"Ich möchte, dass es besser wird"

Manuela Layer, 47, kandidiert für den Betriebsrat bei Netto

Im Frühjahr wird auch im Bezirk 7 des Discounters Netto der Betriebsrat neu gewählt. Dazu zählt auch die Niederlassung in Guteborn, wo Manuela Layer als Kauffrau im Einzelhandel arbeitet. Sie kandidiert in diesem Jahr erneut für den Betriebsrat. "Ich arbeite seit 18 Jahren hier", sagt sie. "und ich möchte, dass es besser wird."

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Betriebsrätin Manuela Layerprivat

In den vergangenen vier Jahren war das nicht einfach. Zwar hatte die ver.di-Liste die meisten Stimmen bekommen, im Betriebsrat kommen aber drei Listen mit konfliktscheuen Betriebsrät*innen zusammen auf ein Mitglied mehr als die beiden ver.di-Listen. Das bedeutet, dass deren 19 Vertreter*innen regelmäßig überstimmt werden.

Dabei gibt es viele Probleme im Betrieb: Beschäftigte, die gegen ihren Willen versetzt werden sollen, falsche Eingruppierungen, fehlende Sonderzahlungen bei Langzeitkranken, die Liste ist lang. Will der Arbeitgeber Öffnungszeiten verlängern, argumentieren die Gewerkschafter*innen mit der ohnehin schon hohen Belastung der Beschäftigten und fehlendem Personal. Doch die Mehrheit im Betriebsrat stimmt dem Vorhaben letztendlich doch zu.

Im Februar 2024 ist eine Betriebsvereinbarung in Kraft getreten, die eine Fünf-Tage-Woche festschreibt. "Dafür haben wir lange gekämpft", sagt Manuela Layer. Doch die Einsatzpläne, die im Betriebsratsausschuss für Personaleinsatzplanung geprüft werden, sehen oft noch sechs Arbeitstage vor. So geht es nur in kleinen Schritten voran für die etwa 15.000 Beschäftigten in den 900 Filialen der vier Niederlassungen, die zum Bezirk gehören.

Daher wünscht sich Manuela Layer, dass die ver.di-Liste bei den kommenden Wahlen nicht nur die meisten Stimmen bekommt, sondern auch die Mehrheit im Betriebsrat. Und mehr Freistellungen für die ver.di-Liste, denn jetzt muss Manuela Layer jeden Besuch in einer anderen Filiale mit ihren Vorgesetzten absprechen. "Wir können nur etwas ändern, wenn wir die Mehrheit haben", sagt sie.

Allerdings: Die Vorbereitung der Wahl im Frühjahr findet in diesem Netto-Bezirk ohne ver.di statt. Aus dem Wahlvorstand wurden die ver.di-Kolleg*innen bewusst herausgehalten. So können Manuela Layer und ihre ver.di-Mitstreiter*innen nur aus der Ferne beobachten. Das wurmt die 47-Jährige aus gutem Grund: Wegen Ungereimtheiten im Vorfeld der Wahl vor vier Jahren zogen die ver.di-Kolleg*innen vor das Arbeitsgericht. Dazu zählen etwa fehlende Wahlbenachrichtigungen für Langzeitkranke.

In den ersten beiden Instanzen bekamen sie Recht. Doch der Arbeitgeber ging vors Bundesarbeitsgericht. Hier steht eine Entscheidung noch aus. Der Termin Anfang Dezember wurde wegen Krankheit der Arbeitgeber-Anwältin auf unbestimmte Zeit verschoben.

"Ich wollte mich einmischen"

Klaus Bölling, 63, kandidiert für den Betriebsrat der Asklepios Schwalm-Eder-Kliniken GmbH

"Ich habe in den 1990er Jahren, gleich als ich angefangen habe zu arbeiten, kandidiert. Damals hatten wir noch einen Personalrat. Ich bin von einer Kollegin darauf angesprochen worden. Ende 2006 wurden wir privatisiert und kamen dann zu Asklepios, seither bin ich im Betriebsrat aktiv.

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Betriebsrat Klaus Böllingprivat

Ich wollte mich einmischen, nicht nur zur Arbeit gehen. Ich wollte etwas verbessern, denn Probleme gab es in der Pflege schon immer. Dienstplanung, Überlastung, Einspringen aus dem Frei, das sind Themen, mit denen auch heute noch Kolleg*innen zu mir kommen. Ich erkläre ihnen ihre Rechte, dazu gehört auch, dass sie etwa bei Holen aus dem Frei Nein sagen können.

