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Zwei von 8.000 Telekom-Beschäftigten in Bayern beim WarnstreikFoto: ver.di Bayern

Die Stimmung unter den Beschäftigten der Deutschen Telekom in Bayern ist kämpferisch. Im Mai legten sie mit Warnstreiks die Arbeit nieder – und setzen damit ein klares Zeichen: "Schweigen ist auch eine Antwort. Und diese Antwort lautet: zu wenig!"

Über hundert Kolleg*innen in Rosenheim und Traunstein streikten Mitte Mai mit einem Demozug für faire Löhne, sichere Arbeitsplätze und Wertschätzung. Doch die Arbeitgeberseite bleibt stumm. Trotz Rekordumsätzen und einer Dividendenerhöhung von 11 Prozent im vergangenen Jahr hat die Telekom in der dritten Verhandlungsrunde kein einziges Angebot vorgelegt. Das ist für die Belegschaft eine Beleidigung.

Die Forderungen

ver.di fordert in der aktuellen Tarifrunde für die rund 60.000 Tarifbeschäftigten der Telekom bundesweit – davon 8.000 in Bayern – konkrete Verbesserungen:

  • 6,6 Prozent Entgelterhöhung bei einer Laufzeit von 12 Monaten
  • 55 Euro Mitgliederbonus pro Monat für Tarifbeschäftigte
  • 120 Euro mehr pro Monat für Auszubildende und dual Studierende sowie einen Mitgliederbonus von 20 Euro
  • Arbeitsplatzsicherheit, besonders im Glasfaserausbau und vor dem Hintergrund von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz

"Unsere Forderungen sind berechtigt, realistisch und notwendig, um den Ausgleich zur Inflationslage herzustellen", betont Herbert Straßberger, ver.di-Vertrauensmann am Telekom-Standort Rosenheim. "Dass der Arbeitgeber bisher nichts vorgelegt hat, ist inakzeptabel."

Beschäftigte sind keine Kostenfaktoren

Die Wut der Beschäftigten ist verständlich. Patrizia Zürcher vom technischen Kundenservice in Traunstein bringt es auf den Punkt: "Die Mieten steigen, alles wird teurer – mit unserem Lohn ist es kaum noch möglich, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Das ist frustrierend, denn wir verdienen nicht schlecht – und trotzdem reicht es nicht mehr aus." Michael Wegner, Baubegleiter in Mühldorf, ergänzt: "Trotz Milliardengewinnen fehlt es an fairer Bezahlung für diejenigen, die diese Erfolge tagtäglich erwirtschaften. Die Inflation frisst unsere Einkommen auf."

Auch Tamara Pohl, Regionalgeschäftsführerin des DGB Oberbayern, zeigt sich kämpferisch: "Ihr schöpft den Wert – und verdient daher ein ordentliches Angebot. Die Telekom hat 11 Prozent mehr Dividende ausgeschüttet, aber null Prozent für euch auf den Tisch gelegt. Das ist eine Frechheit!"

Streiks werden ausgeweitet

Erst am Ende der zweitägigen dritten Verhandlungsrunde nur ein Strukturangebot vorgelegt und nicht akzeptabel. Daher wurden die Warnstreiks mit einem bayernweiten Großstreiktag ausgeweitet. Die Beschäftigten sind entschlossen: "Wir geben nicht nach und bauen die Streikbereitschaft weiter aus." Robert Metzger, Bezirksgeschäftsführer von ver.di, warnt: "Wenn die Telekom meint, sie könnte diese Tarifrunde in einen Erzwingungsstreik treiben, dann soll sie es tun – dann wird sie uns kennenlernen. Dann bleiben die Kabel kalt."

Es geht um Respekt

ver.di kritisiert, dass das Telekom-Management bereit ist, hohe Dividenden an Aktionäre auszuschütten, gleichzeitig aber kein Entgegenkommen gegenüber den Beschäftigten zeigt. "Es geht um Respekt", sagt Richard Lexmaul von der Telekom Technik. "Drei Verhandlungsrunden lang kein Angebot – das ist kein Verhandeln, das ist Ignoranz."