Den 70000 Beschäftigten in München geht es weniger gut. ver.di sagt: So muss es nicht bleiben

Den Einzelhandel kennt jeder! Schließlich ist man ja tagtäglich Kundin oder Kunde im Supermarkt, im Kaufhaus und im Baumarkt. Aber wer kennt den Handel wirklich? Kaum ein Kunde nimmt die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Supermarkt so genau unter die Lupe wie die Tomaten, den Kopfsalat, die Bohrmaschine oder das billige T-Shirt vom Wühltisch im Kaufhaus.

Die Beschäftigten des Handels sind es, die Kunden zu Königen und Händler zu Millionären machen. Unter den zehn reichsten Deutschen befinden sich drei, die ihr Geld mit dem Handel verdienen. Aber die Arbeitsbedingungen dort werden zunehmend unzumutbarer. Preiskriege und Verdrängungswettbewerb, sowie ständige Leistungsverdichtung und Ausweitung von Ladenöffnungszeiten bei gleichzeitigem Personalabbau kennzeichnen die Branche.

Supermarkt-Einkauf ohne Personal?

Mit neuen Technologien wird schon heute der Supermarkt ohne Personal geplant. Man kennt das "Ikea-Prinzip". Dort ersetzt der Kunde seit langem den Lageristen, den Monteur und den Möbelpacker. So was soll künftig auch im Verbrauchermarkt funktionieren: Ganze Arbeitsbereiche, wie der einer Kassiererin, werden auf den Kunden verlagert. Dieser erfasst (scannt) seine Waren an einem Kassenterminal, wobei ihm eine freundliche Computerstimme Hilfestellung gibt. Anschließend wird am "Selfpay-Automaten" mit Bargeld, EC-Karte oder auch mit dem Fingerabdruck bezahlt. Wenn Funkchips das Preisetikett ersetzen, wird sogar der Scannvorgang an der Kasse überflüssig.

Schon heute gilt: Fachkenntnis, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit von Montag bis Samstag und auch mal sonntags, von früh bis in die Nacht, bedeutet im Handel meist nur "Minilohn für Maxiarbeit". Im Münchner Einzelhandel arbeiten rund 70000 Beschäftigte in hunderten von Firmen, Betrieben und Läden (rund ein Drittel davon hat nur einen so genannten Minijob). Über 70 Prozent der Einzelhandelsbeschäftigten sind Frauen.

Der Fachgruppenvorstand: Wir tun was!

Der ver.di-Fachgruppenvorstand Einzelhandel setzt sich ein für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Wir kämpfen gegen den massiven Verdrängungs- und Vernichtungswettbewerb im Handel, der die Hauptursache für den enormen Abbau von Arbeitsplätzen und den Verlust von Beratungsqualität ist. Wir engagieren uns für die Gründung von Betriebsräten bei Lidl und anderswo. Und wir sind aktiv gegen völlig unsinnige Ladenschlusszeiten und für einen fairen und an den Kunden orientierten Handel.

Vorsitzender der Fachgruppe ist Thomas Loihl, GBR-Vorsitzender bei Dehner Gartencenter, seine Stellvertreterin ist Monika Ludwig, Betriebsrätin bei Eurotrade am Flughafen München. Dem Fachgruppenvorstand gehören Mitglieder aus großen und wichtigen Münchner Einzelhandelsunternehmen wie Galeria Kaufhof, Karstadt, Hertie, Ikea, BDSK (XXXLutz), Rewe, Tengelmann, Edeka, real, Wal*Mart, Kaufland, Loden Frey, H&M, Sport Scheck, Betten Rid, Hirmer und Hugendubel an.

Wir sind dafür da, dass die Arbeit im Handel menschenwürdiger wird.

THOMAS LOIHL

Ausführlichere Informationen und Hinweise auf ver.di-Ansprechpartner/innen in den Betrieben und Gewerkschaftsbüros finden sich in dem vierseitigen Info-Blatt "Einzehandel. Informationen für München und die Region", das kostenlos bezogen werden kann über: ver.di München, FB Handel, Schwanthalerstr. 65, 80336 München; Tel. 089/59977-7125.

Gegen Unternehmerwillkür vor einem SchuhhausFOTO: ver.di