Wir brauchen eine Interessenvertretung, um für den Schutz der Beschäftigten zu sorgen. Da ist es auch gut, eine starke ver.di im Rücken zu haben, zur Vernetzung, für Seminare oder wenn wir mal eine weitergehende Auskunft brauchen. Alleine ist man nichts.

ver.di hat in vielen Krisen geholfen, etwa bei Outsourcing oder als wir von drei Krankenhäusern zwei schließen mussten und der Betriebsrat sich für einen guten Interessenausgleich und Sozialplan eingesetzt hat. Wir haben aber auch eine gute Regelung zur Dienstplanung durchgesetzt, so dass die Beschäftigten mindestens einen Monat im Voraus wissen, wann sie arbeiten müssen. Mittlerweile funktioniert auch die Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber besser. Durch den Fachkräftemangel hat auch er ein Interesse daran, attraktive Arbeitsplätze anzubieten. Aber das war ein langer Weg. Bis heute gibt es bei Asklepios keinen Tarifvertrag, der für alle Kliniken gilt.

Das ist ein Hauptthema für den Konzernbetriebsrat, dessen Vorsitzender ich ebenfalls bin. Zum Asklepios Konzern gehören auch die Rhön Klinikum AG und die MediClin AG. Wir kümmern uns dort um Regelungen, die die Beschäftigten im ganzen Konzern betreffen. Als Konzernbetriebsrat mischen wir uns auch politisch ein. So haben wir ein Thesenpapier zur Krankenhausreform veröffentlich. Betriebsrats- und Konzernbetriebsratsvorsitzender, das ist für mich eins, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Wenn der Wahlkampf bei uns beginnt, müssen wir oft erklären, was ein Betriebsrat macht. Wir haben eine sehr internationale Belegschaft, in ihren Heimatländern hat Gewerkschaft nicht immer einen guten Ruf. Für mich wird es die letzte Amtszeit sein. Zum Glück haben wir auf unserer Liste auch einige engagierte junge Leute, die bereits in unserer Jugend- und Auszubildendenvertretung aktiv sind."

"Ich will frischen Wind reinbringen"

Cansu Cinar, 25, kandidiert erstmals für den Betriebsrat bei der Versicherungskammer Bayern

Ich bin seit fast zwei Jahren Vorsitzende unserer Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV), sowohl für den Gemeinschaftsbetrieb München als auch für den Konzern Versicherungskammer. Jetzt habe ich für diese Gremien die Altersgrenze erreicht und kandidiere für den Betriebsrat auf der Liste "Team Zukunft". Unser Betriebsrat fördert junge Menschen und hat mir einen fairen Platz mit guten Chancen ermöglicht. Ich habe damals für die JAV kandidiert, weil ich die Möglichkeit gesehen habe, dort Dinge zu verändern.

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Betriebsrätin Cansu Cinarprivat

Das habe ich schon immer gemacht, war zum Beispiel früher Klassensprecherin. Meckern und nichts tun, das geht nicht. Nur wer was tut, darf dann auch meckern.

Zu ver.di bin ich erst im September 2024 gekommen. Ich bin bei einer Jahrestagung von der ver.di-Sekretärin Deniz Kuyubasi angesprochen worden, habe dann an einem Aktiventreffen teilgenommen. Mit einer Gewerkschaft kann man mehr bewegen, sich austauschen, vernetzen, bekommt Antworten auf Fragen. Ich war in der letzten Tarifrunde für die Versicherungen Mitglied der Jugend-Tarif- und Verhandlungskommission, da haben wir einiges auf die Beine gestellt. In der Tarifrunde konnten wir auch einiges für die Auszubildenden durchsetzen, etwa in Sachen Gehalt, Übernahme und freien Prüfungsvorbereitungstagen.

Bis heute bedanken sich Azubis bei mir und freuen sich über mehr Gehalt und noch bessere Ausbildungskonditionen. Jetzt bin ich 25, da sollen andere die JAV übernehmen, weitermachen und wachsen. Ich bin keine Auszubildende mehr und daher mittlerweile näher an anderen Themen. Ich will als Betriebsratsmitglied junge Menschen im Unternehmen stärker unterstützen und fördern und frischen Wind reinbringen. Ich habe mir auch vorgenommen, die Gewerkschaft mehr in das Unternehmen zu bringen. Wenn wir harmonisch zusammenarbeiten, können wir gemeinsam viel erreichen."

