Die wirtschaftliche Lage in der privaten Entsorgung ist mies. Trotzdem sah sich das Management von Veolia Umweltservice Ost am Ende gezwungen, noch einmal deutlich nachzulegen. Insgesamt 1,20 Euro mehr pro Stunde bis Ende 2027 sorgen für ein spürbares Plus bei den insgesamt 1.235 Beschäftigten. Das ist vor allem dem Mut der Kolleg*innen zu verdanken, die zum ersten Mal die Arbeit niederlegten.

So auch bei Veolia Nordhausen und in der Region Ost. "Es war beeindruckend zu erleben, wie geschlossen die Kolleginnen und Kollegen gemeinsam die Arbeit niedergelegt haben. Unterstützt wurden wir dabei tatkräftig von den Standorten Göttingen und Osterode. Die Stimmung vor Ort war fantastisch, die Firmen in der Nachbarschaft haben uns wahrgenommen und ihre Solidarität in unserer Forderung signalisiert", sagt Maik Kremer, Mitglied der Tarifkommission und Betriebsrat bei Veolia Nordhausen.

Dieser ganztägige Warnstreik war der Wendepunkt der Tarifrunde. Am 9. März gingen viele Kolleg*innen von der Veolia Umweltservice Ost nicht zur Arbeit, sondern auf die Straße: In Berlin und Dresden fand eine zentrale Kundgebung und an den anderen Standorten fanden Aktionen vor Ort statt. Der erste Streik in der Geschichte des Unternehmens. Das Signal war eindeutig: "Wir meinen es ernst. Und wir sind nicht mehr bereit, uns mit Cent-Beträgen abspeisen zu lassen."

Ein solches Signal war notwendig, denn der Arbeitgeber hatte die Forderungen (325 Euro mehr im Monat, Mitglieder-Vorteilsregelung, verschiedene Zulagen) aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage abgelehnt. Mit Gegenwind aus den Reihen der Beschäftigten hatte man nicht gerechnet – war ja in der Vergangenheit auch nicht so. Doch der kam. Petitionen wurden verabschiedet, die Tarifkommission spürte den Rückhalt aus den eigenen Reihen und der erste Warnstreik wurde für den 9. März vorbereitet.

Der Druck des unerwarteten Warnstreiks war so groß, dass Veolia ein neues Angebot auf den Tisch legte: 60 Cent mehr pro Stunde für 2026 und nochmals 60 Cent für 2027. Besonders wichtig ist dabei, dass die Regelungen rückwirkend zum 1. Januar 2026 greifen. Damit erhalten die Beschäftigten die Erhöhung rückwirkend als Nachzahlung.

Die Tarifkommission blieb ihrer partizipativen Linie treu und band die Beschäftigten auch in die abschließende Entscheidungsfindung ein. Mit einem eindeutigen Votum standen die Abschlusssignale auf Grün.

"Rückblickend auf die Tarifverhandlungen bin ich vor allem stolz auf die hervorragende Zusammenarbeit zwischen ver.di, der Tarifkommission und jedem einzelnen ver.di-Mitglied bei Veolia. Die ver.di-Mitglieder der Veolia Umweltservice Ost GmbH haben uns in jeder Verhandlungsrunde den Rücken gestärkt", sagt Peter Hillig, Mitglied der Tarifkommission und Betriebsrat bei Veolia Dresden. Der Warnstreik habe gezeigt, dass man gemeinsam mehr erreichen könne als allein. "Die zahlreiche Teilnahme am Streik war ein starker Beweis für diesen Zusammenhalt. Dank dieser Unterstützung konnte am Ende ein Tarifabschluss erzielt werden, der für beide Seiten zufriedenstellend ist", so Hillig.