Ausgabe 01/2026
Ein Schnaps reicht nicht

ver.di ist vom Verlauf der Ländertarifverhandlungen bislang enttäuscht. "Ein verbindliches Angebot hat die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) nicht vorgelegt, stattdessen von einem 'Schnaps oberhalb der Inflation 'geredet. Von so einem Verhalten sind die Beschäftigten jedoch zurecht enttäuscht", sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke nach dem Ende der zweiten Verhandlungsrunde Mitte Januar in Potsdam. Nach den Vorstellungen der Arbeitgeber soll es frühestens im Frühjahr 2026 einen ersten Erhöhungsschritt geben. Das bedeutet Nullmonate für die Beschäftigten. Den von ver.di geforderten Mindestbetrag in Höhe von 300 Euro lehnen die Arbeitgeber ganz ab.
Bislang zeichne sich auch in weiteren zentralen Punkten keine Einigung ab. "Die TdL strebt offenbar einen Abschluss an, der niedriger ist als das Ergebnis für Bund und Kommunen", so Werneke. Die TdL hatte zuvor Verbesserung für Nachwuchskräfte angekündigt. Doch das, was sie vorlegt hat, ist nach Aussagen Wernekes allenfalls "ein kleines Päckchen für die Auszubildenden geworden, ohne Verbesserungen bei der Übernahme". Hier soll die bisherige Regelung beibehalten werden. Finanziell sollen die Azubis nach Vorstellungen der Arbeitgeber insgesamt in drei Schritten 120 Euro mehr bekommen. ver.di fordert 200 Euro mindestens.
Enttäuscht zeigte er sich auch, dass die Arbeitgeber weiterhin die Schaffung von Tarifschutz für die rund 300.000 studentisch Beschäftigten kategorisch ablehnen. Die Arbeitgeber argumentieren damit, dass ein solcher Tarifschutz die Wissenschaftsfreiheit gefährde. Für Werneke ist das ein Scheinargument.
"Der Verhandlungsstand ist ungenügend. Die Arbeitgeber haben den Ernst der Lage für viele Beschäftigte nicht erkannt", fasste Werneke den Stand nach der zweiten Verhandlungsrunde zusammen. Am 11. Februar, nach Druck dieser publik, wird weiterverhandelt. Den aktuellen Stand gibt es online: verdi.de
Jetzt folgt Druck
ver.di hat Warnstreiks und Aktionen angekündigt. Die Beschäftigten sind jetzt aufgefordert, den Arbeitgebern zu verstehen zu geben, dass sie es ernst meinen mit ihren Forderungen.
Maximilian Wimmer stand auch schon beim Auftakt der Verhandlungen auf der Straße, um den Arbeitgebern zu zeigen, wie ernst es ihm ist. Als studentischer Beschäftigter und Student an der Universität Passau setzt er sich neben mehr Lohn für alle vor allem für einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte ein. Bei ihm in Bayern gilt, wie in vielen anderen Bundesländern, seit der letzten Tarifrunde die schuldrechtliche Vereinbarung. "Das war zwar eine Verbesserung, ist aber nur eine halbe Sache. Es ist noch kein Tarifvertrag", betont er. Er fordert dazu auf, "dass wir solidarisch miteinander sind und miteinander auf die Straße gehen für unsere Interessen."
Daniela Ortmann ist für den Hauptpersonalrat von Berlin freigestellt und darf als Finanzbeamtin zwar nicht streiken, stellt sich aber in ihrer Freizeit solidarisch dazu. So wie viele andere Beamtinnen und Beamte auch. "Ich kämpfe auch in dieser Tarifrunde für alle Beschäftigtengruppen, letztendlich sind es ja die Tarifbeschäftigten, die ein Ergebnis erstreiken können", betont sie. Sie müssten jetzt "Druck machen".
Insbesondere für eine deutliche Lohnsteigerung für die unteren Lohngruppen geht Florian Lehmann auf die Straße. Er ist Gärtner und freigestelltes Personalratsmitglied im Bezirksamt Steglitz/Zehlendorf und weiß: "Meine Kollegen und Kolleginnen in den Straßen – und Grünflächenämtern, die im manuellen Bereich, also draußen arbeiten, sind die Kollegen, die nicht in den oberen Entgeltgruppen zu finden sind. Und es sind natürlich auch die Berufsgruppen, finde ich, die am meisten von den gestiegenen und steigenden Lebenshaltungskosten betroffen sind." Deshalb hätten sie am meisten Anspruch darauf, mehr Geld zu bekommen. Sein Wunsch: "Dass viele Kollegen tatsächlich mit auf die Straße kommen, weil ich glaube, dass es auch in diesem Jahr um sehr viel für uns alle geht."
Hier geht's zur ver.di-Kampagne: zusammen-geht-mehr.verdi.de