"Ich gehe immer gerne nach vorne"

Nadine Hamann, 43, kandidiert für den Betriebsrat bei der Deutschen Post AG, Niederlassung Betrieb Kiel

Mit dem gewerkschaftlichen Engagement im Betrieb hat Nadine Hamann früh angefangen. Zwei Monate nach Beginn ihrer Ausbildung zur Fachkraft Brief- und Frachtverkehr in Schwerin ist sie 1999 in die Gewerkschaft eingetreten. 2002, als sie für ihre Aufstiegsausbildung zur Postverkehrskauffrau in die Niederlassung Kiel gewechselt ist, fiel sie durch einen Wortbeitrag bei einer Betriebsversammlung dem damaligen Vorsitzenden der Betriebsgruppe auf. Der überzeugte sie, für die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) zu kandidieren.

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Betriebsrätin Nadine Hamannprivat

Sechs Jahre lang setzte sie sich in der JAV und vier davon auch in der Gesamt-JAV gegenüber dem Arbeitgeber für die Rechte der Azubis und jungen Menschen ein. Entfristung, Übernahme, "wir hatten Erfolge, die sich sehen lassen konnten", erinnert sich Nadine Hamann. Bei den dann folgenden Betriebsratswahlen im Jahr 2010 kandidierte sie für den Betriebsrat, seit 2020 ist sie freigestellt. Außerdem ist sie die Vorsitzende der Betriebsgruppe Betrieb Kiel und seit Oktober 25 auch Mitglied im Gesamtbetriebsrat. "Ich kann mich dabei persönlich immer weiterentwickeln und das ist mir wichtig", sagt sie zu ihrer Motivation.

"Meine Mutter hat schon immer gesagt, Du wirst entweder Betriebsrätin oder Anwältin", erinnert sie sich. Und damit hatte die Mutter recht. "Ich gehe immer gerne nach vorne, statt einen Schritt zurück", sagt Nadine Hamann.

Mit dieser Einstellung hat sie mit dem Betriebsrat schon viel durchsetzen können. Als einen ihrer größten Erfolge nennt sie eine Prämie für Post-Beschäftigte, die in den an Hamburg angrenzenden Gebieten arbeiten. Anfangs bekam die Prämie nur, wer in der Hansestadt arbeitete wegen der hohen Lebenshaltungskosten. Die Folge: Im nördlichen Speckgürtel, der zu Nadine Hamanns Zuständigkeitsgebiet zählte, fehlten die Fachkräfte. Ein Jahr kämpfte sie dafür, dann setzte sie gemeinsam mit dem Niederlassungsleiter durch, dass der Tarifvertrag entsprechend geändert wurde.

Aber auch in Sachen Entlastungszeit, bei der Gehaltserhöhungen in freie Tage umgewandelt werden können, bei langfristigen Dienstplänen oder dem planbaren Feierabend sieht sie mit dem Betriebsrat zu, dass die Kolleg*innen zu ihrem Recht kommen. Denn die Betriebsvereinbarungen, die mit dem Arbeitgeber abgeschlossen wurden, sollen auch im Betrieb gelebt werden.

"Ich bleibe, wie ich bin", sagt Nadine Hamann zu ihrer erneuten Kandidatur. "Die Kolleg*innen können auf mich zählen. So, wie ich bin, bin ich gut." Und das wissen die Kolleg*innen zu schätzen. Denn oft hört sie von ihnen: "Wir sind froh, dass wir dich an unserer Seite haben."

"Ich möchte Verantwortung übernehmen"

Metin Dirim, kandidiert für den Betriebsrat bei Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG

"Seit 2006 bin ich ununterbrochen Mitglied des Betriebsrats der Üstra Hannover – und das aus voller Überzeugung. Schon früh hat sich bei mir gezeigt, dass ich Verantwortung übernehmen und die Interessen und Rechte von Gruppen vertreten möchte. Begonnen hat das in der Schule als Klassen- und später als Schulsprecher. Während meiner Ausbildung war ich zunächst Lehrjahrsprecher und anschließend in der Jugend- und Auszubildendenvertretung aktiv, vier Jahre davon als Vorsitzender. 2006 wechselte ich direkt aus der JAV in den Betriebsrat. Seit 2008 bin ich zudem Mitglied des Aufsichtsrats der Üstra.

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Betriebsrat Metin Dirimprivat

Meine berufliche Laufbahn begann mit einer Ausbildung zum Industriemechaniker. Nach der Ausbildung bin ich in den Fahrdienst Bus gewechselt und war bis 2007 als Omnibusfahrer tätig. Anschließend kehrte ich in die Hauptwerkstatt der Stadtbahn zurück und arbeitete auf einem sogenannten Mischarbeitsplatz – sowohl in der Stadtbahnwerkstatt als auch im Busfahrdienst. In dieser Zeit erwarb ich auch den Stadtbahnschein und verfüge damit über beide Fahrberechtigungen. Von daher kann ich eigentlich fast auf jeder Party tanzen. Seit 2014 bin ich aber als Betriebsrat vollständig freigestellt.

