Auch chronisch unterfinanziert: Das Theater in Plauen-Zwickau

VON BIRGIT TRAGSDORF

Zu Beginn der neuen Spielzeit im Theater Plauen-Zwickau ging folgendes durch die Presse: Von den 60 Kolleg/innen des letzten Ensembles bleiben nur sechs am Haus – drei Sänger und drei Schauspieler. Der neue Intendant Roland May sprach allen anderen die Nichtverlängerung ihres Vertrages aus. So heißt die Kündigung beim künstlerischen Personal. Beim Wechsel des Intendanten können Künstler ausgetauscht werden. Das ist rechtens.

Konkurrenz im Haus

Welche Rechte haben Beschäftigte am Theater? Die arbeitsrechtlichen und tariflichen Regelungen sind komplex. Je mehr Sparten ein Theater hat, umso mehr Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften sind präsent. Auch die Betriebs- und Personalräte, die für alle am Theater Beschäftigten Interessenvertretung sind, spüren die Unterschiede. Wichtig ist, bei Einstellungen zu prüfen, ob der richtige Tarifvertrag angewendet wird. Orchester und Chöre sind gut organisiert in jeweils eigenen Gewerkschaften. Beim technischen Personal ist ver.di gut vertreten, steht aber auch hier in Konkurrenz zur Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GdBA). Tarifverhandlungen gestalten sich immer schwierig, viele Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden. ver.di hat beispielsweise zurzeit keinen Einfluss auf die Tarifbereiche der Orchester und darstellenden Künstler/innen. Der Tarifvertrag für Letztere, von der GdBA ausgehandelt, zählt zu den schlechtesten in der Arbeitswelt.

Hoher Kostendruck

In den drei Ländern unseres Landesbezirkes herrscht eine chronische Unterfinanzierung der Kultur. Bei der Berufung eines neuen Intendanten steht meist die Frage im Mittelpunkt, welche Einsparvorschläge er hat. Hinzu kommen eigene künstlerische Vorstellungen. Er will sich die Sänger/innen und Schauspieler/innen aussuchen, mit denen er seine Ideen umsetzen kann. So ist ein ständiges Kommen und Gehen Alltag. Die Solisten stehen am Ende der Kette, sehen ihre Lage jedoch unterschiedlich: Viele Bühnen, viele Handschriften möchten die einen kennen lernen, andere suchen eine stete Beschäftigung. Die Theaterkultur hat sich in den letzten Jahren verändert, es gibt kaum noch Ensembles. Zu den wenigen fest angestellten Solist/innen kommen bei jeder Inszenierung Gastschauspieler und -sänger, und dann gehen sie wieder. Für die Solisten gibt es eine Mindestgage von 1 600 Euro brutto pro Monat. Wie hoch die Gage wirklich ist, handeln sie meist in Einzelverträgen aus. Und schweigen darüber. Ein Intendant hat ein festes Budget und legt Wert auf eigenen Spielraum. So will er die Kosten am Haus möglichst gering halten, damit er so viel Geld wie nötig für die Gastspiele gefragter Künstler/innen hat. Das ist der Trend.

Konsens beim Abschluss

Unter den Tischlern, Beleuchtern, Schneiderinnen, Malern und Maskenbildner/innen hat ver.di das Gros seiner Mitglieder an den Theatern organisiert. Neben der Tarifhöhe sind Arbeitszeiten zu regeln - für die Abende, Wochenenden, Feiertage, Gastspiele. In den letzten Jahren hat ver.di an vielen Theatern im Landesbezirk Haustarifverträge ausgehandelt, im Konsens mit den anderen Gewerkschaften. Meist geht es um Beschäftigungssicherung und Einkommensverzicht. Die Zuschüsse aus den Ländern und Kommunen halten mit der Tarifentwicklung nicht Schritt. Dazu kommen Privatisierungspläne der Träger und der permanente Kostendruck. ver.di fordert, Kultur auch als Pflichtaufgabe der Kommunen festzulegen und ihnen dies finanziell zu ermöglichen.