Ausgabe 02/2025
Einigung in der vierten Runde
Gerade zwei Tage war es her, dass ver.di und die Deutsche Post AG ein Tarifergebnis für die für die rund 170.000 Tarifbeschäftigten, Auszubildenden und dual Studierenden erzielt haben, da kündigte die Post an, in Deutschland bis zum Jahresende 8.000 Stellen abbauen zu wollen. Zwar "sozialverträglich über natürliche Fluktuation", wie Konzernchef Tobias Mayer betonte, aber es bleibt ein herber Schlag für die Beschäftigten, es wirkt wie ein Nachtreten.
Es geht um das Brief- und Paketgeschäft in Deutschland, in dem etwa 4 Prozent der Stellen wegfallen sollen. Der Postvorstand begründet die Maßnahme mit dem Verhandlungsergebnis der letzten Tarifrunde. Das sieht ver.di ganz anders und stellt sich vor die Beschäftigten: "Die Aussage des Postvorstandes, der Tarifabschluss sei ein Treiber für den Stellenabbau, weisen wir entschieden zurück", sagt die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis. "Der Tarifabschluss stellt sicher, dass die Einkommen der Arbeitnehmer*innen mit den stark gestiegenen Lebenshaltungskosten Schritt halten. Mit den zusätzlichen Urlaubstagen musste auf die hohen Belastungen und den überproportional hohen Krankenstand reagiert werden."
Unfairer Wettbewerb
ver.di kontert politisch: Die Auswirkungen einer verfehlten Regulierungspolitik und der geringen Portoerhöhung würden sich jetzt auf die Arbeitsbedingungen bei der Deutschen Post AG auswirken. Der beabsichtigte Stellenabbau sei Ergebnis eines durch die Politik geförderten unfairen Wettbewerbs und führe letztlich nur dazu, dass sozialversicherungspflichtige und tarifvertraglich geregelte Arbeitsplätze verloren gehen und prekäre Arbeitsbedingungen gefördert werden.
ver.di erwarte von den Arbeitgebern, dass sie sich in diesem regulierten Bereich für bessere Rahmenbedingungen einsetzen. "Von der Politik erwarten wir, dass die Regelungen des Postgesetzes konsequent und ausnahmslos umgesetzt werden. Dazu gehört auch, dass bei dem Preisunterbietungswettbewerb durch steuerliche Vorteilsgewährung für die Wettbewerber der Deutschen Post AG, die allesamt keinen Universaldienst erbringen, ein Riegel vorgeschoben wird.", so Andrea Kocsis.
Das Verhandlungsergebnis
Im Einzelnen sieht das Verhandlungsergebnis folgende Regelungen vor: Die Entgelte der Tarifbeschäftigten sollen zum 1. April 2025 um 2 Prozent erhöht werden, zum selben Zeitpunkt auch die Vergütungen für Auszubildende und dual Studierende. Zum 1. April 2026 soll eine weitere Erhöhung der Entgelte erfolgen sowie der Vergütungen für Auszubildende und dual Studierende von 3 Prozent. Ab dem 1. Januar 2026 sollen alle Beschäftigten einen zusätzlichen Urlaubstag pro Jahr erhalten; zudem sollen Beschäftigte, die mindestens 16 Jahre im Unternehmen sind, einen weiteren zusätzlichen Urlaubstag pro Jahr erhalten. Für den Tarifvertrag ist eine Laufzeit von 24 Monaten bis zum 31. Dezember 2026 vorgesehen. ml
Über das Tarifergebnis aus der vierten Verhandlungsrunde wurden die Beschäftigten noch bis zum 28. März, nach Druck der ver.di publik, befragt. Am 31. März entschied die Tarifkommission final über den Abschluss der Tarifrunde. Den aktuellen Stand gibt es hier: