Vier Wochen lang hat Rolanda Limani beim ver.di-Landesbezirk ein Praktikum gemacht, war in Leipzig und Erfurt im Einsatz. Die 53-jährige gebürtige Kosovarin lebt seit vielen Jahren in Wien. Sie hat als Dolmetscherin, Integrationscoach und Laborassistentin gearbeitet, ehe sie Ende 2019 als Beraterin und Betriebskontakterin bei der Volkshilfe Wien einstieg. Dort begleitet sie Arbeitssuchende, unterstützt bei der persönlichen Stabilisierung und Berufsorientierung auf dem Weg zum neuen Job. Zudem ist sie dort Betriebsrätin.

Weil sie sich ständig weiterentwickeln möchte, hat die den Lehrgang Sozialakadamie (SOZAK) belegt, ein Bildungsangebot von Gewerkschaften, des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) und der Arbeiterkammer. Der zehnmonatige Lehrgang, der auf Erfahrungen in der Interessenvertretung und gewerkschaftlicher Arbeit aufbaut, bereitet auf Tätigkeiten in Betrieben und Dienststellen oder in den beteiligten Organisationen vor. Ziel ist es, für die tägliche Arbeit im Betrieb oder in den Gewerkschaften durchsetzungsstark zu sein.

In diesem Rahmen kam sie zum Praktikum nach Leipzig. Anfangs war hier für Rolanda alles Neuland. Eine unbekannte Stadt, neue Eindrücke und eine Organisation, die sie bis bislang nur aus dem Internet kannte. "Meine Aufregung war unbegründet, der Empfang im Leipziger Volkshaus war sehr herzlich. Corinna Hersel, die stellvertretende Landesbezirksleiterin, begrüßte mich und stellte mir die Beschäftigten in der Landesbezirksverwaltung vor. Dass die deutsche Sprache Wörter enthält, die verschiedene Bedeutung haben können, weiß ich natürlich. Trotzdem musste ich immer sehr konzentriert zuhören, um alles zu verstehen", erzählt Rolanda.

Corinna Hersel hat bereits im Vorfeld ein eng getaktetes Programm erarbeitet – von der Teilnahme an Leitungssitzungen über Konsultationen bei Sitzungen von Tarifkommissionen, der Teilnahme an Tarifverhandlungen bis hin zur Klausur des Präsidiums des Landesbezirksvorstands. Das Kennenlernen der "Querschnittsbereiche" gehörte ebenso zum Programm wie die Einblicke in die politischen Aktivitäten ver.dis.

"Was nicht sofort einleuchtend war, haben mir die ver.di-Beschäftigten geduldig erklärt", sagt Rolanda. Denn trotz regionaler Unterschiede gebe es gemeinsame Herausforderungen: Fachkräftemangel, hohe Arbeitsbelastung und eine geringe Tarifbindung. Viele Beschäftigte arbeiten in Österreich wie in Deutschland ohne Tarifvertrag und verdienen dadurch oft weniger. Gleichzeitig bleiben Tarifverhandlungen schwierig. Themen wie bessere Zuschläge, mehr Ruhezeiten und höhere Löhne stehen dabei in beiden Ländern regelmäßig im Mittelpunkt.

Ende Mai nahm Rolanda an der Frauenkonferenz des ver.di-Bezirks Thüringen teil. "Es war mir eine große Ehre, die Frauen des ver.di-Bezirksfrauenrates sowie viele weitere starke und engagierte Gewerkschafterinnen aus Thüringen kennenzulernen. Die zahlreichen Gespräche und Begegnungen haben mir gezeigt, welche Kraft in solidarischer Frauenarbeit steckt", so Rolanda.

Ihr Fazit nach vier Wochen: "Das war eine wunderbare Mischung aus persönlichen Gesprächen und fachlichem Austausch."