Ausgabe 05/2026
LeserBriefe
Titel "Rette mit uns den Sozialstaat", ver.di publik 04_2026
Zunächst begrüße ich es sehr, dass bundesweit in so gut wahrnehmbarem Rahmen zum Protest aufgerufen wird. Auf die angekündigten sogenannten "Reformpakete" der Bundesregierung ist dies die einzig richtige Antwort. Um diese Vorhaben noch abzuwenden, wären womöglich auch dauerhafte Aktionen ratsam. Leider lässt die Gewerkschaft einen entscheidenden Treiber dieser Sparpolitik völlig außer Acht: Die aufrüstungsbedingten Ausgaben werden auch im Titelartikel dieser Ausgabe mit keiner Silbe erwähnt. Es sollte jedoch keinesfalls verschwiegen werden, dass die Kosten für die Aufrüstung künftig beinahe jeden dritten Euro des Bundeshaushalts verschlingen. Wenn das oft betonte Wirtschaftswachstum für die Regierung – und auch für die Gewerkschaften – von so zentraler Bedeutung ist, muss dieser wirtschaftliche Zusammenhang mitgedacht werden: Während zum Beispiel eine Investition in Bildung erfahrungsgemäß zwei bis drei Euro Wachstum generiert, bringt ein Euro im Rüstungssektor künftig bestenfalls 50 Cent.
Marc Hölzinger, per E-Mail
Schöne Rede, aber die wesentliche Frage, der Zusammenhang des Sozialabbaus mit der Aufrüstung, wird bewusst umgangen. Es gibt kein wichtigeres Problem als die Verhinderung des Krieges, den wohl niemand überleben würde. Will sich meine Gewerkschaft da nicht positionieren? Will sie also beim Kriegsgeschrei mitmachen?
Wer soll sich dem entgegenstellen, wenn nicht die Gewerkschaften?
Dieter Voigt, Berlin
Man hätte wissen müssen, dass ein Friedrich Merz, wenn er Bundeskanzler wird, zu diesen Maßnahmen greift. Es ist nur nicht zu verstehen, dass die SPD das Spielchen mitmacht. Friedrich Merz war von 2016 bis 2020 Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock Asset Management Deutschland, einem Ableger eines der größten Finanzdienstleister der Welt. Er war in etlichen Aufsichtsräten von großen Unternehmen tätig. Allein bei der Schweizer Firma Stadler Rail bekam er zusätzlich zu seinen Tantiemen ein Aktienpaket, das beim Börsengang 5,7 Millionen Euro wert war. 2008 veröffentlichte er ein Buch "Mehr Kapitalismus wagen". Seine Forderungen: Kein gesetzlicher Mindestlohn! Arbeiter sollten Aktien kaufen, statt höhere Löhne fordern! Das Arbeitslosengeld kürzen! Privatisierung der Sozialversicherungen! Private Aktien-Rente! Die Mehrwertsteuer erhöhen! Steuer für Gutverdiener weiter senken! Wenn ich an Kanzler Merz denke, dann fällt mir Heinrich Heine ein: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht."
Manfred Maaßen, Kleve, 60 Jahre Verdi-Mitglied
upps "Kranke Kassen", ver.di publik 04_2026
Als ich den Artikel gelesen habe, dachte ich: Upps ... Ideologie vor sachlicher Diskussion. Klar, dass es sehr fragwürdig ist, wenn Krankenkassen ihre Kompetenzen überschreiten und Beitragsgelder in Anlagen investieren, deren Risiken mit ihrem gesetzlichen Auftrag nicht vereinbar sind. Die Anlage aber deshalb als "Zockerei mit den Beitragsgeldern der Krankenversicherten" zu diffamieren, geht deutlich zu weit. Schließlich hat sich hier kein Verantwortlicher persönlich bereichert. Die Kassen wollten Gewinne erzielen, die letztlich den Versicherten zugutegekommen wären. Man kann ihnen also eine Überschreitung ihrer Kompetenzen und eine falsche Anlageentscheidung vorwerfen, aber keine "Zockerei". Völlig schief ist die Argumentation, wenn daraus auch noch geschlussfolgert wird, dass eine kapitalgedeckte Altersversorgung des Teufels ist. Klar, es gibt zwischenzeitliche Kursrückgänge, die erst bei der Realisierung Verluste wären. Entscheidend ist aber die langfristige Entwicklung. Gerade das angeführte schwedische Beispiel widerlegt die Argumentation. Der schwedische Pensionsfonds AP7 verlor 2008 in der Finanzkrise tatsächlich mehr als ein Drittel seines Wertes. Bereits Ende 2010 war dieser Verlust nahezu vollständig wieder aufgeholt und hat nach dem Absturz bis Mitte 2026 seinen Wert ungefähr verelffacht, was einer jährlichen Rendite von über 14 Prozent entspricht. Anstatt immer nur zu sagen, was wir nicht wollen, sollten wir als Gewerkschaft einen eigenen konstruktiven Vorschlag machen: eine einfache, breit gestreute Anlage in Aktien zu möglichst geringen Kosten und unter vollständiger Heraushaltung der Finanzindustrie – und damit die Diskussion aktiv mitbestimmen und vielleicht sogar die Deutungshoheit gewinnen. Rüdiger Weigel, Minden
Artikel "Lieber gehe ich, bevor ich gehen muss", ver.di publik 04_2026
Wenn die AfD in ihrer unbegründeten Überheblichkeit meint, auf helle Köpfe verzichten zu können, stellt sie nur ihre Rückständigkeit und Unfähigkeit, über den Tellerrand zu blicken, zur Schau. Hans H., per E-Mail
Buchtipp "Geld als Waffe", ver.di publik 04_2026
Im Schlusskapitel des Lesetipps wird referiert, dass Ulrike Herrmann in einem Zusammenrücken Europas eine Hoffnung sieht, und die Rezensentin bestärkt sie darin.