In diesem Jahr werde ich erneut für den Betriebsrat kandidieren. Die kommenden Jahre bringen große Herausforderungen mit sich – etwa durch Digitalisierung, autonomes Fahren oder den demografischen Wandel. Diese Veränderungsprozesse erfordern eine starke, engagierte und kompetente Betriebsratsarbeit. Und ich weiß, dass ich dem gewachsen bin und dafür die nötige Erfahrung und Gestaltungsfähigkeit mitbringe.

Ein Betriebsrat ist das Rückgrat eines jeden Unternehmens. Und ich glaube, eine starke Gemeinschaft funktioniert nur, wenn es Menschen gibt, die sich für sie einsetzen und dafür auch persönliche Opfer bringen – insbesondere Zeit. Man braucht Menschen, die die Interessen von Gemeinschaften vertreten, denn geschenkt bekommen wir gar nichts. Interessenvertretung muss aktiv wahrgenommen werden. Deshalb möchte ich alle Beschäftigten aufrufen und ermutigen, sich an Betriebsratswahlen zu beteiligen, egal in welchem Unternehmen, ihre Stimme abzugeben und von ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch zu machen."

"Ich bin mit meinem Job noch nicht ,fertig'"

Cornelia Bohmholt, 58, kandidiert für den Betriebsrat der Deutschen Telekom Zentrum Querschnitt

"Ich bin im Jahr 2000 zum ersten Mal im Telekom-Konzern in einen Betriebsrat gewählt worden, seit 2004 bin ich freigestellt. Ich kandidiere erneut, denn ich bin mit meinem Job noch nicht "fertig" und bin weiterhin hoch motiviert. Im vergangenen Sommer wurden bei uns die Deutsche Telekom Technik und die Deutsche Telekom Außendienst zusammengelegt.

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Betriebsrätin Cornelia Bomholtprivat

Jetzt steht im März – etwa zur Zeit der Betriebsratswahlen – noch die Zusammenlegung der einzelnen Betriebe sowie die Bildung meines neuen zukünftigen Betriebes an. Das zieht noch eine Menge Aufgaben für die Interessenvertretungen nach sich.

Auch dabei zeigt sich wieder, dass es eine starke Mitbestimmung geben muss, um die Belange der Beschäftigten klar zu formulieren. Ich verstehe meine Aufgabe vor allem als Interessenvertretung der Kolleg*innen. Der Betriebsrat ist die gewählte Stimme der Kolleginnen und Kollegen – unabhängig, verbindlich und nah an den Themen des Arbeitsalltags, egal ob es um individuelle Konflikte, um Fragen zu Tarifverträgen oder betriebliche Veränderungen geht.

Als Betriebsrat bestimmen wir mit bei Arbeitszeiten, Entgeltstrukturen und Gesundheitsschutz, kümmern uns konkret um die Belange der Beschäftigten bei Umstrukturierungen wie jetzt aktuell bei uns. Aber auch Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz stellen uns vor neue Aufgaben. Seit 2022 bin ich auch als stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende der DT Technik und im Konzernbetriebsrat aktiv. Im Mittelpunkt stehen dabei faire Arbeitsbedingungen und sichere Perspektiven für alle. Wir sorgen dafür, dass niemand allein dasteht und dass Rechte nicht nur auf dem Papier existieren, sondern auch durchgesetzt werden.

Eine starke Betriebsratsarbeit ist untrennbar mit einer starken Gewerkschaft verbunden. Deshalb kandidiere ich auf der Liste von ver.di. ver.di steht für Solidarität, Fachkompetenz und Durchsetzungskraft – im Betrieb wie auf politischer

Ebene. Die enge Anbindung an die Gewerkschaft gibt uns Rückhalt, Know-how und die Möglichkeit, betriebliche Themen in einen größeren Zusammenhang von Tarifpolitik und gesellschaftlicher Verantwortung zu stellen.

Die Betriebsratswahl ist gelebte Demokratie im Betrieb. Eine hohe Wahlbeteiligung und eine starke ver.di-Liste stärken unsere Position gegenüber dem Arbeitgeber – und damit die Interessen aller Beschäftigten. Mein Appell lautet daher: Geht wählen und stärkt eine engagierte, solidarische und gewerkschaftlich verankerte Interessenvertretung."