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"In meiner Schule gab es eine Arbeitsgemeinschaft, in der wir älteren Schüler mit den Jüngeren regelmäßig etwas unternahmen – vor allem hinaus in die Natur gingen. Das hat mir viel Spaß gemacht, und so stand mein Berufsziel Erzieherin fest. Ich habe von 1980 bis 1983 an der Fachhochschule in Ost-Berlin studiert und bin danach Erzieherin in einer Kaulsdorfer Kita geworden. Seit 2000 arbeite ich in Tempelhof in der Kita Bosestraße des Eigenbetriebs Südwest. Bei allen Schwierigkeiten, gerade auch denen der Corona-Pandemie, habe ich immer Freude an diesem Beruf behalten.

Am liebsten arbeite ich mit etwas älteren Kindern, weil sie so vielseitig interessiert sind und wir gemeinsam viel erleben. Das ist nun natürlich eingeschränkt. Alle fiebern deshalb auf das Frühjahr hin, wenn wir wieder rausfahren können zu Exkursionen oder Waldbesuchen. Im Moment ist unser Aktionsradius eingeschränkt, aber wir nutzen alles, was geht: Inzwischen kennt unsere Gruppe sämtliche Spielplätze der Umgebung, wir begleiten im Wechsel Kinder nach Hause, streifen durch den Bosepark oder nahegelegene Kleingärten.

Viele Kolleg*innen sind ziemlich fertig

In den Personalrat bin ich im vergangenen Jahr zum zweiten Mal gewählt worden und gehöre nun dem Vorstand an. Meine Aufgabe ist die Öffentlichkeitsarbeit – nach außen wie auch nach innen, denn wegen Corona haben manche Kolleg*innen im Moment ein wenig den Kontakt zu uns verloren. Viele sind ziemlich fertig und lassen sich gerade schwer motivieren. Das wird sich hoffentlich im Verlauf der diesjährigen Tarifrunde für die Sozial- und Erziehungsberufe bessern.

Forderungen gibt es genug: Mehr Gehalt ist nötig und mindestens genauso wichtig wäre mehr Wertschätzung für unsere Arbeit. Da Kinder nach ökonomischen Maßstäben nichts ,leisten', zählen sie in der Gesellschaft leider ebenso wenig wie die Beschäftigung mit ihnen. Das muss sich ändern.

Änderungen wünschen sich viele Erzieher*innen auch beim Papierkram, der immer mehr Arbeitszeit frisst. Problematisch ist beispielsweise das Sprachlerntagebuch, in dem über jedes Kita-Kind alle Lernfortschritte und Beobachtungen notiert werden sollen. Wir haben auch früher Notizen gemacht, aber nun ufert es aus. Das lässt sich neben der eigentlichen Arbeit nicht bewältigen, zu Coronazeiten erst recht nicht.

Immerhin eine wichtige Erkenntnis haben wir in den zurückliegenden zwei Jahren gewinnen können: In kleineren Gruppen lässt es sich viel besser arbeiten. Es wäre gut, wenn die jetzige Stärke von 15 Kindern bei den Größeren und 13 bei den Jüngsten dauerhaft verringert würde."

Protokoll: Gudrun Giese, Foto: Christian Jungeblodt