Da ist doch aus gewerkschaftlicher Sicht zu fragen: Welches Europa soll da zusammenrücken?
Wenn es das Europa der Konzerne und Militärs ist, dann entsteht ein weiterer hochgerüsteter Machtblock, der mit den anderen kapitalistischen Konkurrenten USA, China, Russland konkurriert. Kalte und womöglich auch heiße Kriege drohen. Wenn hingegen die Lohnabhängigen in Europa gemeint sind, dann kann ich mich diesem Wunsch nur anschließen. Sie sollten sich zusammenschließen und Kämpfe gegen die Politik der Austerität und des Militarismus über alle Ländergrenzen hinweg führen. ver.di sollte ein wichtiger Teil dabei sein. Peter Nowak, per E-Mail
Brauchen wir Russophobien in unserer Mitgliederzeitung oder auch "China-Bashing"? Ich denke: Nein. Annette Jensen bespricht ein Buch von Ulrike Herrmann und man weiß nicht, wer gerade seine Meinung kundtut, Kollegin Jensen oder die Buchautorin. Im Artikel wird festgehalten, dass der Ukrainekrieg weitergeführt wird, weil sonst in Russland Arbeitslosigkeit droht. Deshalb macht Putin weiter und "bald eine neue Front auf, solange Europas Verteidigungsfähigkeit so schwach ist wie heute". Jeder Gewerkschafter muss also verstehen: Krieg sichert Arbeitsplätze! Europa wird zusammenrücken und stärker werden, ist die Prognose von Frau Herrmann. Und Kollegin Jensen schließt ihren Buchtipp: "Hoffentlich behält sie Recht." Unklar bleibt dabei, wer in Europa stärker wird: das Militär und die Rüstungsaktionäre? Minister Pistorius hätte sich nichts Schöneres wünschen können als diese kriegsertüchtigende Buchbesprechung. Rüdiger Deißler, per E-Mail
Meldung Internationales "Mensch ersetzt Maschine", ver.di publik 04_2026
Der Artikel bejubelt, dass ein Autobauer seine Arbeitskräfte, die er zuvor zugunsten von Robotern entlassen hat, wieder einstellt – um die zugrundeliegende KI zu trainieren. Besser kann man sich nicht selbst belügen. Sinnvoll wäre es, wenn sich die Gewerkschaften damit auseinandersetzen würden, wie unsere Gesellschaft und Arbeit jenseits der gewohnten Arbeits-, Steuer- und Klassenstrukturen in den nächsten Jahrzehnten aussehen sollten.
Das, was man kennt, zu zementieren, ist bestimmt keine gute Idee für eine menschliche Gesellschaft in der Zukunft.
Auch Gewerkschaften müssen ihre Rollenmuster überdenken. Roswitha Kerz, per E-Mail
Zum Leserbrief von Falk Prahl "Mach den Unterschied", ver.di publik 04_2026
Es ist in der Tat sehr bedenklich, dass der Zusammenhang Sozialabbau, Militarisierung und Kriegstüchtigkeit in gewerkschaftlichen Publikationen und Veranstaltungen kaum von Hauptamtlichen thematisiert wird, sondern dies LeserInnen und KollegInnen überlassen bleibt. Eine hauptamtliche Kollegin von ver.di antwortete mir zu diesem Themenkreis, sie sei der Meinung, die schleichende Gewöhnung an die Kriegsertüchtigung in Deutschland müsse an anderer Stelle thematisiert werden. An welcher Stelle verriet sie mir aber nicht. Andere sind da schon klarer. So äußerte jüngst Clemens Fuest, der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts IFO, bei Maybrit Illner: "Kanonen und Butter, es wäre schön, wenn das ginge, aber das ist Schlaraffenland, das geht nicht." Und spätestens, wenn es keine Butter, aber Kanonen geben soll, sind verdammt nochmal die Gewerkschaften in der Pflicht! Artur Hoch, Augsburg
BECK, ver.di publik 04_2026
In der Ausgabe publik 04_2026 wurden zwei Leserbriefe mit kritischen/verständnisfreien Äußerungen über den letzten Beck-Cartoon veröffentlicht. Diese Kritik kann ich echt nicht verstehen.
Für mich sind die Beck-Cartoons immer eine aufmunternde Abwechslung
zwischen den sonst informativen und eher ernsten Inhalten. Meine Frau (GEW-Mitglied mit einer Mitgliederzeitung ohne solche Qualitätscartoons) ist ebenfalls ein Beck-Fan und freut sich jeweils mit mir.
Hartmut Kauschke, Leipzig