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Ursprünglich komme ich aus Lübz in Mecklenburg. In der Nähe, in Parchim, habe ich Reiseverkehrskaufmann gelernt. Da Arbeitsplätze bei uns im Norden knapp waren und sind, bin ich vor 22 Jahren nach Düsseldorf gezogen. Zuvor war ich bei der Bundeswehr; dann habe ich eine Ausbildung im Bereich der Luftsicherheitsassistenz gemacht und mich bei der damals dafür zuständigen Privatfirma Kötter Aviation Security, dem Vorgänger der heutigen Luftsicherheitsfirma Deutscher Schutz- und Wachdienst (DSW), am Flughafen Düsseldorf erfolgreich beworben. Als Sicherheitsfachkraft habe ich die Passagiere und Koffer auf Waffen und gefährliche Gegenstände kontrolliert. Sehr schnell habe ich festgestellt, dass die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung miserabel waren. Ich bin allerdings von zu Hause aus so geprägt, Missstände nicht hinzunehmen. Mein Großvater war aktiv in den Internationalen Brigaden im Kampf gegen den spanischen Faschismus, mein Vater war Betriebsrat. Ich nutzte die Gelegenheit, nachdem meine Stelle 2006 entfristet war, einen Betriebsrat zu gründen. Seitdem bin ich Vorsitzender des Gremiums.

Von 9,36 Euro auf heute 25 Euro Stundenlohn

Gemeinsam mit ver.di haben wir eine Menge erreicht. In den zwanzig Jahren seit Bestehen des Betriebsrats konnten wir Entgelterhöhungen von damals 9,36 Euro auf heute 25 Euro Stundenlohn plus Zuschläge erkämpfen. Weiter problematisch ist der hohe Anteil an befristeten Stellen, der bei der DSW obligatorisch ist. Sie haben ein Geschäftsmodell aus den Befristungen gemacht, indem immer wieder Arbeitslose per hoch dotierter Bildungsgutscheine eine Ausbildung zur Luftsicherheitsfachkraft erhalten, dann für zwei Jahre befristet angestellt und anschließend entlassen werden. Leider konnten wir diesen Missstand, der auch andere Firmen der Branche betrifft, bisher nicht abstellen. Regelmäßig setze ich mich zudem mit der Geschäftsleitung vor den Arbeitsgerichten auseinander, da sie dem Betriebsrat Rechte verwehren will, die ihm nach Betriebsverfassungsgesetz zustehen.

Ich gehe sehr in meiner Arbeit als Betriebsratsvorsitzender auf. Außerdem engagiere ich mich seit 16 Jahren tarifpolitisch in ver.di. Leider habe ich darüber meine Gesundheit vernachlässigt und vor zwei Jahren einen Herzinfarkt bekommen. Das war ein klares Signal, mehr auf mich zu achten, etwa mit Meditation und Joggen. Beim Arbeits- und Gesundheitsschutz gibt es allerdings auch eine riesige Baustelle in der Luftsicherheit: Die Kolleg*innen arbeiten bei der Personen- und Gepäckkontrolle regelmäßig dicht neben Röntgengeräten – ohne Schutz und ohne regelmäßige Messungen der Strahlung. Der Kampf für den Strahlenschutz ist ein Dauerbrenner. Am 13. Mai hatten wir Betriebsratswahlen, die von einigen Störfeuern der Geschäftsleitung begleitet wurden, wie üblich. Ich wurde wiedergewählt und werde auch weiterhin für unsere Kolleginnen und Kollegen da sein. Der Arbeitgeber hat mit Wahlanfechtung gedroht und wieder zurückgezogen. ver.di hat inzwischen Strafantrag wegen Behinderung der konstituierenden Sitzung gestellt.