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Diese Mauer gehört weg – die Beschäftigten erwarten gleichen Lohn für gleiche ArbeitFoto: ver.di

Die Beschäftigten der Universitätskliniken in Jena, Greifswald und Rostock haben symbolisch aufgebaut, was sie stört: "40-Stunden-Woche" steht auf den Pappkartons, die sie vor ihren Kliniken zu einer Mauer aufgeschichtet haben. Bei einer Mittagsaktion vor allen drei Krankenhäusern am 15. Dezember werden diese Mauern symbolhaft durchbrochen. Warum am 15. Dezember? "Ab jetzt arbeiten wir quasi umsonst", erklärt der Fachkrankenpfleger Tobias Röhrig von der Uniklinik Rostock. Denn an den drei ostdeutschen Unikliniken wird auch dreieinhalb Jahrzehnte nach der staatlichen Vereinigung noch 40 Stunden gearbeitet und nicht 38,5 Stunden wie im Westen. Entsprechend niedriger sind die Stundenlöhne.

Die Aktion war auch eine Vorbereitung auf die Länder-Tarifrunde, bei der allerdings das Geld im Vordergrund steht. Um 7 Prozent, mindestens aber 300 Euro monatlich sollen die Gehälter steigen. Für Auszubildende fordert ver.di 200 Euro mehr im Monat. "Alles wird teurer, aber die Arbeitgeber haben in der ersten Verhandlungsrunde nicht einmal ein Angebot vorgelegt. Das ist respektlos", findet die Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Katharina Rimbeck aus der Uniklinik Jena. In ihrer Kinderklinik sei die Bereitschaft, sich für ein gutes Tarifergebnis einzusetzen, deutlich größer als in den vergangenen Jahren. "Bei vielen hat es klick gemacht, sie sehen es nicht mehr ein. Es kann doch nicht sein, dass man hart arbeitet und im Supermarkt überlegen muss, was man sich noch leisten kann." Sehr wichtig findet die ver.di-Tarifbotschafterin deshalb den geforderten Mindestbetrag von 300 Euro, von dem die unteren Lohngruppen prozentual stärker profitieren würden.

Fakten statt Festtagsreden

"Wir müssen mindestens mit dem Tarifabschluss bei Bund und Kommunen gleichziehen", findet Tobias Röhrig, der sich im Personalrat der Rostocker Uniklinik engagiert. Das kommunale Südstadt-Klinikum, in dem der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) gilt, liege nur zwei Kilometer entfernt. "Wenn die Bedingungen dort besser sind, kann die Uniklinik die Leute auf Dauer nicht halten." In Jena ist die Situation nicht anders. Katharina Rimbeck verweist zum Beispiel auf die 23 Kilometer entfernten Waldkliniken Eisenberg, in denen für ver.di-Mitglieder sogar eine 35-Stunden-Woche gilt. "Da geht sowas, warum nicht auch bei uns?" Viele dächten, im öffentlichen Dienst verdiene man automatisch gut. "Doch das ist schon längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Wir müssen uns selbst für bessere Bedingungen einsetzen – und das machen wir auch."

Dass die Beschäftigten in den ost- und westdeutschen Unikliniken immer noch unterschiedlich behandelt werden, kann die Kinderkrankenpflegerin überhaupt nicht nachvollziehen. "Ich werde demnächst 28 Jahre alt. Ich kenne das geteilte Deutschland nur vom Hörensagen. Es darf nicht sein, dass ich für dieselbe Arbeit einen geringeren Stundenlohn kriege, weil ich hier wohne." Das findet auch Tobias Röhrig aus Rostock, der ebenfalls als ver.di-Tarifbotschafter aktiv ist. "Diese Ungerechtigkeit ist doch niemandem mehr zu erklären." Das Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" müsse natürlich auch für die Beschäftigten in Ostdeutschland gelten.

Auch beim Kündigungsschutz sind die Landesbeschäftigten dort weiterhin benachteiligt. "35 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es mehr als überfällig, hier für gleiche Bedingungen zu sorgen", betont der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. "Statt immer neuer Festtagsreden müssen endlich Fakten geschaffen werden."

Das richtet sich vor allem an die Adresse der betroffenen Landesregierungen. Die zuständigen Finanzministerien von Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen wollten sich auf Nachfrage mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht zu der Erwartung äußern, die Arbeitsbedingungen in Ost und West anzugleichen. Teresa Gärtner, die bei ver.di für die Uniklinik Jena zuständig ist, sieht es als "politische Verpflichtung der Landesregierung, endlich für gleiche Arbeitsverhältnisse zu sorgen". Die Klinikbeschäftigten seien bereit, dafür und für die geforderte Lohnerhöhung weiter Druck zu machen. "Wenn die Arbeitgeber bei ihrer Blockade bleiben, müssen sie sich warm anziehen." Daniel Behruzi