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Forst, Straßen, Justiz ... ohne Personal geht überall nichtsFoto: Michael Schick/imago

Während für 15 Bundesländer die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder bereits im Dezember 2025 begonnen haben, beginnen in Hessen die Tarifverhandlungen für die Landesbeschäftigten am 27. Februar 2026. Der alte Tarifvertrag läuft Ende Januar aus.

Die hessischen Gewerkschaften fordern für die Beschäftigten 7 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 300 Euro, für Auszubildende 200 Euro mehr im Monat. Auch die studentischen Beschäftigten sollen in den Tarifvertrag einbezogen werden. Für sie gilt bereits eine schuldrechtliche Vereinbarung, die ihre Bezahlung sichert, doch da möchte ver.di mehr erreichen, auch was die Vergütung betrifft. Zudem sollen Auszubildende nach bestandener Prüfung ohne Notenbezug unbefristet übernommen werden.

Außerdem erwarten die Gewerkschaften unter anderem, dass die Jahressonderzahlung in Hessen auf 100 Prozent des Monatsentgelts erhöht wird. Auszubildende und Praktikant*innen sollen einen Wohnzuschuss in Höhe von 50 Euro erhalten, weil sich Auszubildende das Wohnen in so teuren Gegenden wie Hessen kaum noch leisten können.

Frank Jost ist als Kolonnenführer bei der Straßenmeisterei Hessen Mobil eingestellt und freigestellter Personalratsvorsitzender. Er betont: "Mehr Lohn ist mir wichtig und bei der Jahressonderzahlung 100 Prozent für alle und nicht abgestuft nach Lohngruppen."

"Existenzsichernde und angemessene Entgelte" fordert Sibylle Tollkötter von den Arbeitgebern; sie ist Angestellte in der Justizverwaltung und freigestellte Personalratsvorsitzende im Amtsgericht Frankfurt am Main. "Mir ist wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst ihre Mieten und Einkäufe im teuren Ballungsgebiet zahlen können." Sorge bereitet ihr der Fachkräftemangel. "Die Arbeitsplätze in der Justizverwaltung müssen attraktiver werden, dazu brauchen wir Anreize wie gute Löhne und gute Ausbildungsvergütungen, insbesondere auch im IT-Bereich. Wir brauchen Nachwuchskräfte, um von der hohen Mehrbelastung durch akuten Personalmangel herunterzukommen."

Mathis Heinrich, Referent und jetzt freigestelltes Personalratsmitglied an der Uni Marburg, möchte Verbesserungen für den Nachwuchs, speziell für die studentischen Hilfskräfte und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen an der Uni. "Wichtig ist mir die ver.di-Forderung, dass die studentischen Hilfskräfte in den Tarifvertrag kommen – bei uns an der Uni sind das allein 1.500 Kolleg*innen. Das fordern wir in Hessen seit mehreren Runden und ich habe das Gefühl, dass wir das jetzt erreichen können. Ebenso wichtig ist mir die Erwartung, dass die wissenschaftlichen Stellen endlich entfristet werden. Hier haben wir in der letzten Runde bundesweit einmalig eine feste Zusage erhalten. Bislang aber wird diese nicht erfüllt."

Arbeitsplätze attraktiv machen

Die stellvertretende ver.di-Bundesvorsitzende und Verhandlungsführerin Christine Behle betont: "Die Forderungen sind ambitioniert. Aber gerade in Zeiten wie diesen darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten gespart werden. Noch immer herrscht großer Fachkräftemangel in der öffentlichen Verwaltung und besonders in den Dienststellen der Landesverwaltung. Das höhere Tarifniveau der Kommunen macht den Landesbehörden deutlich zu schaffen. Deshalb müssen Arbeitsplätze beim Land attraktiv gehalten werden."

Verhandelt wird für zirka 53.000 Beschäftigte der Landesverwaltungen, Straßenmeistereien, der Forstwirtschaft, bei Gerichten, im Justizvollzugsdienst und anderen Landeseinrichtungen. Die Beschäftigten sind bereit für ihre Forderungen zu kämpfen.

Frank Jost: "Ich bin bei den Warnstreiks dabei, außerdem bin ich Tarifbotschafter. Das ist wichtig, um Fragen der Mitglieder zu beantworten und Missverständnisse zu klären, die durch arbeitgebernahe Presse entstehen." Mathis Heinrich will sich "total engagieren", wie er betont. Er ist Tarifkommissionsmitglied, wird bei den Streiks dabei sein. Er sagt: "Wir probieren erstmals in enger Zusammenarbeit mit den Tarifbotschafter*innen eine beteiligungsorientierte Rückkopplung an den Berufsschulen aus". Sibylle Tollkötter ist ebenfalls in der ver.di-Tarifkommission Hessen und damit "vorne dran an der Speerspitze". Sie betont: "Wir machen eine sehr gute Jugendarbeit, unsere Jugendlichen im Amtsgericht sind immer vorne dabei bei Warnstreiks, und das gesamte Ausbildungspersonal steht dahinter."

Hessen-Tarifvertrag

ver.di verhandelt gemeinschaftlich mit den Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft GEW, der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt IG BAU, der Gewerkschaft der Polizei GdP und dem dbb Beamtenbund und Tarifunion. Das Tarifergebnis soll zeit- und inhaltsgleich auf die Beamtinnen und Beamten übertragen werden.

Die Gewerkschaften verhandeln den Tarifvertrag des Landes Hessen, kurz TV-H, mit dem Land Hessen seit 2010, da die Arbeitgeber aus der Tarifgemeinschaft der Länder ausgetreten sind. ver.di fordert vom Land Hessen die Rückkehr in die Tarifgemeinschaft der Länder, in den Flächentarifvertrag.

Mittlerweile ist der öffentliche Dienst des Landes Hessen per Tarifvertrag materiell etwas bessergestellt als in den übrigen Bundesländern. Das erschwert die Rückkehr in den Flächentarif in mehrfacher Hinsicht. Die Forderung ist jedoch nicht aufgegeben.