipien Guter Arbeit zusätzlich mit den Prinzipien des Umweltschutzes zusammenhängen, ist im Interview der Broschüre mit der Greenpeace-Betriebsratsvorsitzenden Conny Böttger zu lesen. Daraus geht hervor: Prävention ist in Arbeitswelt und Umweltschutz grundlegend. Bei Greenpeace hat der Betriebsrat nach harten Verhandlungen mit der Geschäftsleitung das Recht auf Homeoffice erstritten. "Wer will, kann 50 Prozent der Arbeitszeit in mobiler Arbeit absolvieren." Das Credo der Betriebsratsvorsitzenden: "Den Umweltschutz als Erfordernis des Humanismus verstehen, die Humanisierung der Arbeit als ein ökologisches Prinzip." Gudrun Giese

Broschüre "Gute Arbeit, Dienstleistungsqualität, Gemeinwohl":

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